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Kinder

Kreidezähne: Wie Eltern dem Zahnschmelzdefekt bei Kindern vorbeugen können

Veröffentlicht am:29.04.2021

4 Minuten Lesedauer

Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde spricht von einer „neuen Volkskrankheit“. Jeder dritte Zwölfjährige leidet unter Kreidezähnen: Die Backen- und Schneidezähne sind bräunlich verfärbt, der Zahnschmelz ist extrem weich. Der Defekt lässt sich nur therapieren, aber nicht heilen – das macht die Vorsorge entscheidend. Wann Eltern mit der Zahnvorsorge bei Kindern beginnen sollten und welche Tipps es dabei zu beherzigen gilt.

Ein Kind putzt mit seinem Vater Zähne, um Kreidezähne zu vermeiden.

© AOK

Inhalte im Überblick

    Was sind Kreidezähne?

    Unter Kreidezähnen versteht man einen Zahnschmelzdefekt, der bei Kindern und Jugendlichen auftritt. Die Backen- und Schneidezähne verfärben sich bräunlich und sind sehr schmerzempfindlich, wenn sie mit kalten oder heißen Speisen in Kontakt kommen. Auch beim Zähneputzen schmerzen sie. Es können die Milchzähne bei Kleinkindern betroffen sein, vor allem sind es aber die bleibenden Zähne bei größeren Kindern. Je nachdem haben Zahnmediziner eine andere Bezeichnung für das Phänomen: „Milchmolaren-Hypomineralisation“ (MHH) für Milchzähne und „Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation“ (MIH) für bleibenden Zähne.

    „Molaren“ und „Inzisiven“ sind die medizinischen Fachbegriffe für Backen- und Schneidezähne. „Hypomineralisation“ meint den Defekt: Die Entwicklung der Zähne ist gestört, weil nicht genügend Mineralien eingelagert werden, die den Zahnschmelz aushärten würden. Deswegen ist der Zahnschmelz bei den betroffenen Kindern etwa zehnmal weicher als im Normalfall. Die Oberfläche der Zähne wird rau und brüchig, wie Kreide. Weil sich die Zähne deswegen schlecht reinigen lassen, entsteht ein Biofilm auf den Zähnen. Karies hat dann ein besonders leichtes Spiel.

    Warum entstehen Kreidezähne?

    Es ist noch nicht geklärt, welche Ursachen die Zahnschmelzstörung hat und warum die Fälle so stark zunehmen. Bekannt ist: Der Zahnschmelz der ersten bleibenden Zähne entwickelt sich zwischen dem achten Schwangerschaftsmonat und dem vierten Lebensjahr. In dieser Zeitspanne muss sich etwas ereignen, das den Defekt auslöst. Diese Faktoren könnten verantwortlich sein: 

    • Erkrankungen der Mutter in der Schwangerschaft
    • Geburtskomplikationen
    • Erkrankungen des Kindes in den ersten vier Lebensjahren, zum Beispiel Bronchitis, Asthma oder Windpocken
    • erbliche Veranlagung
    • häufige Anwendung von Antibiotika
    • Umweltgifte wie Dioxine oder Weichmacher in Plastik wie Bisphenol A

    Besonders häufig wird über Bisphenol A als Verursacher von Kreidezähnen diskutiert. Es war bis 2011 in Plastiktrinkflaschen für Kinder enthalten und steckt heute noch in Spielzeug. In Tierversuchen mit Ratten entwickelten die trächtigen Tiere und Rattenbabys erhebliche Störungen bei der Zahnschmelzbildung, nachdem ihnen Bisphenol A eingeflößt wurde. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält den direkten Zusammenhang zwischen Bisphenol A und Kreidezähnen jedoch für „unwahrscheinlich“. Wahrscheinlicher sei es, dass verschiedene Faktoren die Entstehung der Krankheit begünstigen. Wer sich dennoch absichern will, sollte auf die Kennzeichnung „BPA-frei“ beim Kauf von Plastikware für Kinder achten. 

    Vater und Tochter beim Zähneputzen zur Vermeidung von Kreidezähne.

    © AOK

    Wie werden Kreidezähne behandelt?

    Kreidezähne lassen sich nicht heilen. Weil die betroffenen Zähne unweigerlich von Karies befallen werden, besteht die Kreidezähne-Behandlung vor allem in der Intensivprophylaxe vor Karies. Dazu trägt der Zahnarzt einen Fluoridlack auf. Ist die Oberfläche der Zähne verklüftet, werden Rillen und Vertiefungen (sogenannte Fissuren) mit Kunststoff versiegelt. Wenn der Zahnschmelz bereits abgesplittert ist, arbeitet der Zahnarzt mit Füllungen. Notfalls werden vorgefertigte (konfektionierte) Kronen verwendet, die über die defekten Zähne gesetzt werden. Im schlimmsten Fall müssen betroffene Zähne gezogen werden. Um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, ist eine besonders gründliche Zahnhygiene entscheidend. 

    Wie verhindern Eltern Kreidezähne bei Kindern?

    Die Bundeszahnärztekammer und die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund und Kinderheilkunde empfehlen je nach Alter Folgendes für eine gründliche Zahnreinigung bei Kindern:

    • Ab dem ersten Milchzahn

      Um kariesauslösende Bakterien von der Oberfläche der Zähne zu entfernen, sollte täglich eine fluoridhaltige Zahnpasta verwendet werden. Diese beugt zudem Zahnfleischentzündungen vor. Ab dem Durchbruch des ersten Milchzahns sollte bis zum zweiten Geburtstag des Kindes zweimal täglich eine fluoridhaltige Kinderzahnpasta benutzt werden. Achten Sie auf die Angabe „mit 0,10 Prozent bzw. 1000 ppm Fluorid“.

      Achtung: Da kleine Kinder häufig einen Teil der Zahnpasta verschlucken, sollte die Menge hier nicht größer als ein Reiskorn sein. 

    • Ab dem zweiten Geburtstag

      Benutzen Sie ab dem zweiten Geburtstag Ihres Kindes die gleiche fluoridhaltige Kinderzahnpasta (mit 0,10 Prozent bzw. 1000 ppm Fluorid) zweimal täglich, aber nun in erbsengroßer Menge. 

    • Ab den ersten bleibenden Zähnen

      Im ca. sechsten Lebensjahr brechen die ersten bleibenden Zähne durch. Wechseln Sie nun zu einer fluoridhaltigen Junior- oder Erwachsenenzahnpasta mit bis zu 0,15 Prozent Fluorid bzw. maximal 1500 ppm. Mindestens zweimal täglich sollten die Zähne damit gereinigt werden.

    • Ab dem Schulalter

      Ist Ihr Kind im Schulalter, kann zusätzlich ein Fluoridgel (wöchentlich) oder eine Fluoridspülung (täglich) genutzt werden. Die Präparate sollten immer gut ausgespuckt werden. Lassen Sie sich von Ihrem Zahnarzt beraten.

    Nutzen Sie zum Kochen und Backen außerdem fluoridhaltiges Speisesalz, das ergänzt die Basisprophylaxe gegen Karies. Gleichzeitig sollten dann aber keine Fluoridtabletten zum Einsatz kommen.

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    Nehmen Sie Zahnvorsorgeuntersuchungen wahr

    Regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt sind entscheidend, um die Zahngesundheit Ihres Kindes zu gewährleisten. Kinder haben bei der AOK einen Anspruch auf drei Früherkennungsuntersuchungen zwischen dem sechsten und dem 34. Lebensmonat. Bei den Untersuchungen wird unter anderem Fluoridlack auf die Zähne aufgetragen, um den Zahnschmelz zu härten und Karies vorzubeugen.

    Wenn Ihr Kind die Diagnose „Kreidezähne“ bereits erhalten hat, sollten Sie wegen des erhöhten Kariesrisikos alle drei bis sechs Monate zur Vorsorgeuntersuchung gehen.


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