Expertenforum - Festanstellung während Studium

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Expertenforum

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  • 01
    Festanstellung während Studium
    Ein eingeschriebener Student (Masterstudium, geplante Abgabe der Masterarbeit im September 2022) möchte während eines Urlaubssemester in Vollzeit arbeiten, um Berufserfahrung zu sammeln. Es handelt sich nicht um ein vorgeschriebenes Praktikum. Alles beruht auf freiwilliger Basis während des Urlaubssemesters. Kann der Student in Vollzeit arbeiten oder gibt es anderweitige Möglichkeiten der Beschäftigung?
  • 02
    RE: Festanstellung während Studium
    Guten Tag,
     
    Studenten, die bei fortbestehender Immatrikulation für ein oder mehrere Semester vom Studium beurlaubt sind, nehmen in dieser Zeit nicht am Studienbetrieb teil und verlieren damit in sozialversicherungsrechtlicher Hinsicht die Studenteneigenschaft.
     
    Wird während des Urlaubssemesters eine Beschäftigung ausgeübt, ist davon auszugehen, dass das Erscheinungsbild als Student
    grundsätzlich nicht gegeben ist und die Beurteilung nach den allgemeine Regelungen für Arbeitnehmer vorgenommen werden muss.
     
    Die Regelungen des Werkstudentenprivilegs finden während eines Urlaubssemesters keine Anwendung. 
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam
  • 03
    RE: Festanstellung während Studium
    Hallo,

    vielen Dank für Ihre Nachricht. Wenn der Student eine Vorlesung von 2 Stunden pro Woche besucht, kann dann das Werkstudentenprivileg angewendet werden oder muss er als sozialversicherungspflichtiger Arbeitnehmer angestellt werden?

  • 04
    RE: Festanstellung während Studium
    Guten Tag,
     
    ordentliche Studierende sind in einer neben dem Studium ausgeübten Beschäftigung unabhängig von der Höhe des Arbeitsentgelts im Rahmen des sog. Werkstudentenprivilegs kranken-, pflege- und arbeitslosenversicherungsfrei, wenn das Studium im Vordergrund steht, also Zeit und Arbeitskraft des Studenten überwiegend durch das Studium in Anspruch genommen werden. Davon ist nach der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts (BSG) immer dann auszugehen, wenn die Beschäftigungszeit 20 Stunden in der Woche nicht überschreitet.
     
    Auf die 20-Wochenstunden-Grenze kommt es hingegen u. a. nicht an, wenn die Beschäftigung während der vorlesungsfreien Zeit der Semesterferien ausgeübt wird. Wird in dieser Zeit eine Beschäftigung mit mehr als 20 Wochenstunden ausgeübt, ist davon auszugehen, dass Zeit und Arbeitskraft des Studenten in der Gesamtbetrachtung überwiegend durch das Studium in Anspruch genommen werden. Dies gilt auch für eine Beschäftigung, die während des Semesters an nicht mehr als 20 Stunden wöchentlich ausgeübt wird, in den Semesterferien auf mehr als 20 Stunden wöchentlich ausgedehnt und nach dem Ende der Semesterferien wieder auf eine Wochenarbeitszeit von nicht mehr als 20 Stunden zurückgeführt wird.
     
    Die Arbeitszeit bei einer Beschäftigung im Rahmen der 20-Wochenstunden-Grenze kann allerdings während vorlesungsfreien Zeit oder am Wochenende bzw. in den Abend- und Nachstunden auch in der Vorlesungszeit auf über 20 Wochenstunden ausgeweitet werden. Dies setzt jedoch voraus, dass es sich um eine im Voraus befristete Zeit handelt. Dabei dürfen diese Beschäftigungszeiten im Laufe eines Jahres 26 Wochen nicht überschreiten. Dies gilt auch dann, wenn durch Aufnahme einer befristeten Beschäftigung bei einem anderen Arbeitgeber der Beschäftigungsumfang auf mehr als 20 Wochenstunden erhöht wird. Studierende, die im Laufe eines Jahres (nicht Kalenderjahres) mehrmals eine Beschäftigung mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von mehr als 20 Stunden ausüben, sind vom Erscheinungsbild nicht mehr als ordentlich Studierende, sondern als Beschäftigte anzusehen, wenn die Zusammenrechnung der Beschäftigungszeiten mehr als 26 Wochen (182 Kalendertage) ergibt.
     
    Der Jahreszeitraum zur Statusbestimmung ist in der Weise zu ermitteln, dass vom voraussichtlichen Ende der zu beurteilenden Beschäftigung ein Jahr zurückgerechnet wird. Anzurechnen sind alle Beschäftigungen in diesem Zeitraum, in denen – unabhängig von der versicherungsrechtlichen Beurteilung – die wöchentliche Arbeitszeit mehr als 20 Stunden beträgt. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Beschäftigungen bei demselben Arbeitgeber oder bei verschiedenen Arbeitgebern ausgeübt werden, jedoch bleiben vorgeschriebene Zwischenpraktika unberücksichtigt.
     
    Ergibt die Zusammenrechnung, dass insgesamt Beschäftigungszeiten von mehr als 26 Wochen vorliegen, besteht vom Beginn der zu beurteilenden Beschäftigung an bzw. von dem Zeitpunkt an, in dem erkennbar ist, dass der vorgenannte Zeitraum überschritten wird, Versicherungspflicht in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung.
     
    Bei Ihrer ersten Frage schrieben Sie, dass eine Vollzeitbeschäftigung während eines Urlaubssemesters geplant ist. Wenn der Studierende nicht immatrikuliert ist, kann das Werkstudentenprivileg nicht angewendet werden.
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam
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