Expertenforum - Student zeitweise mehrfachbeschäftigt

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Expertenforum

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  • 01
    Student zeitweise mehrfachbeschäftigt

    Student (z. Zeit noch bei den Eltern privat versichert)arbeitet seit 01.01.22 regelmäßig nicht mehr als 20 Std. wöchentlich in einem Angestelltenverhältnis (Arbeitgeber A). Der monatliche Bruttoarbeitslohn aus diesem Arbeitsverhältnis mit Arbeitgeber A übersteigt die Geringfügigkeitsgrenze.

    Dieses Arbeitsverhältnis mit Arbeitgeber A endet zum 30.06.2022

    Bereits am 14.06.2022 trat er ein zweites Arbeitsverhältnis mit Arbeitgeber B (wöchentlich 15 Std. an.

    Der monatliche Bruttoarbeitslohn aus dem zweiten Arbeitsverhältnis mit Arbeitgeber B übersteigt die Geringfügigkeitsgrenze. Nach Austritt aus dem Arbeitsverhältnis mit Arbeitgeber A am 30.06.2022 arbeitet er wöchentlich bei Arbeitgeber B mit 30 Std.

    Voraussichtlich am 20.08.2022 endet auch das Arbeitsverhältnis mit Arbeitgeber B.

    Der Student führt sein Studium im Rahmen eines Auslandsstudium in den USA von Ende August bis 31.12.20 fort.

    Ab 01.01.23 kehrt er nach Deutschland zurück und arbeitet in einer sozialversicherungspflichtigen

    Beschäftigung .

    Frage: Beginnt Sozialversicherungspflicht ab 14.06. (Mehrfachbeschäftigung) und dauert diese bis Ende August an?

     

  • 02
    RE: Student zeitweise mehrfachbeschäftigt

    Hallo Rebus fiduciae,

    Voraussetzung für die Versicherungsfreiheit eines Studenten ist, ob dieser für die Anwendung der Vorschriften über die Versicherungsfreiheit der von Studenten ausgeübten Beschäftigungen zum Personenkreis der ordentlichen Studierenden gehört.

    Hierunter fallen diejenigen Studenten, die an einer Hochschule oder einer der fachlichen Ausbildung dienenden Schule immatrikuliert sind und deren Zeit und Arbeitskraft überwiegend durch das Studium in Anspruch genommen wird.
     
    Hat der Studierende die von der Hochschule für den jeweiligen Studiengang nach den maßgebenden Prüfungsbestimmungen vorgesehene letzte Prüfungsleistung (z. B. Ablegen des Staatsexamens) bereits erbracht, so wird die Hochschulausbildung im Sinne der Anwendung des Werkstudentenprivilegs nicht mit dieser letzten Prüfungsleistung, sondern mit Ablauf des Monats, in dem der Studierende vom Gesamtergebnis der Prüfungsleistung offiziell schriftlich unterrichtet worden ist, als beendet angesehen.
     
    Sofern nach den vorgenannten Regelungen bei der betroffenen Person der „Studentenstaus“ noch gegeben ist, gilt grundsätzlich folgendes:
     
    Werden mehrere Beschäftigungen nebeneinander ausgeübt, ist zunächst zu prüfen, ob der Mitarbeiter seinem Erscheinungsbild nach als „ordentlicher Studierender“ oder als „Arbeitnehmer“ anzusehen ist. 
     
    Beträgt die wöchentliche Arbeitszeit nicht mehr als 20 Stunden, besteht Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherungsfreiheit, unabhängig davon, ob es sich um eine oder mehrere befristete oder unbefristete Beschäftigung(en) handelt; die Höhe des Arbeitsentgelts ist für die Annahme der Versicherungsfreiheit ohne Bedeutung.

    Die wöchentlichen Arbeitszeiten von nebeneinander ausgeübten Beschäftigungen sind zusammenzurechnen. Ergibt die Zusammenrechnung, dass die wöchentlichen Arbeitszeiten insgesamt mehr als 20 Stunden betragen, ist nicht mehr vom Erscheinungsbild eines ordentlichen Studierenden auszugehen. Bei nebeneinander ausgeübten Beschäftigungen ist in einem weiteren Schritt zu prüfen, ob bei einer oder mehreren Beschäftigung(en) gegebenenfalls die Merkmale einer geringfügigen Beschäftigung (geringfügig entlohnt oder kurzfristig) vorliegen.

    Vom Erscheinungsbild eines Studenten ist dann nicht mehr auszugehen, wenn eine derartige Beschäftigung mit einer Wochenarbeitszeit von mehr als 20 Stunden ohne zeitliche Befristung ausgeübt wird oder auf einen Zeitraum von mehr als 26 Wochen befristet ist; in diesen Fällen tritt die Zugehörigkeit zum Kreis der Beschäftigten in den Vordergrund.

    Die 26-Wochen-Regelung soll eine auf der Grundlage des Werkstudentenprivilegs grundsätzlich einzuräumende Versicherungsfreiheit ausschließen. Voraussetzung für die Anwendung der 26-Wochen-Regelung ist daher, dass trotz Überschreitens der 20-Wochenstunden-Grenze Versicherungsfreiheit aufgrund des Werkstudentenprivilegs dem Grunde nach zunächst einzuräumen wäre, weil das Überschreiten der 20-Stunden-Grenze durch Beschäftigungszeiten am Wochenende oder in den Abend- und Nachtstunden bedingt ist oder in die vorlesungsfreie Zeit (Semesterferien) fällt.

    Ein Überschreiten der 20-Stunden-Grenze unter Fortgeltung des Werkstudentenprivilegs soll jedoch kein Dauerzustand bzw. ein im Jahr überwiegender Zustand sein. Zu diesem Zweck tritt die 26-Wochen-Regelung an. Sie führt im Ergebnis dazu, dass ein Student, der im Laufe eines Jahres (nicht Kalenderjahres) mehrmals eine Beschäftigung mit einer „wöchentlichen Arbeitszeit von mehr als 20 Stunden“ ausübt, vom Erscheinungsbild nicht mehr als ordentlich Studierender, sondern als Beschäftigter anzusehen ist, wenn die „Zusammenrechnung der Beschäftigungszeiten mehr als 26 Wochen“ ergibt.

    Der Jahreszeitraum zur Statusbestimmung ist in der Weise zu ermitteln, dass vom voraussichtlichen Ende der zu beurteilenden Beschäftigung ein Jahr zurückgerechnet wird. Anzurechnen sind „alle Beschäftigungen in diesem Zeitraum“, in denen – „unabhängig von der versicherungsrechtlichen Beurteilung“ – die wöchentliche Arbeitszeit mehr als 20 Stunden beträgt.
    Die Arbeitszeit bei einer Beschäftigung im Rahmen der 20-Wochenstunden-Grenze kann allerdings während der Vorlesungszeit auf über 20 Wochenstunden ausgeweitet werden. Dies setzt jedoch voraus, dass es sich um eine im Voraus befristete Zeit handelt.

    Außerdem darf das Überschreiten der 20-Wochenstunden-Grenze nur durch Beschäftigungszeiten am Wochenende oder in den Abend- und Nachtstunden erfolgen. Dabei dürfen diese Beschäftigungszeiten im Laufe eines Jahres 26 Wochen nicht überschreiten.

    Sofern in dem von Ihnen beschriebenen Sachverhalt nach den oben aufgeführten Regelungen durch Aufnahme der befristeten Beschäftigung vom 14.06. bis 20.08.2022 die Voraussetzungen der Kurzfristigkeit gegeben sein sollten, kann diese sowohl neben der Werksstudentenbeschäftigung (14.06.-30.06.2022) als auch als alleinige Beschäftigung ab 01.07.2022 sozialversicherungsfrei abgerechnet werden.

    Mit freundlichen Grüßen

    Ihr Expertenteam

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