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Digitalisierung gesund gestalten

Fachforum der AOK zeigt die Herausforderungen auf

Experten aus Wirtschaft, Politik und Forschung haben in Hannover über die Herausforderungen diskutiert, die der digitale Wandel in allen Branchen für die Beschäftigten und deren Gesundheit mit sich bringt. Die AOK Niedersachsen hatte im Rahmen ihres Innovationsprojekts „Gesundheit in der Arbeitswelt 4.0“ zu diesem Fachforum eingeladen.

Deutlich wurde, dass der mit den Schlagworten „Digitalisierung“ und „Arbeit 4.0“ umschriebene Wandel von vielschichtigen Veränderungen für Unternehmen begleitet ist. Die an dem Innovationsprojekt beteiligten Unternehmen sehen entsprechend große Herausforderungen für den Erhalt von Wohlbefinden und Gesundheit der Beschäftigten – und damit für das betriebliche Gesundheitsmanagement.

Dr. Max Neufeind, Referent für Grundsatzfragen der Arbeitspolitik im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, stellte heraus, dass unter dem Stichwort „Arbeitswelt 4.0“ nicht nur technische Aspekte zu verstehen sind. Vielmehr müssen auch gesellschaftliche Veränderungen betrachtet werden, wie etwa der Wandel von Werten und Ansprüchen der Beschäftigten. „Die Herausforderung ist, dass Werte und Ansprüche vielfältiger werden. Diese Vielfalt müssen wir bei der Gestaltung der künftigen Arbeitswelt berücksichtigen“, so Dr. Neufeind. „In der digitalen Transformation muss der Mensch mit seinen Bedürfnissen Ausgangspunkt der Gestaltung von Arbeit bleiben.“

Das AOK-Projekt untersucht, wie sich die neuen Arbeitsprozesse auf die Beschäftigten und deren Gesundheit auswirken. „Betriebliches Gesundheitsmanagement kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die digitale Transformation in den Unternehmen gesund zu gestalten“, erläuterte Projektleiterin Anouschka Gronau. Dazu müsse es jedoch agiler und zielgruppen-spezifischer werden. „Wie ein zukunftsfähiges betriebliches Gesundheitsmanagement gestaltet sein muss, erproben wir derzeit gemeinsam mit den beteiligten Projektunternehmen.“ Eine wichtige Erkenntnis aus dem Projekt sei bislang, dass der Austausch zwischen Unternehmen zur gesunden Gestaltung der Arbeitswelt 4.0 wertvolle Impulse geben könne.

Handlungsbedarf wird auch aus dem wissenschaftlichen Blickwinkel deutlich: „Arbeitswelt 4.0 bedeutet, dass die Unternehmen in nahezu allen Branchen aktuell vor vielfältigen Herausforderungen stehen. Obwohl der arbeitspolitische Gestaltungsbedarf wächst, sind die Akteure hierauf aber oft nicht gut vorbereitet“, erläuterte Dr. Martin Kuhlmann, Arbeitssoziologe am Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) e.V. „Arbeitspolitisch muss insbesondere bei den Themen Qualifizierung, Umgang mit Flexibilisierung und steigender Transparenz sowie beim Thema Technikgestaltung reagiert werden. Im Kern geht es auch darum, die Mitsprache- und Mitgestaltungsmöglichkeiten der Beschäftigten zu erhöhen.“ Es sei jetzt wichtig, die gesundheitsbezogenen Herausforderungen der Digitalisierung zu untersuchen sowie Gestaltungsperspektiven zu entwickeln und zu erproben. „Die AOK Niedersachsen geht mit ihrem Projekt den richtigen Weg. Wir brauchen mehr Gestaltungsphantasie und Weiterentwicklungen, auch im Bereich der Gesundheitsförderung.“

An dem Innovationsprojekt „Gesundheit in der Arbeitswelt 4.0“ nehmen 20 niedersächsische Unternehmen teil. Es wird vom Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) e.V. wissenschaftlich begleitet. Die Ergebnisse werden im Rahmen einer unabhängigen Studie publiziert. Das Projekt wurde in Partnerschaft mit dem Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung sowie dem Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung ins Leben gerufen. Ebenso wird das Projekt durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales unterstützt. Die Unternehmerverbände Niedersachsen e.V. und der Deutsche Gewerkschaftsbund Niedersachsen - Bremen - Sachsen-Anhalt begleiten das Projekt sozialpartnerschaftlich.

Weitere Informationen zum Projekt und zum Fachforum: www.aok-projekt-viernull.de.

Foto | Die Referenten des AOK-Fachforums - von links: Dr. Max Neufeind (Bundesministerium für Arbeit und Soziales), Anouschka Gronau (AOK Niedersachsen), Dr. Sabrina Rudolph (Universitätsmedizin Göttingen), Willi Poll (Fahrzeugwerk Bernhard Krone), Dr. Martin Kuhlmann (Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen). Bildnachweis: Tom Figiel