Expertenforum - Werkstudent mit unbefristeter Beschäftigung

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Expertenforum

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  • 01
    Werkstudent mit unbefristeter Beschäftigung

    Guten Tag,

    wie ist unser Werkstudent in der SV zu schlüsseln?

    - Beschäftigung vom 22.08.2022 bis 28.02.2023 --> über 6 Monate

    - Gleitzone berücksichtigen wir mit den aktuellen wechselnden Grenzen

    - max. Arbeitszeit 20 Std./Woche: dürfen diese Stunden aufgrund eines Gleitzeitrahmens in der einen Woche auch 30 Std./Woche sein? Und in der nächsten Woche 10 Std./Woche? Ist es ausreichend, wenn eine durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit am Ende der Beschäftigung 20 Std./Woche nicht überschreitet, dass es bei der Versicherungsfreiheit f. KV/PV/AV bleibt?

    - der Student hat vom 22.08.22 bis 30.09.22 Semesterferien. Ist es richtig, dass er hier unbegrenzt von der Std.-Anzahl/Woche arbeiten darf? Sprich z.B. 38 Std./Woche in Vollzeit beschäftigt werden? Auch mit einem höheren Verdienst und der SV-Freiheit (bis auf RV)? Oder könnte er in dieser Zeit Stunden Aufbauen und ab 01.10.22 trotzdem mit 20 Wochenstd. weiterarbeiten?

    Gerne bin ich Ihnen für eine detaillierte Auskunft dankbar. Noch lieber wäre mir ein persönliches Gespräch.

    Recht herzlichen Dank!

    Mit freundlichen Grüßen

    HR_Ent02

  • 02
    RE: Werkstudent mit unbefristeter Beschäftigung

    Jetzt habe ich noch vergessen zu erwähnen, dass besagter Werkstudent eine unbefristete Beschäftigung als eigenes Kleingewerbe angemeldet hat. Die wöchentliche Arbeitszeit hat er mit 5 Std./Woche angegeben, mit einem Verdienst von ca. 750,00 € im Monat.

    Mit freundlichen Grüßen

    HR_Ent02

  • 03
    RE: Werkstudent mit unbefristeter Beschäftigung

    Guten Tag,
     
    Voraussetzung für die Anwendung der Vorschriften über die Versicherungsfreiheit der von Studenten ausgeübten Beschäftigungen im Rahmen des „Werkstudentenprivilegs“ ist zunächst die Zugehörigkeit zum Personenkreis der ordentlichen Studierenden. Zu den ordentlichen Studierenden gehören diejenigen, die an einer Hochschule oder einer der fachlichen Ausbildung dienenden Schule eingeschrieben sind. Der Nachweis wird durch die Immatrikulationsbescheinigung erbracht.
     
    Ordentliche Studierende sind in einer neben dem Studium ausgeübten Beschäftigung, unabhängig von der Höhe des Arbeitsentgelts, im Rahmen des sog. Werkstudentenprivilegs kranken-, pflege- und arbeitslosenversicherungsfrei, wenn das Studium im Vordergrund steht, also Zeit und Arbeitskraft des Studenten überwiegend durch das Studium in Anspruch genommen werden. Davon ist nach der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts (BSG) immer dann auszugehen, wenn die Beschäftigungszeit 20 Stunden in der Woche nicht überschreitet.
     
    Die Dauer der wöchentlichen Arbeitszeit ist allerdings dann kein allein entscheidungsrelevantes Kriterium für die versicherungsrechtliche Beurteilung, wenn sie im Einzelfall so liegt, dass sie sich den Erfordernissen des Studiums anpasst und unterordnet. Dementsprechend kann bei Beschäftigungen am Wochenende sowie in den Abend- und Nachtstunden Versicherungsfreiheit aufgrund des Werkstudentenprivilegs auch bei einer Wochenarbeitszeit von mehr als 20 Stunden in Betracht kommen, vorausgesetzt, dass Zeit und Arbeitskraft des Studenten überwiegend durch das Studium in Anspruch genommen werden.

    Vom Erscheinungsbild eines Studenten ist jedoch nicht mehr auszugehen, wenn eine derartige Beschäftigung mit einer Wochenarbeitszeit von mehr als 20 Stunden ohne zeitliche Befristung ausgeübt wird oder auf einen Zeitraum von mehr als 26 Wochen befristet ist; in diesen Fällen tritt die Zugehörigkeit zum Kreis der Beschäftigten in den Vordergrund. Dies gilt auch in den Fällen, in denen nur ein geringfügiges Überschreiten vorliegt.
     
    Wird eine Beschäftigung mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von nicht mehr als 20 Stunden lediglich in der vorlesungsfreien Zeit (Semesterferien) auf mehr als 20 Stunden ausgeweitet, so bleibt auch für diese Zeit das studentische Erscheinungsbild erhalten, sodass grundsätzlich Versicherungsfreiheit aufgrund des Werkstudentenprivilegs anzunehmen ist. Allerdings ist auch hier entscheidend, dass der Studierende im Laufe eines Zeitjahres (von dem voraussichtlichen Ende der zu beurteilenden Beschäftigung ein Jahr zurückgerechnet) nicht mehr als 26 Wochen/182 Kalendertage mit mehr als 20 Stunden in der Woche beschäftigt war.
     
    Bei der 20-Stunden-Grenze handelt es sich um eine feste Grenze, von der nicht aufgrund individueller Regelungen zur regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit im Betrieb oder einer Branche abgewichen werden kann. Eine Durchschnittsbetrachtung ist nicht möglich. Sobald die wöchentliche Arbeitszeit über 20 Stunden liegt, ist eine Werkstudententätigkeit nicht mehr möglich.
     
    Bei Studenten, die mehrere Beschäftigungen nebeneinander oder eine Beschäftigung neben einer „selbstständigen Tätigkeit“ ausüben, sind zur Prüfung der Frage, ob die 20-Wochenstunden-Grenze erreicht oder überschritten wird, die wöchentlichen Arbeitszeiten der nebeneinander ausgeübten Beschäftigungen oder der Beschäftigung und der daneben ausgeübten „selbstständigen Tätigkeit“ zusammenzurechnen. Ergibt die Zusammenrechnung, dass die wöchentliche Arbeitszeit insgesamt mehr als 20 Stunden beträgt, ist nicht mehr vom Erscheinungsbild eines ordentlichen Studenten auszugehen.
     
    In Ihrem Sachverhalt sind also die Stunden, die der Student für sein Kleingewerbe aufbringt, mit zu berücksichtigen. Arbeitet er bei Ihnen 20 Stunden und arbeitet zusätzlich noch für sein Kleingewerbe, ist eine Werkstudententätigkeit nicht möglich und es handelt sich um ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis.
     
    Für ein persönliches Gespräch wenden Sie sich bitte direkt an die zuständige Krankenkasse des Studenten.
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam

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