Expertenforum - Verbeitragung von Einmalzahlungen durch Korrekturabrechnungen

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  • 01
    Verbeitragung von Einmalzahlungen durch Korrekturabrechnungen

    Guten Tag,

    wir haben Fragen in Sachen Verbeitragung und Einmalzahlungen bei Korrekturabrechnungen und Krankheit.


    Folgender Sachverhalt:


    Mitarbeiterin war 2020 komplett krank und hat am 25.01.2021 die Arbeit wieder aufgenommen.


    Mit der Abrechnung Januar 2021 hat sie ein anteiliges Gehalt von 580,-- € erhalten. Mit der Abrechnung Februar 2021 hat sie dann ihr volles Gehalt von 2.500,-- € bekommen sowie eine Einmalzahlung in Höhe von 1.500,-- €. Weiterhin wurde im Februar 2021 die Januarabrechnung 2021 mit einer Einmalzahlung in Höhe von 2.000,-- korrigiert.


    Wie ist im Fall der Korrektur der Abrechnung 01-2021 und der AR 02-2021 die Verbeitragung? Wie hoch sind die Bemessungsgrundlagen der SV je Monat? Welcher Betrag ist von den Einmalzahlungen zu verbeitragen?


    Besten Dank für die Unterstützung.

  • 02
    RE: Verbeitragung von Einmalzahlungen durch Korrekturabrechnungen

    Guten Tag,
     
    im Gegensatz zum laufendem Arbeitsentgelt (Lohn, Gehalt) sind bei Einmalzahlungen die besonderen Regelungen des § 23a SGB IV zu berücksichtigen.
     
    Die zeitliche Zuordnung ist hier von wesentlicher Bedeutung. Werden Einmalzahlungen während eines laufenden Beschäftigungsverhältnisses
    gezahlt, sind diese dem Auszahlungsmonat zuzuordnen. Beitragspflichtig sind diese bis zur anteiligen Beitragsbemessungsgrenze des laufenden Jahres bis zum Ende des Zuordnungsmonats.
     
    Zu Ihrer Frage unterstellen wir zunächst die Auszahlung beider Einmalzahlungen im Monat Februar 2021. Im Ergebnis sind beide Zahlungen von insgesamt 3.500 EUR dem Beitragsmonat Februar 2021 zuzuordnen.
     
    Zuerst ist für die Beitragsberechnung die anteilige Bemessungsgrenze zu bestimmen. Berücksichtigt wird hier der Zeitraum vom 25.01.2021 bis 28.02.2021. Es ergibt sich für die Krankenversicherung 5.966,25 EUR und für die Renten- und Arbeitslosenversicherung 8.756,66 EUR.
     
    Zur Berechnung sind hier dann die beitragspflichtigen laufenden Arbeitsentgelte ( hier 3.080 EUR) abzuziehen. Es bleiben für die Krankenversicherung 2.886,25 EUR und die Renten- und Arbeitslosenversicherung 5.676,66 EUR zu berücksichtigen.
     
    Werden Einmalzahlungen im ersten Quartal eines Jahres gezahlt, sind diese dem Vorjahr zuzuordnen, sofern die Einmalzahlung zusammen
    mit dem beitragspflichtigen Entgelt eine anteiligen Beitragsbemessungsgrenze überschreitet (Märzklausel). Die Beurteilung der Anwendung
    der Märzklausel wird immer einheitlich für alle Versicherungszweige getroffen.
     
    Da im vorliegenden Fall die anteilige Beitragsbemessungsgrenzen der Krankenversicherung überschritten wird, findet die Märzklausel Anwendung, mit der Folge der Zuordnung zum Vorjahr 2020. Aufgrund der kompletten Arbeitsunfähigkeit (Krankengeldbezug unterstellt) im Jahre 2020 bestehen hier keine beitragspflichtigen Tage, die zu Bildung der anteiligen Beitragsbemessungsgrenze herangezogen werden können. Im Ergebnis sind daher von der Einmalzahlung kein Sozialversicherungsbeiträge zu berechnen.
     
    Unterstellt die Einmalzahlung von 2.000 EUR wäre im Januar 2021 gezahlt worden, ist der Zuordnungsmonat der Januar 2021. Analog der obigen Ausführungen ist hier auch die Märzklausel anzuwenden. Es fallen hier ebenfalls keine Sozialversicherungsbeiträge an.
     
    Die Einmalzahlung aus Februar 2021 (1.500 EUR) ist hiervon getrennt zu beurteilen. Berücksichtigt wird hier der Zuordnungsmonat Februar 2021. Hier werden zusammen mit dem laufenden Entgelt die anteiligen Beitragsbemessungsgrenzen nicht überschritten, sodass hier der gesamte Zahlbetrag der Beitragspflicht unterliegt.
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam
     

  • 03
    RE: Verbeitragung von Einmalzahlungen durch Korrekturabrechnungen

    Guten Tag,

    vielen Dank für die Antwort.


    Bei der Korrekturabrechnung wird die damalige Entgeltabrechnung so korrigiert, als ob die Einmalzahlung bereits von Anfang an richtig geflossen wäre.


    Bedeutet nach Ihren Ausführungen, dass die Nachzahlung der Einmalzahlung per Korrekturabrechnung auf Januar in Höhe von 1.500,-- beitragsfrei wäre. Die Auszahlung der Einmalzahlung Februar in Höhe von 2.000,-- mit der Entgeltabrechnung Februar dann voll zu verbeitragen ist.


    Wäre die Umsetzung so richtig?


    Besten Dank für die Rückmeldung.




     

  • 04
    RE: Verbeitragung von Einmalzahlungen durch Korrekturabrechnungen

    Sorry - Beträge vertauscht. Januar 2021 = 2.000,-- und Februar 2021 = 1.500,-- Einmalzahlung

  • 05
    RE: Verbeitragung von Einmalzahlungen durch Korrekturabrechnungen

    Guten Tag,
     
    unter Hinweis auf die bisherigen Ausführungen ist die von Ihnen geschilderte beitragsrechtliche Beurteilung
    korrekt, sofern die tatsächliche Zahlung des Einmalbezuges von 2.000 EUR auch im Januar 2021 erfolgte.
     
    Lediglich die nachträgliche Korrektur der Entgeltabrechnung für Januar 2021 aufgrund einer späteren Nachzahlung für
    diesen Zeitraum führt nicht zu einer Zuordnung zu diesem Abrechnungszeitraum. Maßgeblich für die beitragsrechtliche Beurteilung
    ist immer der Monat der Zahlung. Sollten also die 2.000 EUR im Februar 2021 (nach-)gezahlt worden sein, wäre der Zuordnungsmonat
    Februar 2021 zu berücksichtigen.
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam

  • 06
    RE: Verbeitragung von Einmalzahlungen durch Korrekturabrechnungen

    Guten Tag,


    besten Dank für die Antwort.


    Bedeutet dann, dass trotz Korrekturabrechnung auf Januar 2021 im Februar 2021 und der Nachzahlung von 2.000,-- Einmalzahlung, diese zusammen mit der Einmalzahlung Februar von 1.500,-- den Zuordnungsmonat Februar zufließen. Entgelt Februar 2.500,-- + 3.500,-- Einmalzahlung > BBG KV. Märzklausel, da im VJ komplett krank = keine restl. BBG. Somit wären beide Einmalzahlungen ohne SV-Beiträge auszuzahlen.


    Ist dies so richtig?

  • 07
    RE: Verbeitragung von Einmalzahlungen durch Korrekturabrechnungen

    Guten Tag,
     
    Ihre Schlussfolgerung ist hier richtig und entspricht in der Begründung der ersten Variante unserer ursprünglichen Antwort.
     
    Von den Einmalzahlungen sind in dieser Konstellation keine Sozialversicherungsbeiträge zu  berechnen.
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam         
     

  • 08
    RE: Verbeitragung von Einmalzahlungen durch Korrekturabrechnungen

    Guten Morgen,


    Danke für Antwort. Leider muss ich nochmals weiter nachfragen.


    Wir haben aktuell eine Prüfung der Rentenversicherung. Unser Abrechnungsprogramm hat genauso die Verbeitragung vorgenommen - beide Einmalzahlungen waren SV-frei.


    Lt. Prüferin wird aber jeder Monat für sich betrachtet und wie beschrieben so gestellt, als ob die Einmalzahlung von Beginn an richtig geflossen wäre. Im Ergebnis müssen wir Beiträge für die Einmalzahlung Februar nachzahlen, da die Einmalzahlung und das Gehalt noch innerhalb der BBG Februar liegen.


    Wir haben dazu auch das Internet befragt und sind auf folgenden Artikel bei Haufe gestoßen.

    www.haufe.de/personal/haufe-personal-office-platin/praxis-beispiele-einmalzahlungen-11-rueckwirkende-korrektur_idesk_PI42323_HI1629318.html


    Da wir den Monat Januar korrigiert haben, sind beide Monate für sich zu betrachten. Der Argumentation der Prüferin konnten wir folgen und haben daher die Beiträge nachgezahlt.


    Was ist denn hier nun der richtige Weg und gibt es gesetzliche Verfahrensanweisungen dafür? z. Bsp. Rundschreiben der Spitzenverbände SV etc.


    Besten Dank.

  • 09
    RE: Verbeitragung von Einmalzahlungen durch Korrekturabrechnungen

    Guten Tag,
     
    nach der gesetzlichen Regelung ist das einmalig gezahlte Arbeitsentgelt für die Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge grundsätzlich
    dem Entgeltabrechnungszeitraum zuzuordnen, in dem es ausgezahlt wird. Auf den Zeitpunkt der Fälligkeit des einmalig gezahlten Arbeitsentgelts kommt es nicht an. Aus Vereinfachungsgründen kann das einmalig gezahlte Arbeitsentgelt beitragsrechtlich ausnahmsweise auch dem vorhergehenden Entgeltabrechnungszeitraum zugeordnet werden, wenn dieser Entgeltabrechnungszeitraum im Zeitpunkt der Auszahlung des einmalig gezahlten Arbeitsentgelts noch nicht abgerechnet ist.
     
    Nachzahlungen von einmalig gezahltem Arbeitsentgelt sind jeweils als separate Gewährung von einmalig gezahltem Arbeitsentgelt zu bewerten. Dies bedeutet, dass sich die Zuordnung solcher Nachzahlungen nach dem Zeitpunkt ihrer Auszahlung beurteilt. Der Grund der Nachzahlung ist hierbei unerheblich.
     
    Diese Verfahrensweise ergibt sich aus dem gemeinsamen Rundschreiben zum Haushaltsbegleitgesetz 1984, Titel A - Einmalig gezahltes Arbeitsentgelt vom 18.11.1983.
     
    Wir empfehlen Ihnen, die Angelegenheit mit dem betreffenden Prüfdienst zu erörtern.
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam
     

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