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AOK Hessen fördert Therapie im häuslichen Umfeld

Kassel. Menschen mit Schizophrenie, Borderline-Störungen und anderen schweren psychischen Erkrankungen müssen häufig mit mehreren Klinikaufenthalten rechnen. Dabei könnte die Versorgung anders und besser organisiert werden. Ein neuer Vertrag der AOK Hessen geht deshalb einen praktikableren Weg: Die Betroffenen bleiben in ihrem sozialen Umfeld und werden intensiv ambulant betreut.

Neuer Vertrag für psychisch kranke Menschen in Nordhessen

Ab diesem Monat können nordhessische Patientinnen und Patienten mit schweren psychischen Erkrankungen eine engmaschige ambulante Versorgung in Anspruch nehmen. Teilnehmen können Sie an dieser Versorgungsform als Alternative zur stationären Behandlung im akuten Behandlungsfall, somit in einer krisenhaften Situation. Es erfolgt eine ambulante Versorgung durch so genannte Bezugstherapeutinnen und -therapeuten, die die Versicherten zu Hause aufsuchen. Diese Fachkräfte arbeiten zum Beispiel in einem ambulanten, psychiatrischen Pflegedienst. Das Angebot wird bei Bedarf ergänzt um Module aus Ergotherapie, Gesprächstherapie, Peer-Beratung – somit durch ehemals selbst Betroffene – und psychoedukative Einzel- und Gruppentherapie. Diese besondere Versorgung umfasst einen Zeitraum von zwei Jahren. Ein voraus gegangenes Pilotprojekt, ebenfalls in Nordhessen, hat gezeigt, dass 100 persönliche Betreuungsstunden insgesamt ausreichen, um eine akute Verschlimmerung der Krankheit abzuwenden und wiederkehrende Hospitalisierungen – zumindest in den meisten Fällen – zu vermeiden.

Dort bleiben, wo man lebt

„Für die Patientinnen und Patienten ist diese Versorgungsform ein Vorteil, weil sie nicht aus ihrem Alltag gerissen werden“, meint Dr. Roland Strasheim von der AOK Hessen. Außerdem gibt es eine Krisenhotline, die ständig besetzt ist, auch an Feiertagen oder nachts. Darüber hinaus finden regelmäßige Behandlungskonferenzen und Qualitätszirkel statt. Der Vertrag umfasst die Stadt Kassel sowie die Landkreise Kassel, Werra-Meissner, Waldeck-Frankenberg und Schwalm-Eder. Durch eine fachärztliche Praxis müssen dabei eine der folgenden Erkrankungen diagnostiziert sein: Schizophrenie, starke Depressionen bzw. Bipolare und Neurotische Störungen sowie Belastungs- und Borderline-Störungen. Zudem muss eine ausreichende Therapiefähigkeit gegeben sein, also darf zum Beispiel keine Suchterkrankung vorliegen. Die Einschreibung des Versicherten erfolgt in krisenhaften Situationen, wenn sich ein Krankenhausaufenthalt abzeichnet.

Koordiniert und integriert

Die Koordination aller Leistungserbringer erfolgt durch IVP Networks aus Hamburg (IVP steht für Integrierte Versorgungsprogramme). Das Unternehmen verfügt seit über zehn Jahren über Erfahrungen im Bereich der vernetzten psychischen Betreuung. „Das Konzept ist viel individueller und persönlicher, alle Beteiligten sprechen sich genau ab, im Bedarfsfall kann sehr schnell gehandelt werden. Unsere Erfahrungen aus dem Pilotprojekt hier in Nordhessen zeigen, dass die Betroffenen damit sehr zufrieden sind, sie diese Versorgung den ständigen Klinikaufenthalten sogar vorziehen“, meint Dr. Norbert Paas, Geschäftsführer von IVP Networks und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.