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Wenn das Kind glüht: So bleiben Eltern cool

12.05.2014

Glasige Augen, rotes Gesicht und heiße Stirn: Die meisten Eltern brauchen nicht einmal ein Thermometer für ihre Diagnose. Hat das Kind Fieber, wachsen mit steigender Temperatur Sorge und Unsicherheit. Dabei ist Fieber – auch im Frühling – in vielen Fällen harmlos. Selbst Ruhe bewahren, viel Ruhe fürs Kind, ausreichend Flüssigkeit und vielleicht noch ein Hausmittel dazu sind oft die beste Medizin.

Kinder sind insgesamt viel anfälliger für Fieber als Erwachsene. Und manche Kinder bekommen es häufiger als andere. Dabei ist das Fieber an sich keine Krankheit, sondern nur ein Symptom. Bei gesunden Kindern liegt die Temperatur im Körperkern (z.B. im Po gemessen) zwischen 36,5 und 37,5 Grad Celsius, zwischen 37,6 und 38,0 spricht man von erhöhter Temperatur. "Erst darüber ist es Fieber und ab 40 Grad wird das Fieber bei (Klein-) Kindern als hoch bezeichnet", sagt Dr. Angela Smith, Ärztin bei der AOK Hessen. In den allermeisten Fällen steckt hinter dem Fieber eine harmlose Infektion, der Körper bekämpft Erreger und läuft dafür auf Hochtouren. Bei einigen Kindern ist es jedoch nicht einmal das. Kleinere reagieren oft auf das Zahnen mit Fieber, ältere auf Toben oder zu warme Kleidung mit erhöhter Temperatur. "Nur bei etwa einem von hundert Kindern ist der Auslöser eine ernstere Erkrankung, beispielsweise eine Lungenentzündung", sagt Dr. Smith.

Viel trinken ist wichtig

Bekommt das Kind Fieber, kann man es meist gut zu Hause versorgen. Auch wenn es harmlos ist, gehört das Kind aber weder in die Kita noch in die Schule. Der Körper braucht Ruhe und Zeit, um die Erreger zu bekämpfen. Außerdem könnten sich andere Kinder anstecken. Das Fieber sollten Eltern drei Mal am Tag messen, um den Verlauf im Blick zu behalten. Ganz wichtig ist es, dass das Kind ausreichend trinkt.

Wadenwickel

Ein feuchter, lauwarmer Waschlappen auf der Stirn tut vielen Kindern gut. Auch die traditionellen Wadenwickel können Eltern einsetzen. Zwar ist ihr Nutzen nicht wissenschaftlich belegt, Linderung verschaffen sie Kindern trotzdem oft. Dazu tauchen Sie zwei Baumwolltücher in handwarmes Wasser, wringen sie gut aus und wickeln je eines um jede Wade. Zwei trockene Tücher werden darüber gewickelt. Die Wickel sollen nicht zu lange wirken, sondern nur einige Minuten - das Kind darf dabei auf keinen Fall zittern und frieren, außerdem sollte eine wasserfeste Unterlage feuchte Bettwäsche verhindern.

Medikamente nur als Ausnahme

Über den Einsatz fiebersenkender Medikamente sollte nach Einschätzung des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) erst ab 39 Grad Celsius und abhängig vom Allgemeinzustand des Kindes nachgedacht werden. Fieber senkende Medikamente unterdrücken lediglich die Fieberentstehung, bekämpfen aber nicht die Erkrankungsursache. Durch solche Medikamente kann das Allgemeinbefinden des Kindes gebessert werden, sodass es z.B. wieder besser trinkt. Dies kann auch eine Erholung für die Eltern bedeuten. Auch bei Kindern, die durch Fieberkomplikationen gefährdet sind (z.B. Fieberkrämpfe oder schwere Grunderkrankungen), ist eine medikamentöse Fiebersenkung bei hohem Fieber angezeigt. Allerdings sind Viren oder Bakterien bei teilweise unterdrückter Abwehrreaktion weiter aktiv und es besteht z.B. das Risiko, dass sich das Kind zu früh wieder „fit fühlt“ und körperlich überfordert. Fieber senkende Medikamente verbessern nicht den Heilungsverlauf der zugrunde liegenden Infektionserkrankung und können auch mal Nebenwirkungen haben. Daher gilt: Wann genau ein Fieber senkendes Medikament sinnvoll ist, welcher Wirkstoff und in welcher Dosierung, sollte mit dem Kinderarzt besprochen werden.

Im Zweifel zum Arzt

Muss man am nächsten Tag gleich in die Praxis? Nicht unbedingt. Folgende Faustregeln nennen Kinder- und Jugendärzte, wann Fieber ein Grund für einen Arztbesuch ist:

  • bei Babys unter drei Monaten bei einer Temperatur über 38 Grad Celsius,
  • bei älteren Säuglingen und (Klein-) Kindern bei einer Temperatur über 40 Grad Celsius,
  • wenn das Fieber länger als drei Tage anhält,
  • wenn das Kind stark beeinträchtigt ist oder teilnahmslos wirkt,
  • wenn es einen Fieberkrampf bekommt, bei dem es zuckt oder steif wird (bei anhaltendem Krampfanfall, Atemstillstand oder Blaufärbung der Lippen oder der Haut sofort den Rettungsdienst unter der Telefonnummer 112 verständigen) ,
  • wenn Durchfall, Erbrechen oder Hautausschläge dazu kommen,
  • wenn das Kind  Trinken verweigert,

"Besonders achten sollten Sie auf Anzeichen eines Flüssigkeitsmangels", sagt Dr. Smith. Er macht sich bei kleinen Kindern unter anderem an trockenen Windeln (geringe Urinmenge) und einer eingesunkenen Fontanelle bemerkbar. Das ist die weiche Stelle zwischen den Knochen der Schädeldecke, die bei Säuglingen noch nicht zusammengewachsen sind. Auch trockene Schleimhäute im Mund und an den Lippen sowie blasse Haut sind Anzeichen dafür.

Fieber richtig messen

Um die genaue Temperatur zu bestimmen, sollten Eltern bei ihren Kindern das Fieber am besten im Po oder im Ohr messen. Der Ort der Messung hängt vom Messgerät und vom Alter des Kindes ab. Bei der Messung im Po (rektal) sollte das Thermometer dünn eingecremt sein, um Verletzungen zu vermeiden. Die Spitze ist bei modernen Rektalthermometern biegsam und sollte vorsichtig ca. 1,5 cm tief eingeführt werden, bis das Messergebnis angezeigt wird. Wasser im Gehörgang (z.B. nach dem Baden, Ohrentropfen) können das Ergebnis verfälschen.