Expertenforum - Sozialversicherungspflicht Student

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Expertenforum

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  • 01
    Sozialversicherungspflicht Student
    Ich möchte mich gerne erkundigen, ob folgender Fall grundsätzlich als Werkstudententätigkeit vom 20.07.2020 bis 31.08.2020 einzustufen ist, oder ob dies sozialversicherungspflichtig abgerechnet werden muss:

    - Immatrikulierter Vollzeitstudent
    - Werkstudent in unserem Unternehmen 19.03.2018 bis 29.02.2020 (regelmäßig max 20 Wochenstunden)
    - 01.03.2020 bis 17.07.2020 Praktikant (Vorgeschriebenes Pflichtpraktikum der Hochschule)
    - Ab 20.07.2020 bis 31.08.2020 Werkstudent (regelmäßig max 20 Wochenstunden, in der vorlesungsfreien Zeit ggf. in Vollzeit)





  • 02
    RE: Sozialversicherungspflicht Student
    Sehr geehrte Frau Ibele,
     
    Voraussetzung für die Anwendung der Vorschriften über die Versicherungsfreiheit der von Studenten ausgeübten Beschäftigungen ist zunächst die Zugehörigkeit zum Personenkreis der ordentlichen Studierenden. Dies setzt voraus, dass eine wissenschaftliche Ausbildung in einem geordneten Studien- oder Ausbildungsgang erfolgt und der Student sich einer mit dem Studium in Verbindung stehenden oder darauf aufbauenden Ausbildungsregelung unterwirft.
     
    Nach § 6 Abs. 1 Nr. 3 SGB V sind Personen, die während der Dauer ihres Studiums als ordentliche Studierende einer Hochschule oder einer der fachlichen Ausbildung dienenden Schule gegen Arbeitsentgelt beschäftigt sind, als Arbeitnehmer krankenversicherungsfrei (Werkstudentenprivileg). Entsprechendes gilt für die soziale Pflegeversicherung. Auch in der Arbeitslosenversicherung sind Personen, die während ihres Studiums als ordentliche Studierende einer Hochschule oder einer der fachlichen Ausbildung dienenden Schule eine Beschäftigung ausüben, versicherungsfrei. Das Werkstudentenprivileg besteht in der Rentenversicherung nicht.
     
    Für die versicherungsrechtliche Beurteilung von Werkstudenten ist in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung entscheidend, ob Zeit und Arbeitskraft überwiegend durch das Studium in Anspruch genommen werden (Beschäftigungen mit bis zu 20 Stunden in der Woche). Daraus ergibt sich, dass der Student in der Beschäftigung in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung grundsätzlich versicherungsfrei ist, solange er wöchentlich nicht mehr als 20 Stunden arbeitet.
     
    Wenn der Student aber in der vorlesungsfreien Zeit mehr als 20 Stunden arbeitet, ist davon auszugehen, dass weiterhin seine Zeit und Arbeitskraft durch das Studium in Anspruch genommen wird. Dies setzt jedoch voraus, dass es sich um eine im Voraus befristete Zeit handelt. Zusätzlich ist entscheidend, ob der Student im Laufe eines Zeitjahres (gerechnet von dem voraussichtlichen Ende der zu beurteilenden Beschäftigung ein Jahr zurück gerechnet) nicht mehr als 26 Wochen (182 Kalendertage) mit mehr als 20 Stunden in der Woche beschäftigt war. Dann bleibt es in der vorlesungsfreien Zeit bei Überschreitung der 20-Stunden-Grenze auch bei der Versicherungsfreiheit. Werden die 26 Wochen allerdings überschritten, entsteht Versicherungspflicht.
     
    Nach Ihrer Sachverhaltsschilderung spricht unser Erachtens nach nichts gegen eine Werkstudententätigkeit vom 20.07.2020 bis 31.08.2020. Die „Unterbrechung“ durch das Praktikum hat keine Auswirkungen auf die Beschäftigung ab dem 20.07.2020.
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam
  • 03
    RE: Sozialversicherungspflicht Student
    Liebes Expertenteam,

    vielen Dank für Ihre Rückmeldung.

    Ist die Zeit des Pflichtpraktikums auch in die 26 Wochen einzuberechnen, oder ist diese Zeit außen vor?

  • 04
    RE: Sozialversicherungspflicht Student

    Sehr geehrte Frau Ibele,

     

    für vorgeschriebene Zwischen-Praktika besteht grundsätzlich Versicherungsfreiheit in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Die Dauer des Praktikums, die wöchentliche Arbeitszeit sowie die Höhe eines gegebenenfalls gezahlten Entgelts spielen dabei keine Rolle. Entscheidend ist, dass der Student weiterhin immatrikuliert ist. Der Grund für die Versicherungsfreiheit liegt darin, dass es sich hierbei in der Regel nicht um ein Beschäftigungsverhältnis im sozialversicherungsrechtlichen Sinne handelt, sondern lediglich um eine Verlagerung der Ausbildung von der Hochschule in den Betrieb.

     

    Die Zeit des sozialversicherungsfreien Pflichtpraktikums wird nicht auf die 26-Wochen-Grenze der Werkstudententätigkeit angerechnet.

     

    Mit freundlichen Grüßen

     

    Ihr Expertenteam

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