Expertenforum - Sonderzulage Arbeitnehmer

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  • 01
    Sonderzulage Arbeitnehmer

    Guten Morgen liebes Expertenteam,

    wir sind ein Handwerksbetrieb und als Anreiz hat unser Chef für unsere Monteure bei guter Arbeit eine Sonderzulage eingführt. Bei einigen Monteuren erfolgt dies monatlich das ganze Jahr, andere erhalten nur unregelmäßig oder zusammenhängend für 6 Monate diese Zulage. Bisher wird diese Prämie als sonstiger Einmalbezug versteuert und verbeitragt. Nachdem sich jetzt nach ca. 2-jähriger Laufzeit herausgestellt hat, dass einzelne Mitarbeiter diese Sonderzu- lage jeden Monat erhalten, stellt sich mir die Frage, ob es schon richtig ist, diese Zulage als sonstige Einmalzahlung zu beurteilen, oder ob es sich nicht schon um einen laufenden Bezug handelt.

    Die Zahlung der Prämie erfolgt aber nur auf der Basis, dass der Chef wohlwollend einzelne Mitarbeiter honoriert, die Prämie wird weder im Arbeitsvertrag noch sonst vertraglich irgendwo festgehalten. Wir sind nicht tarifgebunden, orientieren uns nur am Bautarif.


    Mit freundlichen Grüßen

    Martina L.

  • 02
    RE: Sonderzulage Arbeitnehmer

    Sehr geehrter Fragesteller,


    für die steuer- und sozialversicherungsrechtliche Einordnung ist (wie von Ihnen schon angedeutet) entscheidend, dass die Zahlungen nicht regelmäßig als vertragliche Arbeitsvergütung erfolgen, sondern auf einer freiwilligen, im Einzelfall vom Arbeitgeber getroffenen Entscheidung beruhen.


    Problematisch sind diese Voraussetzungen im geschilderten Sachverhalt (nur) bei jenen Mitarbeitern, die seit "Jahr und Tag" monatlich den Prämienbetrag jeweils erhalten. Im Streitfall über die Freiwilligkeit und "Einmaligkeit" würde ein Verweis auf die anderen Mitarbeiter (bei denen die Zahlungen unregelmäßig vorgenommen werden) nicht helfen. Betrachtet wird jeweils das einzelne Arbeitsverhältnis.


    In den "problematischen" Arbeitsverhältnissen ist letztlich entscheidend, ob die Zahlungen wirklich in eine regelmäßige Prämierung "kippen". Dies wäre z.B. daran ablesbar, ob auch in Urlaubs- und Krankheitszeiten die Prämien "in üblicher Höhe" ausgezahlt werden oder für diese Zeiten eine entsprechende Kürzung erfolgt. Bei "Durchzahlung" in gleicher Höhe auch für Abwesenheitszeiträume kann die "Einmaligkeit" nicht mehr begründet werden.


    Mit freundlichen Grüßen


    Ihr Fachexperte für Steuerrecht

     

  • 03
    RE: Sonderzulage Arbeitnehmer

    Vielen Dank erstmal für die ausführliche Antwort. Zur Regelmäßigkeit bzw. in Urlaubs- und Krankheitszeiten: Die Prämie wird monatlich mit den entsprechenden Grundlagen zur Erfüllung vom Chef neu berechnet, fällt also bei dem einen Mitarbeiter unterschiedlich aus und wird somit natürlich auch in den Urlaubs- bzw. Krankheitszeiten soweit gekürzt.

    Müsste bei diesem Mitarbeiter dann zukünffig betrachtet überlegt werden, die Sonderzulage als laufende Lohnzulage zu buchen? Was aber für diesen Mitarbeiter wiederum ungerecht den anderen gegenüber wäre! Es soll ja eine "Zugabe" sein.


    Mit freundlichen Grüßen

    Martina L.

  • 04
    RE: Sonderzulage Arbeitnehmer

    Sehr geehrter Fragesteller,


    tatsächlich entfällt bei dauerhaft (also immer wieder über längere Zeit hinweg) freiwillig gezahlten Beträgen der Charakter einer Einmalzahlung, damit auch die lohnsteuerliche Sonderbehandlung. Dies mag als "ungerecht" empfunden werden. Andererseits stellt der Gesetzgeber eindeutig auf das Kriterium der "einmaligen" oder gelegentlichen Zahlung ab. Bei anderer Gestaltung könnten auch große Lohnanteile als "Einmalzahlung" deklariert werden mit der Begründung, man entscheide monatlich neu.


    Lohnsteuerliche Nachteile sind für die "Leistungsträger" nicht zu erwarten, da die freiwilligen Zulagen (bei den Leistungsträgern ebenso wie bei sämtlichen Beschäftigten) unabhängig von der Freiwilligkeit oder vertraglichen Zahlungspflicht gleichermaßen als steuerpflichtiger Arbeitslohn behandelt werden.


    Mit freundlichen Grüßen


    Ihr Fachexperte für Steuerrecht

     

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