Expertenforum - Privat Krankenversicherter aus der Lohnfortzahlung

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Expertenforum

Experten antworten auf Ihre Fragen zur Sozialversicherung

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Fragen zum Jahreswechsel

Zum Jahresbeginn 2021 und auch schon im Herbst 2020 stehen wieder zahlreiche Neuerungen in der Sozialversicherung auf dem Programm. Darüber informieren wir bereits ab September in einem Themenspezial. Für Fragen zu den einzelnen Themen haben wir ein spezielles Expertenforum Jahreswechsel eingerichtet.

  • 01
    Privat Krankenversicherter aus der Lohnfortzahlung
    Sehr geehrte Damen und Herren,

    folgender Problemfall:

    Ein Arbeitnehmer ist im Vormonat wegen Krankheit aus der Lohnfortzahlung gefallen.

    Dieser wird als privat Krankenversicherter (Beitragsgruppenschlüssel 0110) geführt und die abzuführenden SV-Beiträge für
    die Renten- und Arbeitslosenversicherung gehen an eine gesetzliche Krankenkasse.

    Im aktuellen Monat erhält der Arbeitnehmer eine Einmalzahlung (z. B. Bonus-Vorschuss 2.000,00€)
    und die Versteuerung des Firmenwagens in Höhe von 400,00€ kommt zur Anwendung.
    Im Folgemonat ist nur der Firmenwagen zu berücksichtigen.

    Im letzten vollen Gehaltsmonat vor der Krankheit hatte der Mitarbeiter einen Verdienst-Nettogehalt
    von ca. 7.000,00€. Das Krankengeld von der privaten Krankenversicherung ist täglich 85,00€

    Nach meiner Berechnung wäre der Bonus und der Firmenwagen in beiden Monaten RV- und AV frei. Ist das so korrekt?

    Berechnung:
    7.000,00 € Nettoverdienst
    -2.550,00 € Krankengeld
    4.450,00 € SV Freibetrag


    2.400,00 € Einmalzahl. u. PkW
    -4.450,00 € SV Freibetrag
    -2.050,00 € < 50€ = RV und AV frei

    Vielen Dank für Ihre Hilfe
  • 02
    RE: Privat Krankenversicherter aus der Lohnfortzahlung
    Hallo LE.svproblem,
     
    wir bitten um Verständnis, dass wir im Rahmen dieses Forums keine Aussage zur Korrektheit von Beitragsberechnungen treffen können und geben Ihnen daher zur Ihrer Sachverhaltsschilderung folgende Informationen zum Thema:
     
    In § 23c Abs. 1 Satz 1 Sozialgesetzbuch (SGB) IV ist geregelt, dass vom Arbeitgeber weitergezahlte laufende Arbeitsentgelte während der Zeit des Bezugs von Entgeltersatzleistungen (z. B. Krankentagegeld), als beitragspflichtige Einnahme gelten, wenn es zusammen mit der Entgeltersatzleistung das Vergleichs-Nettoarbeitsentgelt um mehr als 50,00 € monatlich übersteigt.
      
    Das hat zur Folge, dass alle arbeitgeberseitigen Leistungen (u. a. Sachbezüge, wie die private Nutzung von Geschäftsfahrzeugen), die für die Zeit des Bezugs der Sozialleistungen laufend gewährt werden, bis zum maßgeblichen Nettoarbeitsentgelt nicht der Beitragspflicht unterliegen (SV-Freibetrag).
     
    Alle darüber hinausgehenden Beträge sind erst dann als beitragspflichtige Einnahmen zu berücksichtigen, wenn sie die Freigrenze in Höhe von 50,00 € übersteigen.
     
    Wird die Freigrenze von 50,00 € überschritten, ist diese beitragspflichtige Einnahme während des Krankentagegeldbezugs monatlich zu verbeitragen.
     
    Weitere Informationen können Sie dem gemeinsamen Rundschreiben „Beitragsrechtliche Behandlung von arbeitgeberseitigen Leistungen während des Bezugs von Entgeltersatzleistungen (Sozialleistungen); Sonstige nicht beitragspflichtige Einnahmen nach § 23c SGB IV“ vom 13.11.2007 entnehmen (u.a. Beispiel 9 auf der Seite 21).
     
    Den entsprechenden Link haben wir Ihnen beigefügt:
     
    https://www.aok.de/fk/fileadmin/user_upload/sv/rundschreiben/2000-2009/rds_20071113-23cSGBIV.pdf
     
    Da es sich bei einem „Bonusvorschuss“ um einmalig gezahltes Arbeitsentgelt handelt, wird dieser nicht bei der Prüfung der Regelungen nach § 23 c SGB IV berücksichtigt und führt somit zu keiner Kürzung des Krankentagegeldes.
     
    Hierbei ist folgendes zu beachten:
     
    Einmalzahlungen sind grundsätzlich dem Entgeltabrechnungszeitraum der Auszahlung zuzuordnen und zu verbeitragen. Sonderzuwendungen, die während einer beitragsfreien Zeit (z.B. wegen Krankentagegeldbezug) gezahlt werden, sind dem letzten Entgeltabrechnungszeitraum im laufenden Kalenderjahr zuzuordnen, sofern Sozialversicherungstage vorhanden sind.
     
    Einmalzahlungen sind zu berücksichtigen, soweit das bisher gezahlte beitragspflichtige Arbeitsentgelt die anteilige Beitragsbemessungsgrenze nicht erreicht. Die anteilige Beitragsbemessungsgrenze wird für die Beschäftigungszeiten gebildet, die im laufenden Jahr bei dem Arbeitgeber zurückgelegt wurden, der die Einmalzahlung gewährt.
     
    Sofern bereits die anteilige Beitragsbemessungsgrenze in der Renten- und Arbeitslosenversicherung aufgrund der laufenden Entgelthöhe ausgeschöpft ist, unterliegt die Einmalzahlung nicht der Beitragspflicht.
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam   
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