Fachportal für Leistungserbringer
Alle Berufsfelder
Angebote anzeigen für: Fachportal für Leistungserbringer
Warum wird diese Angabe benötigt?

Die AOK-Gemeinschaft gliedert sich in elf eigenständig agierende AOKs, welche regionale Angebote und Inhalte für Sie bereithalten.

Damit Sie zutreffende regionale Informationen erhalten, müssen Sie eine AOK/Region auswählen.

Der Schutz Ihrer Daten ist uns wichtig! Ihre Regionalisierungsdaten werden ausschließlich lokal innerhalb Ihres Browsers als Cookie gespeichert, eine Speicherung oder Verarbeitung dieser Daten durch die AOK erfolgt zu keinem Zeitpunkt.

Berufsfeld: Arzt & Praxis Ändern Gewähltes Berufsfeld: Arzt & Praxis Berufsfeld ändern

18.06.2021 Impfen und andere Herausforderungen: Stresstest Corona-Pandemie

News Arzt & Praxis

Die gesamte Zeit der Corona-Pandemie war ein einziger Stresstest für MFA – vor allem in den Hausarztpraxen. Mit der Ausweitung der Impfkampagne kam im April 2021 ein weiterer Stress-Baustein hinzu. Eine aktuelle Bestandsaufnahme des Magazins "info praxisteam".

Ältere erwachsene ältere Frau mit grauen Haaren wird geimpft (Symbolbild)
© iStock.com/miriam-doerr

Medizinische Fachangestellte am Limit

Am 27. April 2021 hatte der Notruf auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen erreicht. Unter dem Titel „Impfkampagne: Medizinische Fachangestellte am Limit“ berichtete der NDR in der Sendung Panorama über den ständig wachsenden Impfstress in den Hausarztpraxen. „Man wird nachts wach, überlegt was man getan hat, was man nicht getan hat. Es gibt Kolleginnen, die wachen morgens mit Herzklopfen auf, weil der Tag beginnt und gehen abends mit Herzklopfen ins Bett, weil sie ihrem Beruf nicht gerecht werden“, sagt eine MFA aus Niedersachsen dort.

Die Praxis öffnet um 8 Uhr, sonst begann ihr Arbeitstag immer um 7:30 Uhr. Jetzt um 6:30 Uhr. Denn ab 8 Uhr klingelt nur noch das Telefon, vor allem geht es um Impftermine. Neben dem normalen Betrieb müssen hunderte Impftermine vergeben werden, da bleibt eine Menge der normalen Arbeit liegen. Die in dieser Praxis dann nach Feierabend oder eben am frühen Morgen erledigt wird. Kein optimaler Zustand. Nicht immer lief die Kommunikation von politischer Seite reibungslos und so meldeten sich auch viele Anrufer in der Praxis, die noch gar nicht für eine Covid-19-Impfung an der Reihe waren. Denen mussten die MFA erklären, dass das Impfangebot leider noch nicht für sie gilt – was schwierige Diskussionen auslösen kann.

Kein Einzelfall

Dass es sich hier nicht um einen Einzelfall handelt, bestätigt auch der Verband medizinischer Fachberufe (VmF). „Wir haben Ende März in Briefen an die Kassenärztlichen Vereinigungen und hausärztlichen Berufsverbände auf Bundes- und Landesebene darauf hingewiesen, dass die Politiker, Institutionen, ärztlichen Berufsverbände und Arbeitgeber die Regelungen zur Terminvergabe klar und deutlich kommunizieren sollen“, berichtet Verbandspräsidentin Hannelore König. „Es war abzusehen, dass die grundsätzlich hohe und seit Beginn der Pandemie zunehmende Stressbelastung der medizinischen Fachangestellten mit den Impfungen in den Arztpraxen eine zusätzliche Steigerung erfährt.“ 

MFA sind neben dem Praxisalltag nicht nur an der Planung der Impftermine beteiligt. Auch das Vorbereiten des Impfstoffes und der dazugehörigen Utensilien, die Betreuung der Patienten vor und nach der Injektion sowie die Dokumentation in der Praxisverwaltungssoftware fällt in ihren Zuständigkeitsbereich. Und schließlich delegiert die Praxisleitung oft auch die Impfung an MFA, wenn diese dafür in der Ausbildung eine entsprechende Qualifikation erworben haben. 

Viele gesundheitliche Risiken

Der Stress rund ums Impfen ist ohne Frage ein hohes gesundheitliches Risiko für jede MFA. Aber nicht das einzige. Durch die hohe Zahl an Patientenkontakten ist auch das Infektionsrisiko erheblich.

Nach einer Auswertung des Wissenschaftlichen Institus der AOK (WIdO) waren Menschen, die in der Betreuung und Pflege anderer Menschen arbeiten, in den vergangenen zwölf Monaten am häufigsten wegen einer COVID-19-Erkrankung am Arbeitsplatz ausgefallen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Altenpflege mit 5.409 je 100.000 Beschäftigten waren am stärksten von Krankschreibungen betroffen, MFA belegen mit 4.666 je 100.000 Beschäftigten aber auch einen Platz in der Spitze der am häufigsten betroffenen Berufsgruppen. Von insgesamt mehr als 17.000 AOK-versicherten Erwerbstätigen mit einer im Labor bestätigten Covid-19-Diagnose mussten acht Prozent der Betroffenen in einem Krankenhaus behandelt werden. Fast 460 dieser stationär behandelten Patienten starben im Krankenhaus. Die Rate der Hospitalisierungen unter den Erwerbstätigen ist in der zweiten Welle ab Oktober noch einmal gestiegen 

Die wichtigsten Fragen zur Impfung für MFA

Wie bei allen Impfungen gilt auch hier: Die Impfung kann an eine MFA delegiert werden, wenn sie nachweislich dazu qualifiziert und geschult wurde. Der delegierende Arzt muss sich aber von dieser Qualifikation überzeugen und in unmittelbarer Nähe aufhalten. Impfanamnese und Impfaufklärung sind aber nicht delegierbar. Die Impfung wird im Impfausweis dokumentiert. Personen ohne Impfausweis können eine Ersatzbescheinigung zur COVID-19-Schutzimpfung erhalten.

Die Organisation der Impftermine bleibt den Praxen überlassen. Viele richten dazu Impfsprechstunden oder Impfnachmittage ein. Leider war es insbesondere in der Anfangszeit nicht unwahrscheinlich, dass Termine abgesagt werden müssen, weil die Praxis weniger Dosen erhalten hatte als bestellt wurden. Der mRNA-Impfstoff von BioNTech/Pfizer enthält sechs Dosen. Er muss innerhalb von 120 Stunden verbraucht werden. Beim Vakzin von AstraZeneca sind zehn Dosen in einem Behältnis, die nach der Öffnung zügig verimpft werden müssen.

Zu bedenken ist der Abstand zwischen Erst- und Folgeimpfung. Er beträgt bei dem Impfstoff von BioNTech/Pfizer sechs Wochen und bei dem von AstraZeneca zwölf Wochen. Planen Sie die Folgeimpfungen möglichst frühzeitig ein, sodass ausreichend Kapazitäten zur Verfügung stehen. Wenn Sie eine digitale Terminvergabe nutzen, ist diese Funktion oft schon automatisch integriert. Das Deutsche Institut für Fachärztliche Versorgungsforschung (DIFA) stellt allen Arztpraxen eine Impfanwendung zur Verfügung. Sie hilft die Impfabläufe zu vereinfachen und die Verweildauer in der Praxis zu verkürzen. Auch die Möglichkeit zur Meldung von Nebenwirkungen ist integriert.

Die Corona-Impfung abrechnen

Zu den wichtigen Fragen rund um die Covid-19-Impfung gehört auch die nach den Abrechnung. Praxen erhalten pro Impfung 20 Euro, bei ausschließlicher Impfberatung 10 Euro, beim Hausbesuch 35 Euro plus Impfung. Für die Erstellung eines Priorisierungszeugnisses gibt es 5 Euro plus 90 Cent Porto. Für Erst- und Zweitimpfung zusammen also insgesamt mindestens 40 Euro.

Pro Impfstoff gibt es eine Pseudoziffer, 88331 für BioNTech/Pfizer, 88332 für Moderna (der aber nur in Impfzentren verarbeitet wird) und 88333 für AstraZeneca. Diese Pseudoziffern werden jeweils um Buchstaben (Suffixe) für die Impfindikation ergänzt, wobei der erste Buchstabe für die Erst-Impfung und der zweite Buchstabe für die Zweit-Impfung steht: A/B = Indikation „Allgemein, V/W = Indikation „Beruf“. G/H = Indikation „Pflegeheimbewohner/in“. Die Impfung wird mit ICD-10-Code U11.9 kodiert, auch Nicht-GKV Versicherte werden über die KV abgerechnet.

Angesichts der voraussichtlich weiter steigenden Zahl an Impfungen in den Arztpraxen fordert der VmF, dass die notwendigen zusätzlichen personellen und zeitlichen Ressourcen in Abhängigkeit von der räumlichen Situation für Impfungen geplant, gesichert und entsprechend honoriert werden. „Nur so können die MFA ihre zentralen Aufgaben in der ambulanten Versorgung der Versicherten und in der verstärkten Impf- und Teststrategie übernehmen“, sagt VmF-Präsidentin König.

Magazin für MFA

Dieser Beitrag ist in Ausgabe 02/2021 von "info praxisteam" erschienen. Die gesamte Ausgabe können Sie kostenlos als ePaper lesen.

Zur aktuellen Ausgabe

info praxisteam - Ausgabe 02/2021

Die gesamte Zeit der Corona-Pandemie war ein einziger Stresstest für MFA – vor allem in den Hausarztpraxen. Weitere Themen: Neuerungen beim DMP Diabetes Typ1, Start der elektronischen Patientenakte (ePA)

Mehr erfahren

Newsletter für Medizinische Fachangestellte

Keine Ausgabe von "info praxisteam" verpassen

Melden Sie sich jetzt für den kostenlosen Newsletter an. Wir informieren Sie zu Themen aus Praxisführung, Organisation und Medizin. 

Newsletter info praxisteam (Symbolbild)

Kontakt zur AOK

Ansprechpartner finden

Finden Sie schnell und einfach Ihren Ansprechpartner passend zum Thema.

Zur Ansprechpartnersuche

Kontakt aufnehmen

Sie haben Fragen und Hinweise? Die Experten der AOK helfen Ihnen gern weiter.

Zu den Kontaktangeboten