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Bruxismus: Was gegen Zähneknirschen hilft

Frau hält sich die Wange, weil sie Schmerzen aufgrund von Bruxismus erleidet.

© iStock / Milorad Kravic

Lesezeit: 4 MinutenAktualisiert: 23.02.2021

Mahlen, reiben, pressen – viele Menschen, die mit den Zähnen knirschen, merken oft nichts davon. Auf Dauer kann Bruxismus aber nicht nur dem Gebiss schaden. Auch Gelenke und Muskeln im Kieferbereich leiden. Wie man Zähneknirschen erkennt und welche Maßnahmen helfen.

Inhalte im Überblick

    Die Hauptursache fürs chronische Knirschen ist Stress

    Wer gestresst ist, spannt unbewusst die Muskeln an, vor allem die Muskeln im Bereich von Kiefer und Gesicht sowie im Bereich des Nackens, der Schulter und des Rückens. Für die Gesichts- und Kiefermuskeln gilt sprichwörtlich, dass man die Zähne zusammenbeißt. Dazu passt auch, dass Bruxismus am häufigsten im Alter zwischen 30 und 45 Jahren auftritt – einer Phase, in der viele Menschen beruflich und privat vor vielen Herausforderungen stehen. Mit zunehmendem Alter wird das Leben entspannter und auch das Risiko, zum Zähneknirscher zu werden, nimmt wieder ab.

    Die Ursachen von Bruxismus sind vielfältig

    Etwa jeder fünfte Erwachsene knirscht mit den Zähnen. Dabei spannen die Betroffenen die Kaumuskulatur unbewusst und wiederholt an. Oft pressen oder reiben dann die Zähne aufeinander. Bruxismus – so der Fachbegriff – kann aber auch ohne Kontakt der Zähne einhergehen. Grundsätzlich unterscheiden Mediziner zwischen dem Zähneknirschen im wachen Zustand (Wachbruxismus) und dem Zähneknirschen während des Schlafs (Schlafbruxismus). Frauen und Männer sind ähnlich häufig von Bruxismus betroffen, wobei der Wachbruxismus bei Erwachsenen öfter auftritt als der Schlafbruxismus.

    Weitere Ursachen können folgende sein:

    • Schlafstörungen (Tipps für einen gesunden Schlaf) ,

    • der Einfluss bestimmter Medikamente (z. B. gegen Depressionen oder ADHS),

    • der Konsum von Koffein, Nikotin (Mit dem Rauchen aufhören), Alkohol oder Drogen,

    • eine familiäre Veranlagung oder

    • bestimmte Krankheiten (z. B. Schlafapnoe, Reflux).

    Welche Folgen hat das ständige Zähneknirschen für die Gesundheit?

    Viele Menschen leiden zeitweise an Bruxismus. Zum Problem wird das Zähneknirschen allerdings vor allem dann, wenn es dauerhaft auftritt. Denn vor allem der ständige Druck, der dabei entstehen kann und manchmal bis zu 480 Kilogramm pro Quadratzentimeter beträgt, ist zehnmal stärker als der normale Druck beim Kauen. In Ausnahmefällen kann das Zähneknirschen sogar bis zu 45 Minuten täglich dauern. Das bleibt nicht ohne Folgen.

    • Zum einen leiden die Zähne unter der starken Belastung. Eine Folge davon sind zum Beispiel besonders stark abgeriebene oder abgeschliffene Zähne. Mediziner nennen diese Abnutzung Abrasion und bezeichnen damit auch den Verlust der sogenannten Zahnhartsubstanz. Auch das ist eine Folge der starken Abreibung. Gekennzeichnet sind diese „abradierten“ Zähne durch den Verlust von Fissuren, Höckern, Schneidekanten und Schliff-Facetten, auch eine damit verbundene Bisssenkung ist möglich. Häufig sind außerdem Riefen (Rillen) oder Zahnsprünge, das sind Risse in der Zahnhartsubstanz, zu beobachten.
    • Darüber hinaus kann es zu einer Zunahme der Kaumuskulatur (Hypertrophie) sowie zu Muskelverspannungen kommen. Diese Verspannungen in der Kaumuskulatur werden häufig auch als Kopfschmerzen wahrgenommen. Teilweise treten neben diesen Schmerzen auch Funktionseinschränkungen der Kieferbewegung auf. Mediziner sprechen dann von einer craniomandibulären Dysfunktion (CMD), eine krankhafte Folge des Bruxismus. Solche Störungen der gesamten Kieferbewegung äußern sich unter anderem als Mundöffnungseinschränkung oder als Seitenabweichung des Unterkiefers. Weitere Symptome können auch Kiefergelenkknacken oder Kiefergeräusche sein.

    Frau setzt sich eine Knischschiene ein weil sie unter Bruxismus leidet.
    Bei Bruxismus kann eine Knirschschiene helfen.

    © iStock / AndreyPopov

    Zähneknirschen – das kann man dagegen tun

    Erstes Mittel bei Schlafbruxismus ist oft eine sogenannte Aufbissschiene, umgangssprachlich manchmal auch Knirschschiene genannt. Sie wird aus Kunststoff gefertigt und sitzt entweder am Ober- oder Unterkiefer. Sie schützt die Zähne vor weiteren Schäden. Experten empfehlen aber, sie nicht jede Nacht zu tragen, sondern dazwischen immer wieder einmal ohne Schiene zu schlafen. Das soll einen Gewöhnungseffekt verhindern. 

    Wer von Wachbruxismus betroffen ist, für den gilt es, sich erst einmal achtsam selbst zu beobachten (Mediatation und Achtsamkeitstraining).

    Um sich selbst im Alltag zu beobachten, gibt es gute Möglichkeiten:

    • Der Selbsttest: Kleben Sie farbige Aufkleber auf alle möglichen Gegenstände in Ihrer Umgebung wie auf die Uhr, den Computer-Bildschirm, das Handy oder den Autorückspiegel. Sobald Sie den bunten Aufkleber sehen, kontrollieren Sie Ihre Zahnstellung! Ertappen Sie sich dabei, dass Sie die Zähne zusammenhalten, öffnen Sie den Mund weit und schließen ihn anschließend wieder entspannt, ohne dass sich die Zähne berühren. Grundsätzlich sollten Sie die Lippen geschlossen halten.
    • Vermindern Sie Anspannung und Stress: Beides kann Auslöser für eine falsche Zahnstellung sein. Hilfreich sind Ausgleichsbeschäftigungen, die vom täglichen Einerlei ablenken und vor allem für körperlichen Ausgleich sorgen. Entspannungsfördernd ist autogenes Training  oder die progressive Muskelentspannung.

    Wer zudem schlecht schläft, sollte auf seine Schlafhygiene achten, um einen gesunden und erholsamen Schlaf zu fördern. Dabei können verschiedene Dinge helfen, wie zum Beispiel:

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