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Gesundheitsmagazin

Selbstbewusstsein

Freiwilliges Soziales Jahr in einer Pflegeeinrichtung

Veröffentlicht am:23.11.2022

6 Minuten Lesedauer

Mit dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) unterstützen zumeist Jugendliche zwischen 16 und 26 Jahren gemeinwohlorientierte Einrichtungen. Dafür bieten sich beispielsweise Pflegeeinrichtungen an. So kann der Alltag als FSJlerin aussehen.

Frau im FSJ spielt mit einer älteren Dame eine Brettspiel.

© iStock / SilviaJansen

Inhalte im Überblick

    Sarah Behrends, FSJlerin in einem Seniorenzentrum.

    © privat

    Sarah ist 18 Jahre alt und absolviert ihr Freiwilliges Soziales Jahr im Martin-Luther-Haus, einem Seniorenzentrum in Münster. Im Interview erzählt sie, warum sie sich für ein FSJ entschieden hat und was sie tagtäglich erlebt.

    Wie bist du zu dem Freiwilligen Sozialen Jahr in der Pflege gekommen?

    Während meiner Schulzeit wusste ich noch nicht so richtig, was ich beruflich machen möchte. Für mich war aber klar, dass ich nach dem Abitur ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviere. Einen sozialen Beitrag zu leisten und in verschiedene Bereiche hineinzuschnuppern, war mir dabei besonders wichtig. Auf die Einrichtung bin ich eher zufällig gestoßen. Meine Schwester ist nach Münster gezogen und da habe ich mir eine Institution für mein Freiwilliges Soziales Jahr in der Nähe gesucht – ursprünglich komme ich aus der Nähe von Bielefeld. Um herauszufinden, ob die Einrichtung zu mir passt, habe ich mir die verschiedenen Häuser der Diakonie zunächst online angesehen. Für mich war beispielsweise interessant, wie viele Bewohner und Bewohnerinnen in dem Seniorenzentrum leben. Ich habe mich dann relativ schnell für das Martin-Luther-Haus entschieden, weil die Beschreibung mich am meisten angesprochen hat. Nach meiner Bewerbung wurde ich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Der anschließende Probearbeitstag hat mir so gut gefallen, dass ich mich entschloss, für das Freiwillige Soziale Jahr von Bielefeld nach Münster zu ziehen. Meine Familie und Bekannten fanden meine Entscheidung übrigens durchweg positiv.

    Wie sieht ein typischer Tag als FSJlerin aus?

    Ich starte meistens gegen 9:30 Uhr und gehe dann zunächst ins Büro. Hier besprechen wir, welche Aufgaben für den Tag anliegen und welche ich davon übernehme. Um 10 Uhr gibt es in der Regel Angebote für die Bewohner und Bewohnerinnen. Das ist beispielsweise ein Nähkreis, ein Gottesdienst oder der Chorgesang. Ich bringe die Menschen zu diesen Veranstaltungen und nehme daran teil. Dabei gibt es vieles zu tun: Ich biete den Teilnehmenden Getränke an, unterhalte mich mit ihnen oder unterstütze sie, wenn sie bei den Aktivitäten Hilfe benötigen. Wenn nichts Besonderes ansteht, gehe ich durch die Einrichtung und sehe, wo ich helfen kann. In der Einrichtung gibt es insgesamt sechs Bereiche, in denen ich mich frei bewegen kann. Ich unterstütze das Betreuungs- und Pflegepersonal, indem ich mit den Menschen Gesellschaftsspiele spiele, mit ihnen spazieren gehe oder das Essen in den Zimmern anreiche. Natürlich gleicht nicht jeder Tag dem anderen, aber so sieht ein typischer Tag aus.

    Meine Aufgaben sind abwechslungsreich, der Kontakt mit den Menschen gefällt mir aber am besten

    Gibt es zunächst eine Art Einarbeitungsprogramm?

    Ja, das gibt es. Da ich erst seit einigen Wochen im Dienst bin, befinde ich mich noch mitten in der Einarbeitungsphase. Ich habe eine feste Ansprechpartnerin, die im sozialen Dienst arbeitet. Mit ihr bespreche ich anfallende Aufgaben – an sie kann ich mich auch wenden, wenn ich Probleme oder Sorgen habe. In den ersten Tagen bin ich viel mit dem Betreuungspersonal in der Einrichtung umhergelaufen, um mir den Alltag anzusehen und ein Gefühl für die Tätigkeiten zu bekommen. Nach kurzer Zeit hatte ich den Dreh heraus und mache mittlerweile vieles alleine.

    „Ich habe eine feste Ansprechpartnerin, die im sozialen Dienst arbeitet. Mit ihr bespreche ich anfallende Aufgaben – an sie kann ich mich auch wenden, wenn ich Probleme oder Sorgen habe.“

    Sarah Behrends
    FSJlerin im Martin-Luther-Haus in Münster

    Welche Aufgaben darfst du nicht (allein) übernehmen?

    Ich absolviere mein Freiwilliges Soziales Jahr zwar in einer Pflegeeinrichtung, Pflegetätigkeiten wie die Medikamentengabe oder den Verbandswechsel darf ich aber nicht durchführen. Wenn das Pflegepersonal Unterstützung benötigt, komme ich ins Zimmer und reiche ihnen zum Beispiel Utensilien für die Körperpflege. Schwerpunktmäßig arbeite ich aber im Betreuungsbereich. Mit sehr schwierigen und/oder orientierungslosen Personen darf ich mich übrigens nicht allein beschäftigen. Diese Bewohner und Bewohnerinnen benötigen meist erfahrene Pflege- beziehungsweise Betreuungskräfte.

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    Was bedeutet dir der Kontakt mit den Bewohnern und Bewohnerinnen?

    Der zwischenmenschliche Kontakt bedeutet mir sehr viel. Die Bewohner und Bewohnerinnen freuen sich, wenn ich mir Zeit für sie nehme, ihnen zuhöre, mit ihnen spiele oder einfach nur da bin. Sie strahlen dann richtig, wenn ich morgens auf sie zugehe. Der Kontakt bringt aber nicht nur den Menschen, die dort leben, etwas. Auch für mich nehme ich vieles mit. Ich bin eigentlich eher ein schüchterner Mensch. Durch den Kontakt mit den Bewohnern und Bewohnerinnen habe ich gelernt, besser auf Menschen zuzugehen und mich mehr zu trauen. Nach einiger Zeit wachsen einem die Menschen regelrecht ans Herz. Deshalb gibt es natürlich auch traurige Momente. Wenn ich mich mit Bewohnern und Bewohnerinnen regelmäßig austausche und in gemeinsamen Gesprächen merke, dass sie körperlich oder geistig stark abbauen, ist das für mich nicht leicht.

    Eine junge Frau im FSJ geht mit einer älteren Damen spazieren. Sie unterhalten sich.

    © iStock / SilviaJansen

    Sarah schätzt an ihrer Arbeit unter anderem die Spaziergänge, die sie mit den älteren Menschen unternimmt. Dabei erfährt Sie viel über das Leben und die Erfahrungen der Bewohner und Bewohnerinnen des Seniorenzentrums.

    Welche Tätigkeiten machen dir am meisten Spaß?

    An gemeinsamen Aktivitäten wie dem Chor teilzunehmen, genieße ich besonders. Ich habe auch die Möglichkeit, mit kleinen Grüppchen selbst etwas auf die Beine zu stellen. Letztens habe ich einen kleinen Chor innerhalb einer Wohngruppe gebildet – wir haben einfach Zeit miteinander verbracht und gesungen. Auch die Spaziergänge machen mir sehr viel Spaß. Dabei bin ich übrigens stets abgesichert – ich trage immer ein Handy bei mir, um bei einem Vorfall Hilfe rufen zu können. Schließlich kann es ja sein, dass es dem Bewohner oder der Bewohnerin unterwegs plötzlich schlecht geht. Die Gespräche, die ich mit den Menschen unterwegs oder in der Einrichtung führe, sind oft sehr intensiv. Gerade ältere Personen haben viel erlebt – ich mag es, ihnen zuzuhören und mich mit ihnen auszutauschen.

    „Gerade ältere Personen haben viel erlebt – ich mag es, ihnen zuzuhören und mich mit ihnen auszutauschen.“

    Sarah Behrends
    FSJlerin im Martin-Luther-Haus in Münster

    Das Freiwillige Soziale Jahr hat mein Selbstbewusstsein und mein Pflichtgefühl gestärkt

    Was nimmst du persönlich für dich aus dem freiwilligen sozialen Jahr mit?

    Es bleiben mir ja noch einige Monate in der Einrichtung, aber schon jetzt bemerke ich positive Veränderungen. Ich spreche lauter und bin insgesamt selbstbewusster – schließlich tausche ich mich den ganzen Tag mit anderen Menschen aus, was vorher nicht so war. Dadurch, dass ich für andere Menschen Verantwortung übernehme und feste Aufgaben habe, hat sich mein Pflichtbewusstsein verstärkt. Es ist auch schön zu merken, dass jede Persönlichkeit hier einen wertvollen Beitrag leisten kann. Mit meiner eher ruhigen Art gelingt es mir zum Beispiel, Bewohner oder Bewohnerinnen zu besänftigen, die eher aufbrausend sind.

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    Hat dir das Freiwillige Soziale Jahr im Altenheim einen Berufswunsch aufgezeigt?

    Vor dem Freiwilligen Sozialen Jahr wusste ich gar nicht, in welche Richtung meine spätere berufliche Tätigkeit gehen soll. Schon jetzt hat mir die Zeit in der Einrichtung gezeigt, dass mir das Soziale liegt – die Arbeit in der Betreuung oder Pflege kann ich mir also durchaus vorstellen. Trotzdem habe ich bisher keine konkreten beruflichen Pläne. Vielleicht helfen mir die restlichen Monate des Freiwilligen Sozialen Jahres dabei, mich auf eine Ausbildung oder ein Studium festzulegen – noch bin ich für alles offen.

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