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08.07.2020 Lockdown-Effekte im Krankenhaus: Fallzahlen gehen stark zurück

News Krankenhaus

Im März und April 2020 verzeichneten die Kliniken 39 Prozent weniger Fälle als im Vorjahreszeitraum.

© iStockfoto/upixa

Erstmals valide Zahlen verfügbar

In deutschen Krankenhäusern gingen die Patientenzahlen während der Lockdown-Phase deutlich zurück. Im März und April 2020 verzeichneten die Kliniken insgesamt 39 Prozent weniger Fälle als im Vorjahreszeitraum. Das zeigt die Auswertung der Krankenhausfälle unter den 27 Millionen AOK-Versicherten, die das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) erstmals auf einer validen bundesweiten Datenbasis untersucht hat. Besonders stark gingen die planbaren, nicht dringlichen Eingriffe wie Operationen zum Arthrose-bedingten Hüftersatz (minus 79 Prozent) zurück. Allerdings wurden auch lebensbedrohliche Notfälle seltener behandelt, so ging die Zahl der Herzinfarktbehandlungen um 31 Prozent zurück, die der Schlaganfallbehandlungen um 18 Prozent. Der aktuelle WIdO-Report präzisiert erste interne Auswertungen aus dem April 2020, über die verschiedene Medien berichtet hatten.

Vom 16. März bis zum 5. April 2020 wurden insgesamt rund 241.000 Fälle von AOK-Versicherten in deutschen Krankenhäusern behandelt. Das waren etwa 157.000 Fälle weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Absolut gesehen gab es den größte Minus bei Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems, die um 42 Prozent (minus 27.000 Fälle) zurückgingen. Den größten relativen Rückgang verzeichneten die Häuser mit 65 Prozent bei den Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems (minus 22.000 Fälle). Das Ausmaß variiert von Region zu Region und reicht von 34 Prozent in Sachsen bis zu 43 Prozent in Rheinland-Pfalz.

Wichtige Behandlungen hatten Priorität

In einer Detailanalyse von insgesamt 21 Behandlungsanlässen zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen dringlichen, medizinisch notwendigen Behandlungen auf der einen und planbaren, weniger dringlichen Fällen auf der anderen Seite. So gab es beispielsweise bei den Blinddarm-Entfernungen ohne akute Entzündung einen Rückgang von 28 Prozent, während die Zahl Behandlungen von akuten Blinddarmentzündungen sogar leicht stieg (plus 8 Prozent). Ein ähnliches Muster zeigt sich bei Krebsbehandlungen: Die Zahl der operativen Ersteingriffe zur Entfernung eines Tumors in der Brust stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 11 Prozent, während die nicht dringlichen Eingriffe zur Rekonstruktion der Brust um 76 Prozent zurückgingen. Die Gesamtzahl der vollständigen Gebärmutterentfernungen (Hysterektomien) hat sich nahezu halbiert (minus 48 Prozent), was ausschließlich auf Eingriffe bei gutartigen Veränderungen zurückzuführen war (minus 66 Prozent), während die Eingriffe bei Gebärmutterhalskrebs anstiegen (plus 23 Prozent).

„Insgesamt zeigt sich in den Daten ein sehr rationales Vorgehen der behandelnden Ärzte in der Phase des Lockdowns: Nicht so dringliche Operationen, zum Beispiel zur Implantation von künstlichen Gelenken, wurden den Vorgaben der Politik entsprechend verschoben, um Kapazitäten für die Behandlung von Covid-19-Patienten freizuhalten. Zugleich wurden aber offensichtlich dringliche und medizinisch notwendige Operationen weiter durchgeführt“, sagt WIdO-Geschäftsführer Jürgen Klauber. Den stärksten Rückgang hat es bei den besonders oft durchgeführten Operationen zum Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenkes gegeben: Die Zahl der arthrosebedingten Hüftprothesen-Implantationen nahm um 79 Prozent ab. Die Zahl der Behandlungen von akuten Oberschenkelhalsbrüchen blieb dagegen ungefähr auf dem gleichen Niveau wie 2019.

Sorge wegen Rückgang bei Notfall-Behandlungen

Anlass zur Sorge geben aus Sicht der WIdO-Experten die geringen Fallzahlen bei der Behandlung von Herzinfarkten. Während im Vergleichszeitraum des Vorjahres insgesamt 4.628 Fälle von AOK-Versicherten behandelt wurden, waren es in der Lockdown-Phase nur 3.209 Herzinfarkte (minus 31 Prozent). Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Schlaganfällen: Hier sank die Zahl der behandelten Fälle von 6.190 auf 5.046 (minus 18 Prozent). Bei der Behandlung der Vorstufe des Schlaganfalls, der transistorisch-ischämischen Attacke (TIA), zeigt sich in den Daten sogar ein Minus von 37 Prozent. „Diese starken Rückgänge in der Behandlung von echten Notfällen weisen darauf hin, dass betroffene Patientinnen und Patienten in der Phase des Lockdowns den Rettungsdienst seltener alarmiert haben“, so Jürgen Klauber. Trotz akuten Behandlungsbedarfs und möglicher gravierender Folgen hätten die Betroffenen offenbar häufiger keine medizinische Hilfe in Anspruch genommen. „Über die Gründe für dieses Verhalten und das Ausmaß möglicher Folgeerkrankungen geben die Daten keinen Aufschluss“, erklärt Klauber. Schon jetzt lasse sich aber schlussfolgern, dass die Aufklärung der Bevölkerung über das richtige Verhalten im Notfall verbessert werden sollte. Kampagnen wie „Zeit ist Muskel“ oder „Time is brain“ müssten mit Bezug zur Corona-Pandemie intensiviert werden. „Zu einem späteren Zeitpunkt sollten zudem die Sterblichkeitsraten und die Entwicklung von Folgeerkrankungen aufgrund nicht behandelter Notfälle analysiert werden“, betont Klauber. 

Ursachen sind vielfältig

Aus Sicht der Experten lassen sich verschiedene Arten von Ursachen für die Fallzahlrückgänge unterscheiden. Erstens haben natürlich die regulatorischen Vorgaben der Politik wie die Verschiebung von planbaren und weniger dringlichen Behandlungen eine zentrale Rolle gespielt, erläutert WIdO-Geschäftsführer Jürgen Klauber. Zweitens können epidemiologische Ursachen Bedeutung haben: „So ist es beispielsweise möglich, dass es eine Reduktion der Herzinfarktinzidenz infolge der Maßnahmen zu Eindämmung der Coronavirus-Pandemie gab. Denkbar ist beispielsweise ein Absinken des allgemeinen Stresslevels durch Homeoffice und Kurzarbeit oder die Reduzierung von Herzinfarkten durch extreme körperliche Belastung beim Sport“, so Klauber. Drittens liegen mögliche Ursachen aber auch in individuellen Beweggründen wie der Furcht der Menschen vor einer Coronavirusinfektion. Zudem sind auch ökonomische Anreize der 560-Euro-Tagespauschale für leer bleibende Krankenhausbetten nicht auszuschließen. „In ihrem Zusammenspiel können sich diese verschiedenen Einflussfaktoren gegenseitig noch verstärkt haben“, so Klauber.

Seit April steigende Fallzahlen

Seit der 15. Kalenderwoche (6. bis 10. April 2020), in der die Fallzahlen im Krankenhaus ihren Tiefpunkt erreichten, zeichnet sich eine Trendwende ab: Die Zahl der Behandlungsfälle steigt in den letzten Wochen langsam wieder an. „Offenbar werden die Empfehlungen des Bundesgesundheitsministeriums zur Rückkehr der Kliniken in einen neuen Alltag Schritt für Schritt umgesetzt. Ob und wann das Fallzahlenniveau vor der Coronavirus-Pandemie wieder erreicht wird, ist aber noch offen“, betont WIdO-Geschäftsführer Jürgen Klauber.

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