Expertenforum - Lohnfortzahlung Urlaub/krank

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  • 01
    Lohnfortzahlung Urlaub/krank

    Guten Tag,

    wir haben einen ähnlichen Fall wie die Frage/Beitrag von Julia0 vom 27.05.22. Hierzu hatten Sie geantwortet:

    Im Falle der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall sind die Zuschläge für Samstags- und Sonntagsarbeit fortzuzahlen, wenn während der Krankheit auch Samstags- oder Sonntagsarbeit für den Arbeitnehmer angefallen wäre.

    Meine Frage hierzu: Ist irgendwo gesetzlich geregelt, wie hoch im Krankheitsfall die Sonntags-Zuschläge sein müssen? Steuerpflichtig ist klar, aber müssen die auch in Höhe von 50% des Stundenlohnes gezahlt werden wie bei geleisteter Arbeit? Oder kann der Arbeitgeber eine Faktorberechnung anwenden (Summe geleisteter Zuschläge der letzten drei Monate geteilt durch die Summe der geleisteten Stunden der letzten drei Monate > der sich errechnende Faktor wird dann mit den zu vergütenden Stunden multipliziert > ergibt den auszuzahlenden steuerpflichtigen Zuschlagsbetrag)?

    Zuletzt: Kann der Arbeitgeber wählen, ob er eine Durchschnittsberechnung auf Stunden- oder Tagesbasis durchführt?

    Danke im Voraus!

  • 02
    RE: Lohnfortzahlung Urlaub/krank

    Sehr geehrter Fragesteller,


    vielen Dank für Ihre Frage.


    Für die Beantwortung muss zwischen der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und der Zahlung der Urlaubsvergütung unterschieden werden.


    Für die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall gilt das sogenannte Entgeltausfallprinzip. Das heißt, der Arbeitnehmer hat Anspruch auf die Vergütung, die er ohne Krankheit verdient hätte. Eine gesetzliche Regelung zur Höhe der Zuschläge für Sonntagsarbeit im Krankheitsfall gibt es nicht. Die Höhe folgt vielmehr aus dem sogenannten Entgeltausfallprinzip. Der Arbeitnehmer hat also Anspruch auf die Zuschläge, die er ohne Krankheit verdient hätte, und zwar auch in dieser Höhe.


    Für die Urlaubsvergütung gilt nicht das Entgeltausfallprinzip, sondern das sogenannte Referenzprinzip. Hier wird die durchschnittliche Vergütung der letzten 13 Wochen bzw. drei Monate vor Urlaub ermittelt. In diese Berechnung sind auch die Zuschläge für Samstags- und Sonntagsarbeit einzubeziehen. Auf dieser Grundlage wird dann, natürlich unter Einschluss der sonstigen Vergütungsbestandteile, wie insbesondere der Grundvergütung, die durchschnittliche tägliche Vergütung berechnet. Dieser Tagesdurchschnitt wird mit der Anzahl der Urlaubstage multipliziert.


    Die von Ihnen dargestellte „Faktorberechnung“ ist meines Erachtens nicht korrekt, weil sie isoliert nur die Zuschläge betrachtet. Zudem wird für die Zuschläge ein Durchschnittswert gebildet, der dann mit den zu vergütenden Stunden multipliziert wird. Dies aber würde dazu führen, dass der Zuschlag (fiktiv) für alle Arbeitsstunden gezahlt wird, also auch für die, die nicht an einem Samstag oder Sonntag zu den eigentlich zuschlagspflichtigen Zeiten geleistet worden sind.


    Sollten Sie weitere Fragen haben, stehen wir gern zur Verfügung.


    Mit freundlichen Grüßen


    Ihr Fachexperte Arbeitsrecht

  • 03
    RE: Lohnfortzahlung Urlaub/krank

    Liebes Arbeitsrecht-Team,

    vielen Dank für die schnelle Antwort.

    Beim letzten Punkt haben wir uns aber wahrscheinlich missverstanden. Der sich errechnende Faktor (Zuschlag fiktiv) wird nicht mit den gesamten zu vergütenden Stunden multipliziert, sondern lediglich mit den ausgefallenen Stunden bei Krankheit (z.B. 8 Ausfall-Stunden bei einer 40-Std.-Volzeit-Kraft).

    Ist das korrekt?

  • 04
    RE: Lohnfortzahlung Urlaub/krank

    Sehr geehrter Fragesteller,


    vielen Dank für Ihre Nachfrage.


    Wenn es sich um einen Fall der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall handelt (ich bin von der Vergütungszahlung während des Urlaubs ausgegangen), besteht für die fiktive Durchschnittsberechnung keine Veranlassung und keine Grundlage. Fallen hier 8 Stunden zuschlagspflichtige Arbeitszeit an einem Sonntag aus, ist für diese 8 Stunden der Sonntagszuschlag im Rahmen der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall zu gewähren. Die Durchschnittsberechnung würde das Ergebnis verzerren, da in dem Durchschnitt ja auch die (üblicherweise) geringeren Zuschläge für Samstagsarbeit etc. einfließen.


    Wenn Sie weitere Rückfragen haben, stehen wir gern zur Verfügung.


    Mit freundlichen Grüßen


    Ihr Fachexperte Arbeitsrecht

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