Routine gibt Sicherheit und fördert den Behandlungserfolg

Die Qualität von Krankenhausbehandlungen ist messbar. Auf Basis von Abrechnungsdaten ist eine Vergleichbarkeit der Behandlungsqualität für einige Indikationen möglich. Die Zentralklinik Bad Berka ist unter den zehn besten Kliniken bei der Behandlung der kathetergestützten Aortenklappen-Implantation deutschlandweit. Im Interview geht es um Qualität, Routine und Vernetzung.

11.11.2022Autor/in: Jenny FüstingRubrik: Nachgefragt und Nachgehakt, Presse und Politik, Versorgung und Innovation 0

Qualtitätssicherung – QSR-Verfahren

Möglich wird die Vergleichbarkeit durch das sogenannte QSR-Verfahren – Qualitätssicherung mit Routinedaten. Hierbei werden auf Basis von Routinedaten, welche die AOK zur Abrechnung von den Kliniken erhält, verschiedene Faktoren miteinander verglichen. Zudem werden weitere anonymisierte Versichertendaten, wie zum Beispiel Alter, Geschlecht und Vorerkrankungen einbezogen.

AOK-Gesundheitsnavigator

Der AOK-Gesundheitsnavigator ist ein bewährtes, nutzwertiges Portal bei der Klinikwahl. Neu ist, dass dieser nun auch darüber informiert, welche Krankenhäuser bei Operationen zum Herzklappen-Ersatz im Rahmen des QSR-Verfahrens besonders gute Behandlungsergebnisse vorweisen können.

Zentralklinik Bad Berka unter den zehn besten Kliniken

Bei der Behandlung der kathetergestützten Aortenklappen-Implantation (TV-TAVI) gehört die Zentralklinik Bad Berka deutschlandweit zu den zehn besten Kliniken. Mit insgesamt 21 Fachkliniken und Fachabteilungen ist sie eine der größten Kliniken in Thüringen.

Dr. med. Thomas Kuntze ist Chefarzt der Klinik für Herzchirurgie in Bad Berka. Herr Dr. med. Philipp Lauten ist leitender Oberarzt in der Abteilung Strukturelle Herzerkrankungen und hat die Leitung im TAVI-Programm inne. Im Interview sprechen die Mediziner über Qualität, Vernetzung und Routine.

Wie nehmen Sie das hervorragende Abschneiden Ihres Krankenhauses wahr?

Kuntze: Natürlich freuen wir uns sehr über das gute Abschneiden unserer Klinik im deutschlandweiten Vergleich und sehen dies auch als Bestätigung unserer kontinuierlichen Arbeit seit Einführung des kathetergestützten Klappenersatzes in Bad Berka im Jahre 2009. Neben der gesetzlichen Qualitätssicherung werten wir unsere Behandlungsdaten klinikintern regelmäßig aus, besprechen diese in gemeinsamen Konferenzen und treffen dann Entscheidungen, um unserer Strukturen und Prozesse zu verbessern. Wichtige Meilensteine in dieser Entwicklung waren die Gründung einer Abteilung für strukturelle Herzerkrankungen innerhalb des Herzzentrums 2018 und die Eröffnung unserer gemeinsamen Herzklappenstation 2021. Das bedeutet, dass Kardiologen, Herzchirurgen, Anästhesisten, spezialisierte Pflegekräfte und Mitarbeiter des Funktionsbereiches als Team eng zusammenarbeiten. Das betrifft die Vorbereitung der Patienten, die Planung und Durchführung der Eingriffe sowie auch die Nachsorge und weitere Betreuung.

Bundesweit wurden 79 Kliniken im Zeitraum von 2018 bis 2020 verglichen, die mindestens 30 sogenannte kathetergestützte Aortenklappen-Implantationen durchgeführt haben. Wie viele dieser Eingriffe haben Sie in diesem Zeitraum durchgeführt?

Kuntze: Wir konnten die Zahl der durchgeführten Implantationen seit 2009 jährlich steigern und haben in den drei Jahren von 2018 bis 2020 genau 1123 dieser Eingriffe durchgeführt. Inzwischen liegt die Zahl bei über 400 Implantationen jährlich.

Welche Aspekte haben aus Ihrer Sicht den größten Einfluss auf die Behandlungsqualität?

Kuntze: Obwohl immer wieder kontrovers diskutiert, halte ich die Zahl der an einem Zentrum durchgeführten Eingriffe für einen ganz wichtigen Faktor. Das bedeutet natürlich indirekt, dass auch jedes Behandlungsteam, das diese Interventionen durchführt, entsprechend regelmäßig und häufig Patienten behandelt um die Verfahren mit großer Routine und Sicherheit durchführen zu können.

Lauten: Genauso wichtig sind natürlich die schon erwähnten Strukturen und Prozesse, die eine optimale interdisziplinäre Zusammenarbeit im Sinne unserer Patienten ermöglichen sollen. Das bedeutet, dass wir für alle Behandlungsabläufe auch schriftliche Protokolle erstellt haben und diese kontinuierlich gemeinsam weiterentwickeln. Die Behandlungsplanung erfolgt in täglichen gemeinsamen Herzkonferenzen und die weitere Betreuung in gemeinsamen Visiten. Außerdem nehmen wir an Zertifizierungen unserer Fachgesellschaften teil und wurden so als TAVI-Zentrum der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) zertifiziert. Die Durchführung klinischer Studien ist ein weiterer Baustein in der Weiterentwicklung der Behandlungsqualität.

Die AOK PLUS stellt seit Jahren aktualisiert im AOK-Gesundheitsnavigator Transparenz her. So können interessierte Nutzer neben Haus- und Fachärzten auch nach Kliniken und deren Qualitätsergebnissen suchen. Unterstützen Sie diese Möglichkeit für Patienten, bei planbaren Operationen nach Qualitätskriterien auszuwählen?

Lauten: Da die AOK PLUS einen hohen „Marktanteil“ in der Gesundheitsversorgung hat, haben die erhobenen Daten natürlich einen hohen Stellenwert und eine gute Validität. Wir unterstützen diese Möglichkeit, sich an Qualitätskriterien zu orientieren sehr und stellen uns natürlich auch dem Wettbewerb. Sicherlich sollte für bestimmte elektive Operationen oder Eingriffe ein Konzentrationsprozess in spezialisierten Zentren mit überdurchschnittlicher Qualität auch politisch gefördert werden.

Wie wird sich die Zentralklinik zukünftig aufstellen, um weiterhin besonders gute Behandlungsergebnisse – eventuell auch in anderen Bereichen – zu erzielen?

Lauten: Ein Beispiel aus dem Herzzentrum ist die operative und interventionelle Behandlung von Mitral- und Trikuspidalklappenerkrankungen. Auch hier haben wir die Behandlungszahlen steigern können und gute Ergebnisse vorzuweisen. Und vor wenigen Tagen haben wir hier ebenfalls einen Zertifizierungsprozess durchlaufen.

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