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15.09.2022 Long-COVID: Selbstsorge als Basis für eine gute Therapie

News Arzt & Praxis

Wie kann Patientinnen und Patienten mit Long-COVID effektiv geholfen werden? Am Uniklinikum Heidelberg erarbeitet ein interprofessionelles Kompetenznetz derzeit Behandlungspfade. Projektkoordinatorin und Allgemeinmedizinerin Dr. Sandra Stengel gibt im Gespräch mit PRO DIALOG Einblicke.

Mann steht vor Zaun und holt Luft. Symbolbild für Atemnot.
AOK

Interview mit Dr. Sandra Stengel

Frau Dr. Stengel, wie ist die Versorgung im Kompetenznetz Rhein-Neckar organisiert?

Dr. Sandra Stengel: Das Kompetenznetz versteht sich als multiprofessionelles Netzwerk. Neben den Hausärztinnen, Hausärzten und den Kinder- und Jugendmedizinern sind auch Professionelle aus der Ergo- und Physiotherapie, der Rehabilitation, der Psychotherapie und der Arbeitsmedizin vertreten. Gemeinsam wollen wir die bestehenden Strukturen nutzen, wissenschaftliche Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Praxis zusammenzutragen und gemeinsam gestufte Behandlungspfade für Long-COVID-Patienten erarbeiten.

Wie sieht ein gestufter Behandlungspfad genau aus?

Die Patienten in der Akutphase der Infektion leiden unter vielfältigen Symptomen. Deren erste Ansprechpartner sind meist die Ärztinnen und Ärzte der Primärversorgung. Ihre Aufgabe ist es, einen gefährlichen Verlauf der Erkrankung abzuwenden. Wenn ein Long-COVID- oder Post-COVID-Syndrom diagnostiziert wird, muss zu Beginn der Behandlung oder im Verlauf geklärt werden, ob der Patient, die Patientin zur weiteren Diagnostik an einen Fachmediziner, etwa aus der Pneumologie oder Neurologie oder sogar an ein Long-COVID-Zentrum überwiesen werden muss.

Therapie bei Long COVID

Dr. Sandra Stengel ist Projektkoordinatorin im Kompetenznetz Long-COVID Rhein Neckar am Universitätsklinikum Heidelberg.
© Fotostudie Nane Karlsruhe-Durlach

Welche Therapie folgt daraus?

Ärztliche Begleitung und das Selbstmanagement des Patienten bilden die Basis. Bei Kurzatmigkeit kann die Lunge mit speziellen Atemübungen trainiert werden. Bei Erschöpfung helfen Pacing-Strategien, den eigenen Energiehaushalt zu regulieren und sich nicht zu überlasten. Das Selbstmanagement – also spezielle Übungen, fortlaufendes Training, das Aneignen hilfreicher Erkenntnisse – kann dazu beitragen, die Symptome positiv zu beeinflussen oder Beschwerden zu lindern.

Und wenn das Selbstmanagement nicht ausreicht?

Ärztinnen und Ärzte müssen filtern, was genau dieser Mensch mit seinen Symptomen braucht. Das kann eine zusätzliche Verordnung sein, zum Beispiel für Ergo- oder Physiotherapie. Andere Patienten müssen über das Geschehen reden und profitieren vom Austausch in einer Selbsthilfe-Gruppe. Bei einem schweren Verlauf kann eine ambulante oder stationäre Reha nötig sein. Der Behandlungsplan sollte auf jeden Fall entsprechend der Beschwerden gestuft erfolgen. Die Erweiterung des Therapiespektrums um medikamentöse Ansätze wird dringlich erwartet.

Long-COVID-Coach als wichtige Ergänzung

Sie haben an der Entwicklung des Long-COVID-Coaches der AOK mitgearbeitet. Welchen Stellenwert hat so ein Online-Angebot?

Wir sehen im Long-COVID-Coach eine wichtige Ergänzung zur ärztlichen Beratung. Der Arzt, die Ärztin kann sich dort informieren, seinen Patienten auf Informationen hinweisen und auch Übungsvideos fürs Training empfehlen.

Woran leiden die meisten Betroffenen?

Die Erfahrungen aus den Praxen stimmen weitgehend mit den Forschungsergebnissen überein. Fatigue, Konzentrationsstörung, Verlust des Geschmackssinns, Atemnot, Kopf- und Gliederschmerzen und wiederholte Infekt-Symptome werden am häufigsten genannt. Deren Auswirkungen sind sehr unterschiedlich: Während die eine Patientin kaum eingeschränkt ist, ist der andere bettlägerig und muss sich schonen. Aus der Forschung wissen wir, dass jeder vierte Long-COVID-Patient sich nicht beeinträchtigt fühlt, jeder zweite wenig und ein Fünftel erlebt eine schwere Erkrankung. Es trifft junge Menschen ebenso wie auch jene im mittleren Alter.

Long COVID: Symptome und typischer Verlauf

Long-COVID zeichnet sich durch ein vielfältiges Beschwerdebild aus – darunter sind auch viele einzelne Symptome, die längst bekannt sind, oder?

Es ist eine sehr komplexe Erkrankung. Ziel der Forschung ist es, spezifische Biomarker zu finden, um einen kausalen Zusammenhang definieren zu können. Am wahrscheinlichsten ist bislang, dass es unterschiedliche Subgruppen unter den Patienten gibt.

Gibt es einen typischen Verlauf für die Erkrankung?

Die ersten zwölf Wochen nach einer Infektion zeigen häufig einen Rückgang der Beschwerden. Patienten, bei denen in dieser Zeit die Beschwerden nicht zurückgehen, zeigen unterschiedliche Verläufe langanhaltender Symptome. Daraus lässt sich jedoch bislang keine allgemeine Prävalenz ableiten, da die bisherigen Studien unterschiedliche Designs aufweisen und kaum vergleichbar sind.

Forschung zur Long-COVID-Therapie

Was ist der aktuelle Stand der Forschung zu den verschiedenen Therapiemöglichkeiten und deren Wirksamkeit?

Es gibt bislang keine spezifischen Medikamente, die bei Long-COVID zu verschreiben sind. Daher ist derzeit eine symptomorientierte Therapie angesagt. Das entspricht auch den medizinischen Leitlinien. Es gibt jedoch auch eine Subgruppe unter den Betroffenen, die brauchen Medikamente und warten darauf, was die weitere Forschung dazu bringt.

Auf welche Punkte sollen die Ärztinnen und Ärzte besonders achten, wenn sie den von ihnen Betreuten empfehlen, an einer Studie teilzunehmen?

Die Studienqualität muss stimmen. Zu prüfen ist zum Beispiel, ob zur Studie umfassend und transparent informiert wird, ob die Teilnahme freiwillig ist oder auch, wie gut die Patienten über Vorteile, Risiken und Belastungen aufgeklärt werden. Dies ist jedoch nicht die Aufgabe des behandelnden Arztes.

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PRO DIALOG vom 15.09.2022

Wie kann Patienten mit Long-COVID effektiv geholfen werden? Am Uniklinikum Heidelberg erarbeitet ein interprofessionelles Kompetenznetz derzeit Behandlungspfade. Zudem hat die AOK zusammen mit Expertinnen und Experten einen Long-COVID-Coach entwickelt.

PRO DIALOG, Ausgabe vom 15. September 2022

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