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Ältere erhalten seltener riskante Medikamente

Ältere erhalten seltener riskante Medikamente

Ärzte verschreiben älteren Patienten immer seltener Medikamente, die für sie ungeeignet sind oder sogar gefährlich werden können. Darauf weist die AOK Hessen aus Anlass des Internationalen Tages der Patientensicherheit am 17. September hin. Er steht in diesem Jahr unter dem Motto „Gemeinsam Medikationsfehler vermeiden“.

Nach einer Auswertung des Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) ist der Anteil der hessischen AOK-Versicherten über 65, die mindestens ein für sie riskantes Medikament von der sogenannten Priscus-Liste erhielten, von 28 Prozent im Jahr 2006 auf 18 Prozent im Jahr 2015 gesunken. „Das ist eine positive Entwicklung im Sinne der Patientinnen und Patienten. Die Ergebnisse zeigen aber gleichzeitig, dass weiterer Optimierungsbedarf besteht. Der zum 1. Oktober eingeführte Medikationsplan ist hierfür ein wichtiger Baustein“, sagt Ralf Metzger, Unternehmenssprecher der AOK Hessen. Denn gleichzeitig gewinnt das Thema Polymedikation an Bedeutung: So stieg der Anteil der AOK-versicherten Patienten in Hessen ab 65, die fünf oder mehr Wirkstoffe im Quartal verschrieben bekamen, von 48 Prozent im Jahr 2006 auf etwa 58 Prozent im vergangenen Jahr.

Das WIdO hat für entsprechende Auswertungen die Software „pharmPRO“ entwickelt, die unter anderem Analysen zu den Themen Polymedikation, Wechselwirkungen oder Priscus-Arzneimittel für ältere Patienten möglich macht. Mit „pharmPRO“ lassen sich die Verordnungsdaten eines Vierteljahres in der Regel sechs bis acht Wochen nach Quartalsende tabellarisch oder grafisch aufbereiten. Dabei wird zum Beispiel die Verschreibung von Medikamenten analysiert, die auf der Priscus-Liste stehen. Diese Liste  ist unter Leitung von Experten der Universität Witten/Herdecke entwickelt worden und enthält 83 Medikamente, die für ältere Menschen potentiell ungeeignet sind und unter Umständen sogar gefährliche Risiken bergen können.

Mit der verpflichtenden Einführung des Medikationsplans wird das Thema Polypharmazie noch stärker in den Fokus rücken: Patienten, denen mindestens drei Medikamente gleichzeitig verordnet werden, erhalten dann durch ihre behandelnden Ärzte einen Medikationsplan in Papierform. Nach Berechnungen des WIdO werden nahezu 20 Millionen Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen einen Anspruch auf einen Medikationsplan haben. Das entspricht einem Anteil von mehr als 28 Prozent aller 70 Millionen GKV-Versicherten.