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Spürbarer Qualitätsschub für die Selbsthilfe

AOK Hessen und Der PARITÄTISCHE Hessen legen Messlatte hoch

30.03.2011

Mittlerweile sind fünf Einrichtungen von unabhängigen Auditoren zertifiziert. Der im-merhin fünfjährige Aufwand hat sich insbesondere für die in Selbsthilfegruppen organisierten Patienten gelohnt. Heute kamen in Frankfurt noch einmal alle Beteiligten zusammen. Die Projektentwicklung und Durchführung erfolgte durch Margit Balß. Sie ist Koordinatorin und Leiterin der Selbsthilfeprojekte in der PARITÄTISCHE Projekte gemeinnützige GmbH. „Die Selbsthilfe professionalisiert sich zunehmend, das Niveau ist so hoch wie noch nie“, konstatiert Kerstin Roth, Patientenvertreterin der AOK Hessen. Ihr Unternehmen habe in fünf Jahren 119.000 Euro in das Projekt investiert, das einzigartig in Deutschland sei. Seine Inhalte sollten perspektivisch auch über Hessen hinaus die Arbeit von Kontaktstellen prägen. „Der Aufwand ist nicht gering, wird sich aber sicher auszahlen, um die Kontaktstellen als Bindeglied zwischen der Selbsthilfebewegung und dem professionellen Hilfesystem, den Therapeuten und Ärzten, zu stärken“, bemerkt Roth. Begonnen hatte die systematische Qualitätsoffensive im September 2005. In sieben Workshops, zwei Seminaren und 13 moderierten Qualitätszirkeln wurden die neuen Standards entwickelt. KISS Kassel, SEKOS Gelnhausen, die Selbsthilfekontaktstelle Marburg und die Selbsthilfebüros in Darmstadt und Offenbach haben daran maßgeblich mitgewirkt und sind somit die Vorreiter für die von Hessen ausgehende Qualitätsoffensive.

Konkret und praktikabel – alles steht im Handbuch
In einem 120-seitigen Handbuch sind die Vorgaben und Maßnahmen festgelegt, die eine Kontaktstelle umsetzen muss, um ein Qualitätssiegel zu erlangen. „Das Modell ist vor allem für kleinere und mittlere Organisationen mit niedrigem Personalstamm interessant“, erklärt Margit Balß, und somit prinzipiell auf alle 300 Kontaktstellen im Bundesgebiet anwendbar. Geregelt sind beispielsweise die Abläufe für Einzel-, Gründungs- und Gruppenberatung, hier insbesondere die Anwendung von allgemein anerkannten Leitfäden. „Wir wollen ebenfalls erreichen, dass die Kontaktstellen mehr an die Öffentlichkeit gehen, einen Selbsthilfetag organisieren, Fachleute der medizinischen und psychosozialen Versorgung einbinden, sich umfänglich vernetzen“, so Balß weiter. Die meisten Vorgaben sind sehr konkret, praktikabel sind sie alle. Beispielsweise sollen Betroffene für persönliche Beratungsgespräche einen Termin innerhalb von zwei Wochen bekommen. Für Gruppentreffen steht ein Raum zur Verfügung, der mindestens zwanzig Personen Platz bietet und barrierefrei ist. Auch zur personellen Ausstattung und beruflichen Qualifikation gibt es genaue Standards. Herzstück des Modells ist ein Dokumentationssystem, in dem Hinweise, Trends und Entwicklungen des Arbeitsfeldes erfasst werden. Balß: „Die Komplexität der Aufgaben der Selbsthilfekontaktstellen in Hessen hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Besonders auffallend ist der Anstieg von Managementaufgaben.“

Qualität setzt sich durch
Alle fünf Organisationen erfüllen die neuen Anforderungen. Das haben unabhängige Prüfer im Februar diesen Jahres festgestellt. Setzen sich diese Standards durch, werden Bürgerinnen und Bürger, die Kontakt zu bestehenden Selbsthilfegruppen suchen, in einer organisiert sind oder gründen wollen sowie Vertreter aus dem Sozial- und Gesundheitsbereich noch besser begleitet und unterstützt. Die Einrichtungen haben daraufhin ein Siegel erhalten, dass drei Jahre gültig ist. Einer hessen- und sogar bundesweiten Umsetzung stehen die Beteiligten aufgeschlossen gegenüber.