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“Weg für zukunftsweisende Technologien zu steinig“

Mit der #eHealthCon vernetzt die AOK Nordost Start-ups und Entscheider im Gesundheitswesen miteinander. Ziel der Veranstaltung am 7. November bei der AOK Nordost in der Kreuzberger Wilhelmstraße ist es auch, über eine gemeinsame Vision für die künftige Gesundheitsversorgung in Deutschland zu diskutieren. Frank Michalak, Vorstand der AOK Nordost, hat bereits ein klares Bild vor Augen.

Interview mit Frank Michalak zum Start-up-Event #eHealthCon

Herr Michalak, in Berlin gibt es zahlreiche Start-up-Veranstaltungen. Warum veranstaltet jetzt auch noch die AOK Nordost so einen Event?

Als eine der Vordenker-Kassen in Sachen Digitalisierung bekommen wir fast täglich Anfragen von jungen Unternehmen mit innovativen Produkten. Jetzt schafft das Digitale-Versorgung-Gesetz neue Möglichkeiten, noch besser miteinander zu kooperieren. Damit das gelingt, braucht es gemeinsame Ziele und funktionierende Netzwerke. Mit der #eHealthCon vernetzen wir die Start-ups mit möglichst vielen Entscheidern und Akteuren im Gesundheitswesen. Gemeinsam nähern wir uns in Sessions und Panels mit der Diskussion aktueller Themen einer Vision, wie innovative Versorgung in Deutschland aussehen kann und was es dafür braucht.

Alle reden von Innovationen. Wie kommen sie in den Alltag der Menschen?

Der Weg für zukunftsweisende Technologien in den Gesundheitsmarkt und in die Regelversorgung ist immer noch steinig. Zwar schafft das Digitale-Versorgung-Gesetz erstmals neue Möglichkeiten – zum Beispiel können Krankenkassen selbst zusammen mit Dritten digitale Innovationen entwickeln, aber auch bis zu zwei Prozent ihrer Finanzreserven über Fonds in digitale Innovationen investieren. Dennoch gehören die Regelungen, wie wir die „Digitalen Gesundheitsprodukte“ in die Versorgung kriegen, teilweise noch auf den Prüfstand.

Warum?

Was wir brauchen, sind zusätzliche Möglichkeiten für die Krankenkassen, um die Nutzung der Digitalen Gesundheitsanwendungen in den Arztpraxen zu unterstützen. Dies schließt das Gesetz bisher von vorn herein aus. Sinnvoll wäre es auch, dass Kassen ihren Versicherten wieder einfacher gezielte Versorgungsangebote machen können. Das hat der Gesetzentwurf des DVG im Vergleich zum Referentenentwurf durch strengere Datenschutzregeln nur verkompliziert.

Datenschutz und digitale Innovation scheinen sich oft auszuschließen. Was braucht es, um diese Bremse zu lösen?

Die Frage ist doch, wie kann man Datenschutz und Innovation von Anfang an zusammendenken? Ich sehe Datenschutz nicht als Bremse sondern – von Vornherein mitgedacht – als Chance für Innovation. Estland und Israel gehen da bereits mit tollen Beispielen in Sachen Patientenakte oder Versorgungsforschung voran. Allerdings brauchen wir dafür in Deutschland noch eine grundsätzliche Veränderung im Mindset - einen echten Kulturwandel.

Was muss sich denn im Mindset ändern?

Im deutschen Gesundheitswesen hängen wir oftmals noch an alten Denkmustern fest. Neue Ideen kollidieren mit veralteten Strukturen. Es kann ja niemand so richtig aus seiner Haut. Ein Perspektivwechsel bei allen Akteuren kann da Wunder wirken.

Haben Sie ein Beispiel?

Ein Patient nimmt das Gesundheitssystem und die Versorgungswege oft ganz anders wahr, mitunter sind sie für ihn sogar unverständlich. Die Patienten sind – was den digitalen Wandel und damit auch den Kulturwandel betrifft oft schon weiter als das System. In vielen Lebensbereichen sind digitale Anwendungen längst im Alltag angekommen. Nur im Gesundheitswesen nicht. Viele Menschen halten den elektronischen Austausch von Patientendaten zwischen Behandlern unter sich oder mit dem Patienten seit Jahren für genauso selbstverständlich. Die AOK Nordost hat nach langem Warten auf den Gesetzgeber dann vor einigen Jahren angefangen, das Thema voranzutreiben – der Gesetzgeber und die Exekutive diskutieren immer noch darüber. Hier gibt es offensichtlich eine Diskrepanz. Darüber hinaus wird für ein solides Verständnis auf allen Seiten perspektivisch eine bessere Gesundheitsbildung in Schulen, Ausbildung und Studium nötig sein. Das trifft sicher nicht zuletzt auch das Medizinstudium und die Pflegeausbildung, in deren Curricula man e-Health Themen viel stärker einbringen muss.

Was braucht es noch auf dem Weg zu einer gemeinsamen Vision für eine zeitgemäße Gesundheitsversorgung?

Die Akteure im Gesundheitswesen stecken immer noch viel zu sehr im Klein-Klein. Sie sehen immer noch viel zu viele Probleme statt Mehrwerte und Chancen in disruptiven Veränderungen. Eine Chance für die Zukunft besteht darin, nicht nur Teile des Weges zu beschreiben, sondern gemeinsam ein übergreifendes Zielbild zu entwickeln – dem dann möglichst viele nacheifern sollten. Wichtig dabei ist, die Entwicklung in Deutschland nicht im luftleeren Raum zu betrachten. Wir werden mit Amazon, Google und Co. leben müssen. Doch wir können jetzt entscheiden, wie.

Das Programm, Tickets und weitere Informationen zur #eHealthCon unter: https://www.aok.de/kp/nordost/ehealthcon/

Pressekontakt

AOK Nordost - Die Gesundheitskasse
Pressesprecher Matthias Gabriel
Telefon: 0800 265080-22202
Fax: 0800 265080-22926
E-Mail: presse@nordost.aok.de