Omikronwelle: In diesen Berufen droht in Berlin Personalmangel

Datenanalyse der AOK Nordost

Berlin, 22.07.2022 | Die Omikron-Sommerwelle führt zu Personalengpässen an Krankenhäusern und Flughäfen. Doch in Berliner Kitas und Arztpraxen haben die Beschäftigten ein noch weitaus höheres Risiko, an Corona zu erkranken. Das zeigt eine aktuelle Datenanalyse der AOK Nordost. Auch in Bereichen des Gesundheitswesens, die bislang noch nicht im Fokus stehen, droht demnach mit steigenden Corona-Infektionszahlen Personalmangel.

Kita-Erzieherinnen hatten in diesem Jahr von allen Berufsgruppen in Berlin das höchste Risiko, sich mit Covid-19 zu infizieren.  15,9 Prozent aller bei der AOK Nordost versicherten Berliner Erzieherinnen meldeten sich von Januar bis Mai dieses Jahres wegen einer ärztlich diagnostizierten Coronainfektion bei der Arbeit krank. Erzieherinnen fielen damit rund 2,2 mal so häufig wegen Corona bei der Arbeit aus als der Durchschnitt der Beschäftigten. Im Schnitt fielen in den ersten fünf Monaten des Jahres 7,1 Prozent der Berliner AOK-Versicherten wegen einer Coronainfektion im Job aus. In Berlin ist rund jeder Fünfte bei der AOK Nordost versichert, die Ergebnisse sind damit annähernd repräsentativ.

Auch medizinische Fachangestellte, die in Arztpraxen am Empfang arbeiten, hatten mit 14,5 Prozent in Berlin ein sehr hohes Corona-Infektionsrisiko – trotz weiterhin bestehender Maskenpflicht in medizinischen Einrichtungen.  Berliner Arztpraxen sind damit mutmaßlich noch weitaus stärker von coronabedingten Personalausfällen betroffen als Berliner Krankenhäuser. Denn Beschäftigte in der Krankenpflege fielen mit einer Quote von 7,9 Prozent in diesem Jahr nur rund halb so oft wegen einer Covid-19-Infektion aus wie medizinische Fachangestellte.

In den Top 10 dominieren Gesundheitsberufe und pädagogische Berufe

In den Top 10 der am häufigsten von Covid-19-Krankschreibungen betroffenen Berufsgruppen in Berlin dominieren weitere Gesundheitsberufe und pädagogische Berufe,also Jobs, bei denen die Beschäftigten engeren Kontakt zu anderen Menschen haben: Ein hohes Corona-Infektionsrisiko haben demnach Physiotherapeut:innen (13%) , Führungskräfte in der Krankenpflege, dem Rettungsdienst und der Geburtshilfe (12,7%), Heilerziehungspfleger:innen, die behinderte Menschen unterstützen (12,4%) sowie Sozialarbeiter:innen (11,8%).

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In den Top 10 finden sich in diesem Jahr aber auch Bürojobs: Berufe in der Sozialverwaltung, in der Steuerberatung sowie Bankkaufleute. Im Jahr 2020 waren solche Bürojobs noch nicht in den Top 10 finden. Ein möglicher Grund dafür könnte sein, dass die Omikron-Varianten weitaus ansteckender sind als frühere Corona-Varianten und sich deshalb stärker in Großraumbüros verbreiten - und das in diesem Jahr weniger im Home-Office gearbeitet wurde als in früheren Phasen der Pandemie.

Teichert: Auch in Kitas, Arztpraxen und Büros drohen Personalausfälle

„Unsere Datenanalyse zeigt, dass angesichts steigender Omikron-Infektionszahlen nicht nur in Krankenhäusern und an Flughäfen, sondern auch in Kitas, Arztpraxen und in vielen Büroberufen mit einer steigenden Zahl an Personalausfällen zu rechnen ist. Die Bundesregierung sollte sich nun zeitnah auf eine neue Rechtsgrundlage für Corona-Schutzmaßnahmen einigen, damit im Hinblick auf den Herbst zielgenaue Schutzmaßnahmen möglich sind. Aber auch Arbeitgeber sind aufgerufen, die Erfahrungen der vergangenen Monate auszuwerten und geeignete Schutzmaßnahmen für ihre Belegschaften zu ergreifen.“ sagt Daniela Teichert, Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost.

Rund zehn Tage lang waren die Covid-19-Erkrankten arbeitsunfähig

Aus der Analyse geht auch hervor, dass die Beschäftigten, die an Covid-19 erkrankt waren, im Schnitt 9,7 Tage lang bei der Arbeit fehlten. Je älter die Versicherten waren, desto länger fehlten sie im Schnitt im Job: Beschäftigte, die jünger als 30 Jahre alt, waren nach durchschnittlich 8,1 Krankheitstagen wieder fit. Beschäftigte über 60 Jahre benötigten hingegen durchschnittlich 12,2 Tage, um nach einer Corona-Infektion wieder arbeitsfähig zu sein.

Hinweis für die Redaktionen

Für die Datenanalyse hat das Wissenschaftliche Institut der Ortskrankenkassen (WIdO) der AOK Nordost die Auswertung der Covid-19-Krankmeldungen nach Berufsgruppen der Berliner AOK-Versicherten zur Verfügung gestellt. Insgesamt flossen für den Zeitraum Januar bis Mai 2022 rund 18.800 AU-Bescheinigungen in die Auswertung ein. Krankengeldberechtigt sind in der Regel Arbeitnehmer, Rehabilitanden, Empfänger von Arbeitslosengeld I und unter bestimmten Voraussetzungen auch Selbstständige.

Um Verzerrungen wegen zu kleiner Fallzahlen zu vermeiden, wurden bei der Auswertung nur Berufsgruppen berücksichtigt, bei denen mindestens 0,5 Prozent der krankengeldberechtigten AOK Nordost-Mitglieder beschäftigt sind. Berufe mit einem hohen Anteil an verbeamteten Personen wie Lehrer:innen und Polizist:innen konnten bei der Auswertung nicht berücksichtigt werden, weil verbeamtete Personen in der Regel nicht gesetzlich krankenversichert sind.

Bei den Corona-Krankmeldungen hat das WIdO sowohl ärztlich codierte Diagnosen berücksichtigt, bei denen Covid-19 mit einem PCR-Test gesichert nachgewiesen wurde (ICD-Code U.07.1) als auch Verdachtsdiagnosen, bei denen ein solcher positiver PCR-Test noch nicht vorlag (ICD-Code U.07.2). In rund 86 Prozent aller ausgewertet Krankmeldungen der AOK Nordost-Versicherten lag ein gesicherter Nachweis einer Covid-19-Infektion vor. Die Verdachtsdiagnosen wurden mit ausgewertet, weil sie ebenfalls zu Ausfällen im Job führten.

Die Ergebnisse haben eine hohe Relevanz, denn die AOK Nordost ist in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern mit etwa 1,7 Millionen Versicherten die größte Krankenkasse.

Pressekontakt

AOK Nordost – Die Gesundheitskasse
Pressesprecher (komm.) Dirk Becker
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