Omikronwelle: In diesen Berufen droht in Brandenburg Personalmangel

Datenanalyse der AOK Nordost

Potsdam, 22.07.2022 | Die Omikron-Sommerwelle führt zu Personalengpässen an Krankenhäusern und Flughäfen. Doch auch in Brandenburger Kitas und Zahnarztpraxen haben die Beschäftigten ein hohes Risiko, an Corona zu erkranken. Das zeigt eine aktuelle Datenanalyse der AOK Nordost. Auch in Bereichen des Gesundheitswesens, die bislang noch nicht im Fokus stehen, droht demnach mit steigenden Corona-Infektionszahlen Personalmangel.

Kita-Erzieher:innen hatten in diesem Jahr von allen Berufsgruppen in Brandenburg das höchste Risiko, sich mit Covid-19 zu infizieren.  17,8 Prozent aller bei der AOK Nordost versicherten Brandenburger Erzieherinnen meldeten sich von Januar bis Mai dieses Jahres wegen einer ärztlich diagnostizierten Corona-Infektion bei der Arbeit krank. Erzieherinnen fielen damit rund 2-mal so häufig wegen Corona bei der Arbeit aus wie der Durchschnitt der Beschäftigten. Im Schnitt fielen in den ersten fünf Monaten des Jahres 9 Prozent der Brandenburger AOK-Versicherten wegen einer Corona-Infektion im Job aus. In Brandenburg ist rund jeder Vierte bei der AOK Nordost versichert, die Ergebnisse sind damit annähernd repräsentativ.

Auch Fachkrankenpfleger hatten mit 16,4 Prozent in Brandenburg ein sehr hohes Corona-Infektionsrisiko – trotz weiterhin bestehender Maskenpflicht in medizinischen Einrichtungen. 

In den Top 10 dominieren Gesundheitsberufe und pädagogische Berufe

In den Top 10 der am häufigsten von Covid-19-Krankschreibungen betroffenen Berufsgruppen in Brandenburg dominieren weitere Gesundheitsberufe und pädagogische Berufe, also Jobs, bei denen die Beschäftigten engeren Kontakt zu anderen Menschen haben: Ein hohes Corona-Infektionsrisiko haben demnach zahnmedizinische Fachangestellte  (15,7%), Heilerziehungspfleger:innen, die behinderte Menschen unterstützen (14,4%) Physiotherapeut:innen (14,3%) sowie medizinische Fachangestellte (13,2%), die in Arztpraxen am Empfangstresen arbeiten.

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In den Top 10 finden sich in Brandenburg diesem Jahr aber auch Bürojobs: Berufe in der Sozialverwaltung sowie Bankkaufleute. Im Jahr 2020 waren solche Bürojobs noch nicht in den Top 10 finden. Ein möglicher Grund dafür könnte sein, dass die Omikron-Varianten weitaus ansteckender sind als frühere Corona-Varianten und sich deshalb stärker in Großraumbüros verbreitet könnten - und das in diesem Jahr weniger im HomeOffice gearbeitet wurde als in früheren Phasen der Pandemie. Aber auch Straßen- und Tunnelwärter:innen sowie Berufe in der elektrischen Betriebstechnik finden sich in den Top10.

Teichert: Auch in Kitas, Arztpraxen und Büros drohen Personalausfälle

„Unsere Datenanalyse zeigt, dass angesichts steigender Omikron-Infektionszahlen nicht nur in Krankenhäusern und an Flughäfen, sondern auch in Kitas, Arztpraxen und in vielen Büroberufen mit einer steigenden Zahl an Personalausfällen zu rechnen ist. Die Bundesregierung sollte sich nun zeitnah auf eine neue Rechtsgrundlage für Corona-Schutzmaßnahmen einigen, damit im Hinblick auf den Herbst zielgenaue Schutzmaßnahmen möglich sind. Aber auch Arbeitgeber sind aufgerufen, die Erfahrungen der vergangenen Monate auszuwerten und geeignete Schutzmaßnahmen für ihre Belegschaften zu ergreifen.“ sagt Daniela Teichert, Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost.

Rund zehn Tage lang waren die Covid-19-Erkrankten arbeitsunfähig

Aus der Analyse geht auch hervor, dass die Beschäftigten, die an Covid-19 erkrankt waren, im Schnitt 9,7 Tage lang bei der Arbeit fehlten. Je älter die Versicherten waren, desto länger fehlten sie im Schnitt im Job: Beschäftigte, die jünger als 30 Jahre alt, waren nach durchschnittlich 8,1 Krankheitstagen wieder fit. Beschäftigte über 60 Jahre benötigten hingegen durchschnittlich 12,2 Tage, um nach einer Corona-Infektion wieder arbeitsfähig zu sein.

Hinweis für die Redaktionen

Für die Datenanalyse hat das Wissenschaftliche Institut der Ortskrankenkassen (WIdO) der AOK Nordost die Auswertung der Covid-19-Krankmeldungen nach Berufsgruppen der Brandenburger AOK-Versicherten zur Verfügung gestellt. Insgesamt flossen für den Zeitraum Januar bis Mai 2022 rund 17.800 AU-Bescheinigungen in die Auswertung ein. Krankengeldberechtigt sind in der Regel Arbeitnehmer, Rehabilitanden, Empfänger von Arbeitslosengeld I und unter bestimmten Voraussetzungen auch Selbstständige.

Um Verzerrungen wegen zu kleiner Fallzahlen zu vermeiden, wurden bei der Auswertung nur Berufsgruppen berücksichtigt, bei denen mindestens 0,5 Prozent der krankengeldberechtigten AOK Nordost-Mitglieder beschäftigt sind. Berufe mit einem hohen Anteil an verbeamteten Personen wie Lehrer und Polizisten konnten bei der Auswertung nicht berücksichtigt werden, weil verbeamtete Personen in der Regel nicht gesetzlich krankenversichert sind.

Bei den Corona-Krankmeldungen hat das WIdO sowohl ärztlich codierte Diagnosen berücksichtigt, bei denen Covid-19 mit einem PCR-Test gesichert nachgewiesen wurde (ICD-Code U.07.1) als auch Verdachtsdiagnosen, bei denen ein solcher positiver PCR-Test noch nicht vorlag (ICD-Code U.07.2). In rund 86 Prozent aller ausgewertet Krankmeldungen der AOK Nordost-Versicherten lag ein gesicherter Nachweis einer Covid-19-Infektion vor. Die Verdachtsdiagnosen wurden mit ausgewertet, weil sie ebenfalls zu Ausfällen im Job führten.

Die Ergebnisse haben eine hohe Relevanz, denn die AOK Nordost ist in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern mit etwa 1,7 Millionen Versicherten die größte Krankenkasse.