Expertenforum - Werksstudentenstatus

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Expertenforum

Experten antworten auf Ihre Fragen zur Sozialversicherung

Fragen Sie Experten zu allen Aspekten der Sozialversicherung – im Expertenforum der AOK. An Werktagen bekommen Sie innerhalb von 24 Stunden eine Antwort.

Darüber hinaus können Sie sich im Expertenforum mit anderen Nutzern zu persönlichen Erfahrungen im Umgang mit der Sozialversicherung austauschen.

Fragen zum Jahreswechsel

Zum Jahresbeginn 2021 und auch schon im Herbst 2020 stehen wieder zahlreiche Neuerungen in der Sozialversicherung auf dem Programm. Darüber informieren wir bereits ab September in einem Themenspezial. Für Fragen zu den einzelnen Themen haben wir ein spezielles Expertenforum Jahreswechsel eingerichtet.

  • 01
    Werksstudentenstatus
    Hallo liebes Expertenteam,
    ich habe zu der Abrechnung als Werksstudent zwei Fragen:
    1. Grundsätzlich dürfen Studenten, die als Werksstudent sozialversicherungsrechtlich abgerechnet werden, die 20 Stunden wöchentlich nicht überschreiten. Wie sieht es jedoch bei Studenten aus, die als Lehrkraft beschäftigt sind? Muss hier bei der sozialversicherungsrechtlichen Beurteilung eine Hochrechnung auf die vergleichsweise 39 Stunden Woche durchgeführt werden? Beispiel: die Beschäftigungszeit beträgt 18 von 24 Stunden. Das entspricht einer 75% Teilzeitbeschäftigung. Bei einer Umrechnung auf die 39 Stunden-Woche, würde sich eine wöchentliche Beschäftigungszeit von 29,25 Stunden ergeben.
    Welche Stundenzahl muss ich bei der SV-rechtlichen Beurteilung eines Studenten heranziehen?
    2. Wir haben in letzter Zeit immer häufiger Anfragen von Studenten, die als Werksstudent abgerechnet werden und das 30 Lebensjahr überschritten haben.
    Da sie sich freiwillig versichern müssen, würden sie sich finanziell besser stellen, wenn sie bei uns voll sv-pflichtig abgerechnet werden. Ist dies möglich?
    Für eine Antwort bedanke ich mich.
    Mit freundlichen Grüßen
    Silke Brinkmann
  • 02
    RE: Werksstudentenstatus
    Sehr geehrte Frau Brinkmann,

    nach § 6 Abs. 1 Nr. 3 SGB V sind Personen, die während der Dauer ihres Studiums als ordentliche Studierende einer Hochschule gegen Arbeitsentgelt beschäftigt sind, als Arbeitnehmer krankenversicherungsfrei (Werkstudentenprivileg). Entsprechendes gilt für die soziale Pflegeversicherung. Auch in der Arbeitslosenversicherung sind Personen, die während ihres Studiums als ordentliche Studierende einer Hochschule oder einer der fachlichen Ausbildung dienenden Schule eine Beschäftigung ausüben, versicherungsfrei. Das Werkstudentenprivileg besteht in der Rentenversicherung nicht.

    Voraussetzung für die Anwendung der Vorschriften über die Versicherungsfreiheit der von Studenten ausgeübten Beschäftigungen ist zunächst die Zugehörigkeit zum Personenkreis der ordentlichen Studierenden. Dies setzt voraus, dass eine wissenschaftliche Ausbildung in einem geordneten Studien- oder Ausbildungsgang erfolgt und der Student sich einer mit dem Studium in Verbindung stehenden oder darauf aufbauenden Ausbildungsregelung unterwirft.

    Für die versicherungsrechtliche Beurteilung von Werkstudenten ist in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung entscheidend, ob Zeit und Arbeitskraft überwiegend durch das Studium in Anspruch genommen werden (Beschäftigungen mit bis zu 20 Stunden in der Woche). Daraus ergibt sich, dass der Student in der Beschäftigung in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung grundsätzlich versicherungsfrei ist, solange er wöchentlich nicht mehr als 20 Stunden arbeitet.

    Wenn der Student in der vorlesungsfreien Zeit mehr als 20 Stunden arbeitet, ist davon auszugehen, dass weiterhin seine Zeit und Arbeitskraft durch das Studium in Anspruch genommen wird. Zusätzlich ist entscheidend, ob der Student im Laufe eines Zeitjahres (gerechnet von dem voraussichtlichen Ende der zu beurteilenden Beschäftigung ein Jahr zurück gerechnet) nicht mehr als 26 Wochen (182 Kalendertage) mit mehr als 20 Stunden in der Woche beschäftigt war. Dann bleibt es in der vorlesungsfreien Zeit bei Überschreitung der 20-Stunden-Grenze auch bei der Versicherungsfreiheit.

    Vom Erscheinungsbild eines Studenten ist jedoch nicht mehr auszugehen, wenn eine derartige Beschäftigung mit einer Wochenarbeitszeit von mehr als 20 Stunden ohne zeitliche Befristung ausgeübt wird oder auf einen Zeitraum von mehr als 26 Wochen befristet ist; in diesen Fällen tritt die Zugehörigkeit zum Kreis der Beschäftigten in den Vordergrund.

    Die 20 Stunden-Grenze ist eine starre Grenze und unabhängig vom Studiengang. Sobald der Student in Ihrem Sachverhalt eine Tätigkeit über 20 Stunden die Woche ausübt, ist nicht mehr vom Erscheinungsbild eines Studenten auszugehen und es entsteht eine Versicherungspflicht zu allen Zweigen der Sozialversicherung.

    Für Studenten besteht die Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung nach § 5 Absatz 1 Nr. 9 SGB V längstens bis zur Vollendung des 30. Lebensjahres. Wird nun eine Beschäftigung mit einem monatlichen Entgelt von über 450 EUR ausgeübt und liegt keine kurzfristige Beschäftigung vor, tritt Versicherungspflicht zu  allen Zweigen der Sozialversicherung ein.

    Eine Versicherungspflicht ist immer vorrangig vor einer freiwilligen Versicherung.

    Mit freundlichen Grüßen

    Ihr Expertenteam
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