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Krankenhaus Rating Report 2024: Wirtschaftliche Lage wird sich mittelfristig verbessern

Kliniken dürften von der Umsetzung des Krankenhausreform profitieren.

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Foto: Person zeigt mit Stuft auf Tabelle
iStock.com/Chainarong-Prasertthai

Pandemiefolgen wirken nach

Die wirtschaftliche Lage der deutschen Kliniken hat sich im Jahr 2022 leicht verschlechtert. Das teilte das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung anlässlich der Veröffentlichung seines aktuellen Krankenhaus Rating Reports mit. Demnach lagen zirka zehn Prozent der Häuser „roten Bereich“ mit erhöhter Insolvenzgefahr; fast 20 Prozent befanden sich im „gelben“ und 70 Prozent im „grünen Bereich“. Ein knappes Drittel der Kliniken habe auf Konzernebene einen Jahresverlust geschrieben. Maßgeblich war wie bereits im Jahr davor der Rückgang der Ausgleichszahlungen im Rahmen der Covid-19-Pandemie bei einem anhaltend niedrigem Leistungsniveau der Krankenhäuser. Für die Zukunft gehen die Autoren zwar von sinkender Inflation bei den Sachkosten aus, bei den Lohnkosten würden die Kostensteigerungen aufgrund des Fachkräftemangels jedoch hoch bleiben. Dabei werden die Fallzahlen trotz der derzeit beobachteten geringfügigen Steigerung mittelfristig sinken. Diese sind 2023 um etwa 2,3 Prozent gestiegen. Schon 2022 hatten sie etwa 0,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahres gelegen, nachdem sie 2020 aufgrund der COVID-19-Pandemie stark gesunken waren (minus 13,5 Prozent). Auch im zweiten Pandemiejahr 2021 waren die Fallzahlen leicht zurückgegangen (minus 0,3 Prozent).

Bessere Aussichten durch Reformen

Mit der Umsetzung der Krankenhausreform, wie sie in der Fassung des Krankenhausversorgungs-Verbesserungsgesetzes (KHVVG) Ende April vorgesehen war, sollte sich die finanzielle Lage der Kliniken verbessern, so die Prognose der Autoren. Ursache dafür seien diverse Zuschläge und umfangreiche Investitionsmittel aus dem Transformationsfonds. Falls damit eine Optimierung der Versorgungsstrukturen angestoßen werde, dürfte sich auch die Wirtschaftlichkeit der Kliniken verbessern. Das RWI schätzt für dieses Szenario, dass drei von vier Kliniken im Jahr 2030 wieder schwarze Zahlen schreiben. Voraussetzung sei eine Zentralisierung von Leistungen durch die Zusammenlegung von Standorten und die Bildung von Schwerpunkten durch die Bündelung von Leistungsgruppen. Ohne die im Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) geplanten Maßnahmen dürfte der Anteil an Krankenhäusern im roten Rating-Bereich von zuletzt 14 Prozent (2023) bis 2030 auf 48 Prozent steigen. Eine Untersuchung von 47 Insolvenzverfahren im Zeitraum von Juni 2022 bis März 2024 zeigt, dass diese vorwiegend kleinere Häuser betreffen. Zwei Drittel dieser Insolvenzen entfielen auf Standorte in freigemeinnütziger Trägerschaft, etwa ein Viertel auf öffentlich-rechtliche Träger, nur wenige auf Private. Von den allen 47 betroffenen Standorten wurden bislang sieben geschlossen.

Ostdeutsche Kliniken verlieren Substanz

Anteil an der Lage haben der Publikation zufolge auch die niedrigen Investitionsfördermittel der Länder. Diese lagen im Jahr 2022 mit 3,55 Milliarden Euro zwar rund acht Prozent höher als im Jahr davor - die Länder beteiligten sich demnach im Umfang von 3,4 Prozent an den gesamten Krankenhauserlösen - um die Substanz der Unternehmen zu erhalten und weiterzuentwickeln, müsste ihr Beitrag jedoch doppelt so hoch sein. In der Folge komme es zu einem Substanzverzehr, der sich am deutlichsten bei den ostdeutschen Häusern abzeichnete. Von einer sehr guten Unternehmenssubstanz kommend, näherten sie sich zunehmend dem niedrigen Niveau der westdeutschen Krankenhäuser an. Hintergrund ist, dass die Kliniken ihre Investitionsmittel teilweise selbst aufbringen müssen.

Andere Muster der Krankenhausfinanzierung erweisen sich dagegen als stabil: Das Rating fällt in den ostdeutschen Bundesländern insgesamt besser aus, am schlechtesten dagegen in Bayern und Baden-Württemberg. Auch schneiden Kliniken in freigemeinnütziger und privater Trägerschaft bei Rating und Ertragslage signifikant besser ab als öffentlich-rechtliche Häuser. Vergleichsweise oder gute Rating-Ergebnisse hatten größere Kliniken, Häuser in Klinikketten, Krankenhäuser mit einem mittleren und hohen Spezialisierungsgrad sowie Einrichtungen mit einem hohen Casemix-Index.

Ergebnisse unter Vorbehalt

Datengrundlage des „Krankenhaus Rating Report 2024“ ist eine Stichprobe von 488 Jahresabschlüssen von Krankenhäusern aus dem Jahr 2021 und 489 aus dem Jahr 2022. Sie umfasst insgesamt 921 Krankenhäuser. Für das Jahr 2022 haben die Autoren teilweise mit Hochrechnungen gearbeitet, die entsprechenden Zahlen dürften bis zum nächsten Jahr noch aktualisiert werden wird. Für das Jahr 2023 lagen noch nicht genug Jahresabschlüsse Zahl vor. Der Krankenhaus Rating Report wird gemeinsam vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und der Institute for Healthcare Business GmbH (hcb) in Kooperation mit der Bank im Bistum Essen (BIB) erstellt.