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„Qualität muss immer der Kompass sein“

Mut zum Strukturwandel

25.10.2018

Die CSU verhandelt derzeit mit den Freien Wählern über eine Koalition. Was erwarten Sie von der neuen Staatsregierung?

Dr. Irmgard Stippler: Ich sehe ein ganz wichtiges Thema – das ist die Qualität in der Versorgung. Es geht um die Qualität in der Pflege, aber auch im ambulanten und stationären Sektor. Ich möchte hier nur kurz den stationären Sektor herausgreifen. Da erwarte ich von der Staatsregierung ganz klare Perspektiven, wie wir hier das Thema qualitätsgesicherte Versorgung nachhaltig verankern. Das ist ein herausforderndes Thema in der Planung, in der Steuerung und in der Sicherstellung von Versorgung für die Menschen in der Stadt und auf dem Land. Aus meiner Sicht geht Qualität immer vor. Da sind wir den Patienten verpflichtet und den Beitragszahlern auch. Gute Versorgung gehört honoriert und schlechte Versorgung nicht an den Finanztropf.

Wo sehen Sie konkret Handlungsbedarf?

Die sektorenübergreifende Versorgung muss endlich gelebt werden – zum Wohle der Patienten. Noch befinden wir uns weitestgehend in zwei Welten: Auf der einen Seite die Kliniken auf der anderen Seite die niedergelassenen Haus- und Fachärzte. Das führt teils zu einer ineffizienten Doppelversorgung. Wir brauchen daher den Mut aller Partner im Gesundheitswesen zum Strukturwandel.

Das könnte allerdings bedeuten, dass einzelne Kliniken schließen müssen.

Entscheidend ist, dass die Patienten gut behandelt werden. Gute Versorgung hängt für mich nicht von der Zahl der Krankenhäuser ab. Wir brauchen für jede Region einen Zukunftsplan, denn es gibt keine Blaupause für ganz Bayern. Im Mittelpunkt stehen die Fragen: Welche Kliniken brauchen wir, um die Versorgung vor Ort zu gewährleisten? Und wo sollten stattdessen besser Gesundheitszentren die ambulante und stationäre Versorgung verzahnen? Qualität muss dabei immer der Kompass sein.

Welche Rolle kann die AOK Bayern übernehmen?

Wir haben als Gesundheitskasse den Anspruch, Versorgung und Gesundheitsvorsorge aktiv zu gestalten und unseren Beitrag zur gesundheitlichen Daseinsvorsorge zu leisten. Wir sind weit mehr als nur Kostenträger. Schon heute setzen wir uns mit viel Expertise vor Ort für die Versorgung ein. Damit wir im Wettbewerb um die beste Versorgung bestehen, muss die Politik den Gesundheitsfonds allerdings so weiterentwickeln, dass das Geld dem Versorgungsbedarf folgt.

Die CSU hat sich in der Diskussion über den Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen für eine Regionalkomponente stark gemacht. Wie stehen Sie dazu?

Der Gesundheitsfonds sorgt zusammen mit dem jetzigen Risikostrukturausgleich für eine bedarfsgerechte Verteilung der Mittel unabhängig vom Wohnort der Patienten und Versicherten. Bei einer Regionalisierung besteht die große Gefahr, dass noch mehr Geld in überversorgte Gebiete wie die städtischen Ballungsräume fließt. Dieses Geld fehlt dann in den ländlichen Regionen. Eine Regionalisierung darf nicht zu einer Zementierung von Fehlversorgung oder gar Unterversorgung werden. Sie können aber auch niemandem erklären, warum ein Versicherter in Starnberg mehr wert sein soll als ein Versicherter in Cham.