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29.07.2019 Neue Medikamente oft nicht besser als alte

News Arzt & Praxis

Über die Hälfte der Arzneimittel, die seit 2011 in Deutschland auf den Markt gekommen sind, sind ohne belegten Zusatznutzen aus der frühen Nutzenbewertung hervorgegangen.

blaues Cover mit gemalten Pillen
iStock.com/SashaBrazhnik

IQWiG

Über die Hälfte der Arzneimittel, die seit 2011 in Deutschland auf den Markt gekommen sind, sind ohne belegten Zusatznutzen aus der frühen Nutzenbewertung hervorgegangen. Das geht aus einer Untersuchung von Wissenschaftlern um Beate Wieseler vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen IQWiG hervor. Die Forscher hatten 216 Medikamente unter die Lupe genommen, die zwischen 2011 und 2017 neu auf den deutschen Markt gekommen waren. Bei 58 Prozent konnte das IQWiG keinen Zusatznutzen im Vergleich zur Standardtherapie feststellen.

Gründe für das Fazit „Zusatznutzen nicht belegt“

Nach Angaben des IQWiG gibt es drei Gründe für das Fazit „Zusatznutzen nicht belegt“:

  1. Für viele neue Medikamente fehlen Studien, in denen der neue Wirkstoff mit der Standardtherapie für die Erkrankung verglichen wird.
  2. Für andere neue Arzneimittel gibt es zwar Studien – aber die Vergleichstherapie passt nicht. Zum Beispiel, weil sie für die untersuchten Patienten gar nicht zugelassen ist. In dieser Situation gibt es keine Informationen, die die Entscheidung von Patienten und Ärzten für eine der vorhandenen Therapiealternativen unterstützen könnten.
  3. Bei einem kleineren Teil der Fälle gibt es zwar korrekte vergleichende Studien, aber der neue Wirkstoff zeigt keine eindeutigen Vor- oder Nachteile gegenüber der Standardtherapie.

Vorschlag: Arzneimittelentwicklung stärker am Bedarf ausrichten

Die Auswertung des IQWiG ist grundsätzlich nicht neu. Sie fasst die vom IQWiG getroffenen Arzneimittel-Bewer­tungen in den ersten sieben Jahren seit Einführung des Arzneimittelmarkt­-Neu­ord­nungsgesetzes (AMNOG) zusammen. Diese Ergebnisse werden laufend publiziert. Neu ist die Veröffentlichung in einem internationalen Fachmagazin sowie die Diskussion von möglichen Lösungen. So schlagen die Studienautoren vor, neue Wirkstoffe häufiger gegen die bestmögliche Standardtherapie zu testen – und nicht gegen Plazebo. Die Autoren weisen zudem darauf hin, dass neue Ansätze der Arzneimittelentwicklung, die stärker an den Lücken in den Therapiemöglichkeiten und an den Zielen von Gesundheitssystemen orientiert sind, einen Beitrag zur besseren Versorgung von Patienten leisten könnten.

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