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Gesundheit in der digitalen Arbeitswelt: Der Mensch muss im Fokus von Veränderungen stehen

Unternehmen stehen vor einer großen Herausforderung: Einerseits wollen sie die Digitalisierung vorantreiben, andererseits dürfen sie dabei die Bedürfnisse der Mitarbeitenden nicht vergessen. Wie beides miteinander vereinbart werden kann, hat die AOK Niedersachsen im Innovationsprojekt „Gesundheit in der Arbeitswelt 4.0“ herausgefunden und jetzt in einem Abschlussbericht vorgestellt. Dazu hat die AOK über vier Jahre hinweg 21 niedersächsische Unternehmen verschiedener Branchen und Größen begleitet.

Grundsätzlich steht die Mehrheit der Beschäftigten der Digitalisierung in ihren Unternehmen positiv gegenüber. In den insgesamt 158 Workshops befürchten nur wenige der Teilnehmenden, dass ihr Arbeitsplatz durch die rasante Entwicklung gefährdet ist. Ausschlaggebend für die Zufriedenheit ist aber, dass Arbeitnehmende die digitale Entwicklung aktiv mitgestalten können.

Untersucht wurde unter anderem, wie sich die Arbeitswelt wandelt und welche gesundheitlichen Folgen sich daraus ergeben. So gewinnen Prävention und Gesundheitsmanagement weiter an Bedeutung. Dafür muss das Betriebliche Gesundheitsmanagement zielgenau ausgestaltet werden. Neben gesundheitsfördernden Arbeitsbedingungen ist es ebenso wichtig, die individuelle Gesundheitskompetenz der Beschäftigten zu stärken.

Flexibilisierung der Arbeit darf nicht zur Entgrenzung führen

Die Vereinbarung von Beruf und Familie wird durch zeit- und ortsunabhängiges Arbeiten erleichtert. Wichtig dabei ist, dass Betriebe klare Rahmenbedingungen für ihre Mitarbeitenden schaffen. Die Arbeit von Zuhause darf nicht zu einer Dauererreichbarkeit führen. Beschäftigte müssen befähigt werden, ihre Arbeits- und Aufgabeneinteilung selbstständig so zu organisieren, dass die Flexibilität sie nicht überfordert. Außerdem sollten Führungskräfte immer wieder eine persönliche Kommunikation pflegen, damit die Arbeit auf Distanz gelingt.

Digitaler Stress beeinflusst die psychische Gesundheit

Digitalisierung kann zusätzlichen Stress auslösen: Ein Hauptfaktor sind überzogene Erwartungen an die Leistungsfähigkeit digitaler Technologien. Aber auch die empfundene Informationsflut durch dauerpräsente Kommunikationsmedien kann hierfür ein Grund sein. Um eine Überforderung am Arbeitsplatz zu vermeiden, muss der Arbeitgeber seinen Beschäftigten verlässliche Anwendungen bereitstellen, die technisch gut funktionieren und die Beschäftigten in ihrer täglichen Arbeit unterstützen. Technische Lösungen, die nicht ausreichend zur Tätigkeit passen und damit zu Mehraufwand führen, erschweren die Arbeit eher, als dass sie sie erleichtern. Genauso verhält es sich mit der Vielzahl an Kommunikationsmedien, wenn diese keinen klaren Nutzungsbedingungen unterliegen. Um Belastungen zu reduzieren, sollten Mitarbeitende bereits dann die Möglichkeit zur Beteiligung und Mitgestaltung erhalten, wenn der Einsatz neuer Technologien geplant wird. Ebenfalls stellte sich heraus, wie wichtig Weiterbildungsmöglichkeiten und Unterstützungsangebote für neue Anwendungen und zum Umgang mit Stress sind. 

Statements:

Dr. Volker Müller, Unternehmerverbände Niedersachsen e.V.: „Moderne Politik muss einen zukunftsfähigen Rahmen schaffen, damit neue Formen des Arbeitens unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Beschäftigten und der betrieblichen Erfordernisse auf Unternehmensebene geregelt werden können. Nur dort können passgenauen Lösungen gefunden werden, um alle Beschäftigten mitzunehmen und ein starkes Netzwerk zum Wissens- und Erfahrungsaustausch zu ermöglichen.“

Dr. Mehrdad Payandeh, Bezirksvorsitzender des DGB-Bezirk Niedersachsen – Bremen – Sachsen-Anhalt: „Die Arbeitswelt verändert sich so schnell wie noch nie. Umso wichtiger ist es, entsprechende Bedingungen zu schaffen. Beschäftigten muss es ermöglicht werden, den digitalen Wandel mitzugestalten und ihre Interessen und Bedürfnisse einzubringen.“  

Dr. Jürgen Peter, Vorstandsvorsitzender der AOK Niedersachsen: „Digitale Anwendungen werden oft technikzentriert geplant. Die Projektergebnisse zeigen jedoch, wie wichtig es ist, dabei stärker mitarbeiterorientiert vorzugehen. Die Beschäftigten sind der entscheidende Faktor für den Erfolg aller Digitalisierungsmaßnahmen.“

Dr. Martin Kuhlmann, Direktor des Soziologischen Forschungsinstituts Göttingen (SOFI) und Leiter der wissenschaftlichen Begleitforschung: „Neben der Mitgestaltung sind soziale Unterstützung, Kollegialität und eine gute Zusammenarbeit im Team wichtige Ressourcen. Sie wirken sich positiv auf die Einschätzung psychischer und physischer Arbeitsbelastungen und auf das Wohlbefinden aus.“

Die AOK Niedersachsen nutzt die Projektergebnisse, um das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) weiterzuentwickeln. Damit werden die Unternehmen dabei unterstützt, die Arbeitswelt 4.0 erfolgreich zu gestalten.

Die Kernergebnisse des Projekts sind im Abschlussbericht unter https://www.aok.de/fk/niedersachsen/gida/#0 zusammengefasst.