Leben mit Diabetes – was ändert sich jetzt für mich?

Die Diagnose wirft viele Fragen auf, die alle auf eine hinauslaufen: Wie verändert sich mein Leben? Hier finden Sie wichtige Informationen zu den Themenbereichen Ernährung, Bewegung, medizinische Untersuchungen und Reisen mit Diabetes.

Fahrrad fahren im Wald – PantherMedia 16395290 © Lightpoet

Ernährung und Ernährungsweise

Für Diabetespatienten gilt grundsätzlich die gleiche Empfehlung, wie für jeden anderen auch: Eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Besonders empfehlenswert ist die mediterrane Kost mit viel Gemüse, Fisch und gesunden Fetten. Zu einer optimalen Ernährung für Diabetiker gehören:

Gesunde Ernährung und Ernährungsumstellung für Typ-2-Diabetiker

Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 können über ihre Ernährung entscheidend dazu beitragen, langfristig ihre Werte zu verbessern. Übergewicht ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für einen Typ-2-Diabetes. Abnehmen kann die Insulinwirkung verbessern sowie den Blutzuckerspiegel senken. Für die Gewichtsabnahme wird weder zu bestimmten Diäten geraten, noch werden Sie auf Lebensmittel komplett verzichten müssen. Ihr Arzt wird Ihnen, falls notwendig, zu einer Umstellung Ihrer Essgewohnheiten raten, mit dem Ziel, Ihre Blutzuckerwerte zu verbessern. Ein Ernährungsplan hilft Ihnen bei der Umstellung und berücksichtigt auch Ihre persönlichen Vorlieben.

Mit Broteinheiten rechnen: Insulingabe und Ernährung für Typ-1-Diabetiker

Sind Sie an Diabetes mellitus Typ 1 erkrankt oder auf Insulin angewiesen, ist vor allem wichtig zu wissen, wie viele Kohlenhydrate Sie zu sich nehmen. Erst dann können Sie die passende Menge Insulin spritzen. Was Sie dabei beachten müssen, lernen Sie am Anfang Ihrer Therapie in einer Schulung. Die richtige Menge Insulin ermitteln Sie, indem Sie die Broteinheit (BE) oder Kohlenhydrateinheit (KE), also den Kohlenhydratgehalt eines Lebensmittels, berechnen. Dazu wiegen Sie die Lebensmittel und schauen die Kohlenhydratmenge nach. Zur Berechnung werden Lebensmittel in drei Kategorien unterteilt:

Lebensmittel ohne Kohlenhydrate
Diese Lebensmittel enthalten in erster Linie Fette und Proteine und müssen nicht berechnet werden: Öl, Butter, Margarine, Käse sowie Fisch, Fleisch und Fleischprodukte ohne Panade.


Lebensmittel mit insulinunabhängigen Kohlenhydraten
Diese Lebensmittel enthalten Kohlenhydrate nur in sehr geringen Mengen und müssen ebenfalls nicht berechnet werden: Zuckeraustauschstoffe sowie kleine Mengen an Gemüse (außer kohlenhydratreiche Sorten, siehe Abschnitt „insulinabhängige Kohlenhydrate“).


Lebensmittel mit insulinabhängigen Kohlenhydraten
Diese Lebensmittel enthalten Kohlenhydrate, die mit Insulin ausgeglichen werden müssen:

  • Getreideprodukte wie Nudeln, Brot, Reis, Mehl und Müsli,
  • kohlenhydratreiche Gemüse wie Steckrüben, Kürbis, Pastinake, Rote Bete, Mais und (Süß-)Kartoffeln,
  • Hülsenfrüchte, Obst,
  • Milch- und Sojaprodukte,
  • Softdrinks, Süßigkeiten, Zucker, Honig, Sirup,
  • verschiedene alkoholische Getränke, wie Liköre, Biere (insbesondere Malzbier und Biere mit geringerem Alkoholgehalt) sowie Wein (insbesondere Auslese oder halbtrockene Weine).

Info: Wie Sie die Insulinmenge berechnen und Insulin richtig spritzen, lernen Sie am Anfang Ihrer Therapie in einer Schulung.

Bewegung

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, wöchentlich mindestens 150 Minuten aktiv zu sein – auch Diabetikern. Am besten sind Sie mehrmals die Woche für eine halbe Stunde aktiv, als das Pensum auf einmal abzuarbeiten. Unterstützen können Sie das, indem Sie viele Wege zu Fuß gehen, zum Beispiel die Treppe statt den Aufzug nehmen, das Auto entfernter vom Ziel parken oder eine Station eher aus Bus und Bahn steigen. Noch wirkungsvoller ist es, wenn Sie regelmäßig Sport treiben, idealerweise drei- bis viermal pro Woche.

Körperliche Aktivität steigert Ihren Kalorienverbrauch und hilft abzunehmen. Ebenso verbessert Sport die Insulinempfindlichkeit und damit den Zuckerstoffwechsel: Denn bewegte Muskeln holen sich Zucker aus dem Blut, um daraus die nötige Energie zu gewinnen. Zugleich gelangt Zucker leichter ins Zellinnere, weil häufige körperliche Aktivität die Zellmembran so verändert, dass das Insulin wieder besser als „Türöffner“ funktioniert.

Wenn Sie Sport treiben, müssen Sie das Insulin, die Glukoseaufnahme über die Nahrung sowie den Energieumsatz durch körperliche Aktivität genau aufeinander abstimmen. Sport kann den Glukoseanstieg nach dem Essen verringern und Ihren HbA1C-Wert verbessern. Durch Sport kann diese Diabetes-Form jedoch nicht geheilt werden.

Regelmäßige Arztbesuche

Nehmen Sie die Kontrolltermine bei Ihrem Arzt wahr, die im Rahmen des strukturierten Behandlungsprogramms AOK-Curaplan vorgesehen sind. Denn Ihr Arzt ist Ihr wichtigster Ratgeber im Umgang mit der Erkrankung. Außerdem ist es für den Verlauf der Behandlung wichtig, Blutwerte und weitere Körperfunktionswerte regelmäßig zu überprüfen. Nur so können Veränderungen früh erkannt und bleibende Schäden oder Folgeerkrankungen, wie Sehstörungen, diabetisches Fußsyndrom oder Nierenschäden, vermieden werden. Die folgenden Untersuchungen sollten Sie regelmäßig von Ihrem Arzt vornehmen lassen:

Der Blutzuckerlangzeitwert zeigt an, wie hoch Ihr Blutzucker in den vergangenen acht bis zwölf Wochen durchschnittlich war. Der Test steht für Teilnehmer von AOK-Curaplan etwa alle drei bis sechs Monate an.

Der Arzt testet zum Beispiel mithilfe einer Stimmgabel und durch Abtasten der Füße, ob Nervenschäden oder Durchblutungsstörungen bestehen. Beides kann zu einem Diabetischen Fuß führen, oft mit schlecht heilenden Wunden und Geschwüre an den Füßen. Die Untersuchung erfolgt im Behandlungsprogramm AOK-Curaplan mindestens einmal jährlich (bei Typ-1-Diabetes ab dem fünften Erkrankungsjahr).

Bluthochdruck ist bei beiden Diabetestypen sehr häufig und steigert das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Ihren Blutdruck sollten Sie regelmäßig selbst messen. Die Blutdruckmessung ist aber auch bei jedem Arztbesuch vorgesehen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, welcher Zielbereich für Sie in der Norm liegt.

Der Arzt überprüft, ob zum Beispiel eine diabetisch bedingte Erkrankung der Netzhaut vorliegt. Das kann bei anhaltend hohen Blutzuckerwerten der Fall sein. Diese Untersuchung steht je nach Risiko alle ein bis zwei Jahre an (bei Typ-1-Diabetes ab dem fünften Erkrankungsjahr).

Um Nierenschäden rechtzeitig zu erkennen, erfolgt mindestens einmal jährlich eine Berechnung der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR). Abhängig von persönlichen Risikofaktoren wird bei Bedarf der Urin auf das Eiweiß Albumin überprüft.

Reisen mit Diabetes

Auch mit Diabetes steht einem Urlaub nichts im Weg. Vorausgesetzt Sie sind gut vorbereitet. Vor und während Ihrer Reise sollten Sie folgendes beachten, wenn Sie blutzuckersenkende Tabletten nehmen oder Insulin spritzen:

  • Bewegung senkt den Blutzucker. Bei körperlicher Anstrengung gilt: Blutzucker checken.
  • Beachten Sie, dass Sonnenbäder und Hitze die Insulinwirkung beschleunigen können.
  • Messen Sie unterwegs mindestens alle drei Stunden Ihren Blutzucker.
  • Die größte Gefahr einer Unterzuckerung besteht nicht während eines Flugs, sondern während des Schlafens. Deswegen messen Sie Ihren Blutzucker vor dem Schlafengehen.
  • Gleichen Sie nach Durchfall oder Erbrechen Ihren Wasser- und Mineralhaushalt wieder aus. Wenn es zu einer Unterzuckerung kommt, dann trinken Sie mit Zucker gesüßten Schwarztee, essen Sie leicht verdauliche Kohlenhydrate und kontrollieren Sie den Blutzucker solange, bis er sich normalisiert hat.
  • Bei länger anhaltendem Durchfall/Erbrechen muss gegebenenfalls mit der Medikamenteneinnahme pausiert werden, beispielsweise bei Metformin. Sprechen Sie dies im Vorfeld Ihrer Reise mit Ihrem behandelnden Arzt ab.
  • Trinken Sie ausreichend Wasser. Mindestens 1,5 Liter am Tag. Wenn Sie viel schwitzen, mehr. Falls Sie an einer Herzschwäche oder einer Nierenfunktionsstörung erkrankt sind, klären Sie mit Ihrem Arzt, ob Sie die Trinkmenge erhöhen können.
  • Wenn sich aufgrund der Zeitverschiebung die Reisetage verlängern oder verkürzen, verändert sich auch Ihr Insulinbedarf.

Damit Sie keine wichtigen Medikamente oder Zubehör vergessen, hilft Ihnen unsere Checkliste Reisen mit Diabetes (PDF, 166 KB) beim Packen.

Diabetes-Selbsthilfegruppen: Erfahrungsaustausch mit anderen Patienten

Der Austausch mit anderen Betroffenen kann dabei helfen, besser mit der eigenen Erkrankung umzugehen. Viele Selbsthilfegruppen haben sich dem Deutschen Diabetiker Bund oder der Organisation „Deutsche Diabetes Hilfe – Menschen mit Diabetes“ angeschlossen.

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