Dental goes digital: So sparen Versicherte und Zahnärzte Papier und Zeit

Das elektronische Beantragungs- und Genehmigungsverfahren für zahnärztliche Leistungen (kurz: eBZ-Verfahren) ist einfach, schnell und ressourcenschonend. Wir erklären, wie es funktioniert.

07.07.2022Autor/in: Franziska MärtigRubrik: Allgemein 0

Tschüss rosafarbener Heil- und Kostenplan

Bisher mussten Versicherte oder Zahnärzte alle genehmigungspflichtigen zahnärztlichen Leistungen, beispielsweise den rosafarbenen Heil- und Kostenplan für Zahnersatz oder den Behandlungsplan für Kieferorthopädie, per Post an die Krankenkassen senden. Die Antwort kam ebenfalls per Post. Seit dem 1. Juli 2022 können Zahnärzte und Kieferorthopäden die Anträge digital an Krankenkassen senden. Das elektronische Beantragungs- und Genehmigungsverfahren für zahnärztliche Leistungen, kurz eBZ-Verfahren, hat viele Vorteile.

Pluspunkte der digitalen Anträge

Für die Versicherten bedeutet das eBZ-Verfahren eine deutliche Erleichterung: Sie müssen sich nicht mehr selbst um die Anträge kümmern und profitieren von einer kürzeren Bearbeitungszeit. „Auch die Arbeit der Zahnärzte wird einfacher, schneller und ressourcenschonender, das digitale Verfahren spart Zeit und Papier: Die Zahnärzte müssen für den Antrag nur Datenfelder anklicken und können dann sofort versenden, der Leistungsentscheid der AOK PLUS kommt zügig und wird automatisch in die Praxisverwaltungssoftware übernommen“, erläutert Franziska Musch, die das Projekt bei der AOK PLUS leitet.

Die AOK PLUS als digitaler Pionier

In der AOK PLUS ist das neue Verfahren bereits zum 1. Januar 2022 im Rahmen der Pilotphase gestartet. „Unser Projektteam konnte bis Ende Juni schon über 500 digitale Leistungsanträge von rund 60 Arztpraxen erfolgreich bearbeiten. Die Praxis von Dr. med. Steffen Focke aus Freiberg war eine der ersten Pilotpraxen, die uns einen digitalen Antragsdatensatz geschickt hat“, so Franziska Musch.

Pilotpraxis aus Freiberg berichtet

Dr. med. Steffen Focke lobt vor allem den Zeitvorteil: „Die Genehmigung dauert jetzt teilweise nur ein paar Stunden. Für meine Patientinnen und Patienten entfällt der Weg zur Krankenkasse und ihre nötige Behandlung kann zeitnah beginnen. Auch mein Team war begeistert: Alles geht viel schneller, zudem verschwindet ein großer Teil an Papierablage aus unserer Praxis.“


Dr. med. Steffen Focke hat das eBZ-Verfahren mit seinem Team bereits in der Pilotphase angewendet. Bildquelle: zahnarztpraxis-focke.de

Wie funktioniert das eBZ-Verfahren?

Es erfolgt ein direkter elektronischer Datenaustausch zwischen Zahnarztpraxis und Krankenkasse über ein sogenanntes KIM-Postfach. KIM ist die Abkürzung für „Kommunikation im Medizinwesen“. „Rund 75 Prozent der Zahnärzte und Kieferorthopäden haben bereits eine KIM-Anbindung. Die digitalen Leistungsanträge erhalten die zuständigen Mitarbeitenden bei der AOK PLUS in Echtzeit direkt in ihren Posteingang. Dadurch können sie schneller bearbeitet werden. Auch der Leistungsentscheid wird elektronisch zurück an die Praxen übermittelt. Unsere Versicherten erhalten die Entscheidung weiterhin per Post. Zukünftig sollen bestimmte Fallkonstellationen sogar automatisch genehmigt werden“, berichtet Projektleiterin Franziska Musch.

Tipps: So gelingt die Digitalisierung

Neben dem KIM-Kommunikationsdienst benötigen die Zahnärzte und Kieferorthopäden einen elektronischen Heilberufsausweis (eHBA). Zudem müssen im
Praxisverwaltungssystem alle nötigen Updates und das eBZ-Fachmodul installiert sein. Für einen entspannten Wechsel zum digitalen Verfahren rät Dr. med. Focke: „Die Anbindung an die Telematik-Infrastruktur und die Einrichtung eines KIM-Postfachs sollten so zeitig wie möglich erfolgen. Das ist die Basis für die problemlose Nutzung des elektronischen Antragsverfahrens. Wichtig ist außerdem ein Update der Praxisverwaltungssoftware. Die Umstellung auf die neue Software hat in meiner Praxis zehn Minuten gedauert und genauso lange dauert es auch, bis man sich an die elektronische Variante gewöhnt hat.“

Schrittweise Umsetzung

Die Zahnarztpraxen nehmen seit dem 1. Juli stufenweise am neuen Verfahren teil. Während der bundesweiten Einführungsphase werden die altbekannten Formulare in Papierform weiterhin akzeptiert. „Das erleichtert den Übergang in die neue, digitale Welt. Uni-Kliniken sowie Zahnarztpraxen, die bald aus Altersgründen schließen werden, nehmen nicht am eBZ-Verfahren teil. Wir gehen davon aus, dass bereits bis Jahresende 2022 alle anderen Zahnarzt- und Kieferorthopädiepraxen in Sachsen und Thüringen das neue Verfahren anwenden, da viele bereits eine KIM-Anbindung haben und das digitale Verfahren einfach viele Vorteile bietet“, erklärt Franziska Musch.

Exklusiver Service der AOK PLUS: Zahnmedizinische Beratung

Mit der Digitalisierung der Anträge beschleunigt sich auch ein ganz besonderer Service der AOK PLUS: Versicherte können sich von den Beratungszahnärzten der AOK PLUS in Sachsen und Thüringen beraten lassen. Im telefonischen oder persönlichen Termin bieten die Experten der Gesundheitskasse eine fachkundige und kostenlose Zweitmeinung zu zahnärztlichen Behandlungen. „Die Beratungszahnärzte können nun den digitalen Leistungsantrag sofort einsehen und dementsprechend auch sofort beraten“, so Franziska Musch. Weitere Infos dazu gibt es hier:
Zahnmedizinische Zweitmeinung | AOK PLUS – Sachsen & Thüringen

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