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Hochfunktionale Depression: So fühlen sich Betroffene

Lesezeit: 5 MinutenAktualisiert: 10.11.2020

Depressive Symptome trotz Leistungsfähigkeit – bei einer hochfunktionalen Depression scheinen die Patienten ihren Alltag meistern zu können. Wie die Gefühlswelt der Betroffenen aussieht und warum sie sich oft spät Hilfe suchen.

Inhalte im Überblick

    Depressionen können jeden treffen. Auch Menschen mit einem erfüllenden Beruf und einer glücklichen Partnerschaft können erkranken, wenn eine entsprechende Veranlagung vorliegt.

    Diese kann genetisch bedingt oder erworben sein, z. B. durch durch Traumatisierungen oder Missbrauchserfahrungen in der frühen Kindheit. 

    Grübeln, innere Leere und Schlafprobleme: Symptome einer hochfunktionalen Depression

    Im Gegensatz zu einer klassischen Depression (Major Depression) wird die hochfunktionale Depression eher als eine leichte Form klassifiziert, die jedoch über Jahre andauern kann. Die Symptome sind vergleichbar: 

    • untypische Schlaf- und Essenszyklen
    • häufig auch Schlaflosigkeit
    • geringes Selbstwertgefühl
    • Grübeln
    • Reizbarkeit
    • Konzentrations- und Entscheidungsprobleme
    • Rückzug von sozialen Aktivitäten
    • mangelnde Genuss- und Begeisterungsfähigkeit
    • Gefühle innerer Leere
    • Energiemangel
    • Erschöpfung

    Hochfunktionale Depression: So fühlt sich die Erkrankung an

    Die Erkrankten, oft Frauen, meistern trotz allem Beruf, Familie und Freizeitgestaltung erfolgreich . In ihrem Inneren aber nehmen Erschöpfung, Verzweiflung und Traurigkeit zu. Geraten sie in eine Lebenskrise, können sich die Symptome massiv verstärken.

    Viele Betroffene sind sich nicht bewusst, dass sie Hilfe brauchen und verschließen sich oft davor. Denn es passt nicht in ihr Erfolgsprofil, auf diese Weise krank zu sein. 

    „Manchmal hatte ich das Gefühl, als lebte ich zwei unterschiedliche Leben.“

    Emma
    36 Jahre

    Depressionen sind ein Zustand großer Not

    „Die Erkrankung Depression unterscheidet sich von Mensch zu Mensch stark in der Form, der Schwere und dem Verlaufsmuster“, erklärt der Psychiater und Vorstandsvorsitzende der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, Professor Ulrich Hegerl. „Dabei ist es immer wichtig zu erkennen, dass eine Depression auch eine Erkrankung des Gehirns ist und Betroffene nichts für ihre Erkrankung können. Es ist nicht ihre Schuld.“

    Die Depression sucht sich, was es an Negativem, an Problemen und Sorgen im jeweiligen Leben gibt, vergrößert es und rückt es ins Zentrum des Erlebens. „Patienten berichten, dass Depression eine traumatisierende Erfahrung sei", sagt der Psychiater.

    „Der Zustand unterscheidet sich von allem, was sie bisher an Stimmungstiefs als Reaktionen auf die Bitternisse des Lebens erlebt haben. Diese Intensität des Erlebens erlaubt dem Fachmann, einen Erschöpfungszustand, verbunden mit einer vorübergehenden Niedergeschlagenheit, von einem behandlungsbedürftigen Leiden abzugrenzen.“

    „Eine Depression ist auch eine Erkrankung des Gehirns und Betroffene können nichts für ihre Erkrankung. Es ist nicht ihre Schuld.“

    Professor Ulrich Hegerl
    Psychiater und Vorstandsvorsitzende der Stiftung Deutsche Depressionshilfe

    Wie Menschen mit Depression geholfen werden kann

    Den meisten Menschen, die an einer Depression leiden, kann geholfen werden. Mit der passenden Behandlung klingt die Depression wieder ab. Die Hauptbehandlungssäulen sind psychotherapeutische Verfahren, wie die kognitive Verhaltenstherapie und antidepressiv wirkende Medikamente.

    An erster Stelle steht jedoch die Diagnose. Die Abgrenzung zu anderen Erkrankungen sollte so früh wie möglich vorgenommen werden, damit keine falschen Erholungswege eingeschlagen werden. So wie Emma es erfahren hat: „Ich fühlte mich am Abend so müde, dass ich mich immer schon mit den Kindern schlafen gelegt hatte. Durch meine Diagnose erfuhr ich, dass das keine gute Idee war.“             

    Studien an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in München zeigen nämlich, dass langer Schlaf eher depressionsfördernd und Schlafentzug ein wirkungsvolles Behandlungsverfahren ist. Auch ist davon abzuraten, mit einer depressiven Erkrankung in den Urlaub zu fahren, wozu bei reinen Erschöpfungszuständen durchaus geraten wird. „Die Erkrankung reist nämlich mit und wird in der fremden Umgebung als noch unerträglicher erlebt“, sagt Ulrich Hegerl.

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