Elektronische Gesundheitskarte: „Gigantische Summen versenkt"

Mehr als eine Milliarde Euro investiert

28.07.2017

Es ist eine unendliche Geschichte von Verzögerungen, Schuldzuweisungen und massiv steigenden Kosten: die elektronische Gesundheitskarte. Ursprünglich sollte die neue Wunderkarte bereits 2006 starten. Doch auch Mitte 2017 – mehr als zehn Jahre später – sind die angekündigten Zusatzfunktionen wie die elektronische Patientenakte in weiter Ferne. Mehr als eine Milliarde Euro haben die Krankenkassen bereits für die Entwicklung der neuen Infrastruktur ausgegeben.

„In dem Projekt wurden gigantische Summen versenkt, weil viele Zwischenstationen finanziert wurden – ohne jeden Mehrwert für den Versicherten“, kritisiert Dr. Helmut Platzer, Vorstandsvorsitzender der AOK Bayern. Er warnt allerdings davor, sich auf die Schuldfrage zu konzentrieren. „Wir müssen den Blick nach vorne richten, um endlich eine attraktive Telematik-Infrastruktur in Deutschland zu schaffen. Die elektronische Gesundheitskarte wird dabei wohl keine wichtige Rolle mehr spielen.“

Operierende Roboter, Fitness-Apps oder Online-Sprechstunden – die Digitalisierung hat längst das Gesundheitswesen erreicht. Inzwischen wurde auch die elektronische Gesundheitskarte vom technologischen Fortschritt überholt. „Es sind alle aufgerufen, gemeinsam an der nächsten und übernächsten Generation von digitalen Plattformen zu arbeiten“, betont Dr. Platzer. Auch die AOK-Gemeinschaft setzt auf die Entwicklung einer geeigneten Plattform. „Es ist derzeit nicht abzusehen, wann die Gesundheitskarte mit Zusatzfunktionen kommt. Wir müssen daher über Alternativen nachdenken.“