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Alles eine Frage der Haltung

Haltung- Mann streckt seine Arme vor sich aus.

© iStock / fizkes

Lesezeit: 7 MinutenAktualisiert: 07.01.2021

Ein gerader Rücken kann nicht nur Verspannungen entgegenwirken, sondern auch unsere Stimmung positiv beeinflussen. Der Psychologie-Professor Johannes Michalak erklärt hier, warum.

Inhalte im Überblick

    Prof. Dr. Johannes Michalak hat einen Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie II an der Universität Witten/Herdecke, Fakultät für Gesundheit..

    Amerikanische Forscher wollten herausfinden, wie sich die Körperhaltung auf unsere Stimmung auswirkt. Das Ergebnis war beeindruckend. Die gebeugt sitzenden Studenten waren nach acht Minuten in einer negativen Stimmung und reagierten auf die anschließenden Anforderungen schnell frustriert. Die Vergleichsgruppe dagegen, die acht Minuten aufrecht gesessen hatte, war mit großer Ausdauer und gelöster Stimmung bei der Arbeit und konnte größere Erfolge erzielen.

    Kann sich die Körperhaltung so gravierend auf die Stimmung auswirken, Professor Michalak?

    In der Tat zeigen Studien, dass die körperliche Haltung oder bestimmte körperliche Bewegungsmuster Einfluss auf unsere Gedanken und Gefühle nehmen. Erklären lässt sich der Effekt dadurch, dass in unserem Gedächtnis Gefühlszustände in sogenannten Gedächtnisnetzwerken repräsentiert sind.

    In diesen Netzwerken sind Gedanken, innere Bilder und auch körperliche Bewegungen oder Haltungen abgespeichert. Wird etwas davon aktiviert, wie zum Beispiel eine bestimmte Körperhaltung, wirkt sich das auch auf die anderen Teile des Netzwerks aus. Es kommt also sehr wahrscheinlich zu einer Aktivierung bestimmter Erinnerungsbilder, Gedanken oder Handlungstendenzen, die mit dieser Körperhaltung assoziiert werden. 

    Jedes Verharren in einer Haltung friert also gewissermaßen die dazugehörige Emotion ein und raubt dem Körper die Fähigkeit, andere Gefühle spontan und intensiv auszudrücken, richtig?

    Möglicherweise, wenn ich über längere Zeiträume in einer Haltung verharre. Wie stark sich unsere körperliche Haltung im Alltag auswirkt, muss allerdings noch erforscht werden, weil die meisten Studien in Labors durchgeführt wurden.

    Ich kann mir aber gut vorstellen, dass auf Dauer nicht nur unser Rücken, sondern auch unsere Psyche darunter leiden wird, wenn wir zum Beispiel immer krumm und gebeugt an unserem Arbeitsplatz vor dem Computer sitzen. Um aus dieser Starre herauszukommen, sollten wir regelmäßig in unseren Körper hineinspüren und uns bewusst machen, welche Körperhaltung wir gerade eingenommen haben und wie sich das anfühlt.    

    Und wenn wir bemerken, dass wir gleichermaßen gebeugt wie resigniert vor einer schwierigen Aufgabe sitzen, sollten wir dann an die gekrümmt sitzenden Studenten denken und uns aufrichten?

    In solch festgefahrenen emotionalen Momenten kann es möglicherweise guttun, den Körper ganz bewusst zu bewegen und sich aufzurichten. Es geht aber auch generell darum, gut für sich zu sorgen. Das heißt, wir sollten Achtsamkeit dafür entwickeln, wie unser Zustand im Hier und Jetzt ist.

    Und zu einer guten Selbstfürsorge gehört auch, dass wir eine Körperhaltung einnehmen, die uns guttut. Zum Beispiel, indem wir sie häufiger mal wechseln und darauf achten, dass unsere Haltung eine natürliche Würde ausstrahlt.      

    Haltung, Frau stützt ihren schmerzenden Rücken.

    © iStock / PeopleImages

    Auch dann, wenn ich mich wirklich krumm, also nicht gut fühle?

    Wenn es uns nicht gutgeht, sollten wir uns erlauben, dass auch unsere Haltung unsere Stimmung ausdrückt. Wenn diese Haltung aber zu einseitig wird, was gerade in schwierigen Lebensphasen der Fall sein kann, tut uns das möglicherweise nicht so gut.

    In dem Fall kann uns vielleicht eine Veränderung der Körperhaltung und der Art, wie wir uns bewegen, helfen, uns wieder etwas positiver auszurichten. Ziel sollte dabei sein, sich immer wieder aus verspannten Haltungen zu befreien, den Körper zu bewegen und in einen natürlichen, aufrechten Zustand zurückzubringen. 

    Nach einer längeren schwierigen Lebensphase muss diese natürliche Haltung wohl ein Stück weit reanimiert werden, oder?

    Die größte Schwierigkeit ist dabei, die Leichtigkeit wiederzufinden, die in der aufrechten Haltung liegt – was für uns als Kinder selbstverständlich war. Wenn der Körper sehr geschmeidig und beweglich ist, dann kann die Lebensenergie auch unbeschwert und unbehindert durch den Körper fließen.

    Um in diese Haltung immer mal wieder zurückzufinden, sollten wir achtsam Kontakt mit unserem Körper aufnehmen. Auch viele Übungssysteme können uns dabei unterstützen, andere Bewegungsmuster und Körperhaltungen einzuüben. Insbesondere Bewegungsformen wie Yoga, Qi Gong oder Tai Chi Chuan.

    Drei Körperhaltungen für gute Laune

    Über Nervenbahnen gelangen einerseits Signale, die vom Gehirn erzeugt werden, in den Körper und lösen dort bestimmte Reaktionen aus. Andererseits gehen aber auch von den Prozessen, die im Körper ablaufen, Signale aus, die das Gehirn erreichen und dessen Arbeitsweise steuern.

    Deshalb findet in Hirnarealen, die für das Denken, Fühlen und Verhalten zuständig sind, ein Wandel statt, wenn wir auf der körperlichen Ebene gewisse Veränderungen vornehmen. Drei Beispiele dafür, wie der Körper unsere Stimmung positiv beeinflussen kann: 

    1. Das Becken ist aufgerichtet, Hals und Nacken sind entspannt. Stimmung: Ich bin ganz ruhig.
    2. Die Schlüsselbeine sind auseinandergedehnt, die Schultern gesenkt, die Oberarme leich nach außen gedreht. Stimmung: Ich bin voller Energie und Tatendrang.
    3. Vom Scheitel bis zur Sohle ist der Körper in einer vertikalen Spannung, als würde der Kronenpunkt an einem imaginären Faden Richtung Himmel gezogen werden. Stimmung: Das ist mein Tag.

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