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AOK Hessen holt sich 2,2 Mio. Euro zurück

Erfahrenes Spezialistenteam deckt Fehlverhalten im Gesundheitswesen auf

19.02.2008

Durch die Aufklärung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen hat die AOK Hessen zuletzt in 179 Fällen eine Rückforderung von über 2,2 Mio. Euro realisiert. Das ist ihrem aktuellen Tätigkeitsbericht* an das Hessische Sozialministerium zu entnehmen. Davon ist in 36 Fällen der Pflegebereich betroffen. Hinweise erhält das sieben-köpfige Spezialistenteam in Eschborn vor allem über Anrufe von Versi-cherten bei der AOK-Kundenberatung und teilweise anonym über die Internetseite der AOK Hessen. Die Beispiele für vertrags- und gesetzeswidriges Verhalten reichen von bewussten Falschabrechnungen bis hin zu mangelnder Versorgungsqualität. Ermittelt wird nicht nur gegen einzelne Ärzte und Apotheker, sondern zum Beispiel auch gegen Physio- und Ergotherapeuten, Hebammen oder Sanitätshäuser. Mit der Staatsanwaltschaft Frankfurt und der AG Ärzte** arbeitete das Spezialistenteam sehr eng zusammen. Intensiviert wurde die Kooperation mit der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen.

„Wir wollen mit unserem Engagement vor allem die Vielzahl vertrags- und gesetzeskonformer Gesundheitspartner schützen und unterstützten“, erklärt Volker Lappöhn, bei der AOK Hessen verantwortlich für Medizinprodukte, Pflege und Zahnärzte. Diejenigen, die das System für ihre Zwecke ausnutzen, würden seiner Auffassung nicht nur alle Beitragszahler betrügen, sondern beschädigen auch den Ruf ihres jeweiligen Berufsstandes. Deshalb kümmert sich die AOK Hessen als eine der ersten Krankenkassen bundesweit seit 2001 um dieses Thema, als die Einrichtung einer solchen Ermittlungsstelle noch nicht gesetzlich vorgeschrieben war. Die Gesundheitskasse konnte seither zahlreiche Betrugsfälle oder Auffälligkeiten bei Abrechnungen aufdecken und zur Anzeige bringen. Regressieren konnte sie in sieben Jahren über 6,3 Mio. Euro. „Ohne Hinweise von Dritten könnten wir nur sehr eingeschränkt arbeiten“, bestätigt Lappöhn. Eine fallabschließende Recherche dauert in der Regel mehrere Monate, manchmal sogar Jahre. Der Aufwand lohnt sich, weil es immer wieder den einen oder anderen Leistungserbringer gibt, der in seine eigene Tasche wirtschaftet.

Erfundene Rezepte und frei liegende Kabel
Eine Physiotherapiepraxis hatte beispielsweise wegen zu hoher Kilometerangaben für Hausbesuche zu viel abgerechnet. Auch wurden Behandlungen teilweise von nicht qualifiziertem Personal erbracht. Es entstand über Jahre hinweg ein Schaden von 49.000 Euro. In einem anderen Fall fiel eine Ärztin mit besonders vielen Verordnungen von Blutzuckerteststreifen auf. Eine Versichertenbefragung ergab, dass 95 Prozent der Patienten weder Diabetiker sind noch Rezepte erhalten haben. Daraufhin wurden die Praxisräume von der Staatsanwaltschaft durchsucht. Sogar gegen den Chefarzt eines Krankenhauses wurde ermittelt, der u. a. Verbandsartikel und Spritzen für seine Praxis zu Unrecht günstig eingekauft, aber einen höheren Betrag mit der AOK Hessen abgerechnet hatte. Der Gesamtschaden von 89.000 wurde zwischenzeitlich von ihm zurück gezahlt. Des weiteren berichtet das Team über die Lieferung alter Bildschirmlesegeräte für Sehbehinderte einer bestimmten Firma, die aber laut Vertrag hätten neuwertig sein müssen. Ein anderes Beispiel betrifft Pflegebetten, bei denen regelmäßig anstehende Wartungen nicht stattfanden oder Elektrokabel frei lagen – eine Gefahr für die Patienten. Abge-rechnet wurden die Leistungen so, als wären sie ordnungsgemäß erbracht worden. Für insgesamt 108 Versorgungen konnten der AOK Hessen gar kei-ne Unterlagen zum Beweis vorgelegt werden. Es entstand ein Schaden von 175.000 Euro.

Wer der AOK Hessen Fehlverhalten im Gesundheitswesen melden möchte, kann dies (auch anonym) unter www.aok.de/hessen unter dem entsprechenden Menüpunkt in der rechten Navigationsleiste tun (E-Mail-Formular).




* Berichtszeitraum: Sept. 2005 bis Aug. 2007
** Gemeinsame Einrichtung der Generalstaatsanwaltschaft in
Frankfurt und des Hessischen Landeskriminalamtes

Pressekontakt

Ansprechpartner für diese Pressemitteilung
Riyad Salhi - 06172 272-143 oder Riyad.Salhi@he.aok.de