Expertenforum - einmaliges Überschreiten der Minijobgrenze / Verdiensthöhe egal oder max. Grenze des Verdienst

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  • 01
    einmaliges Überschreiten der Minijobgrenze / Verdiensthöhe egal oder max. Grenze des Verdienst

    Liebes Experten-Team,


    bei einem Mandanten ist die Hauptkraft schwanger und jetzt plötzlich kurz vor dem MuSchu in ein individuelles Berufsverbot gekommen. Die Kraft, die als Ersatz neu eingestellt wurde beginnt erst im nächsten Monat Ihren Dienst.

    Er beschäftigt noch eine Minijobberin, die bisher in diesem Jahr 425 € pro Monat verdient hat und die soll mit mehr Stunden helfen den Ausfall bis zum Eintritt und eventuell Einarbeitung der neuen Mitarbeiterin zu kompensieren.

    Ich habe gelesen, dass ein einmaliges Überschreiten der Minijobgrenze erlaubt ist, wenn das Ereignis das dazu führt Unerwartet ist.

    Nur bei der Höhe des Verdienstes im Monat des Überschreitens gibt es unterschiedliche Auslegungen, wie ich gelesen habe.

    Meinung 1: Die Höhe des Verdienstes in dem Monat des Überschreitens ist egal, solange im Gesamtjahresdurchschnitt nicht über 6240,00 € verdient.

    Meinung 2: Das Gehalt im Monat des Überschreitens darf nicht über 1040 € liegen ( also 2x 520 €)

    Was gilt?

    Beispiel 1:

    April- August Gehalt m. 425,00 € = 2125,00€

    September Gehalt 1275€ =1275,00 €

    Oktober bis Dezember Gehalt m. 425,00€ = 1275,00 €


    Gesamt Jahr 2022 = 4675,00 €


    Noch geringfügig ?

    Beispiel 2

    April- August Gehalt m. 425,00 € = 2125,00€

    September Gehalt m. 1040 € = 1040,00€

    Oktober Gehalt m. 660 € = 660,00 €

    November - Dez Gehalt m. 425,00€ = 850,00 €


    Gesamt Jahr 2022 = 4675,00 €


    Noch geringfügig?


    Eintritt war erst im April 2022, noch geringfügig, wenn bis einschließlich März 2023 keine Überschreitung mehr hinzukommt?

    Vielen Dank für die Unterstützung!



     

  • 02
    RE: einmaliges Überschreiten der Minijobgrenze / Verdiensthöhe egal oder max. Grenze des Verdienst

    Hallo U.Koerner,
     
    nach den ab dem 01.10.2022 geltenden Regelungen liegt ein Überschreiten der Geringfügigkeitsgrenze vor, wenn sich das vom Arbeitgeber in seiner vorausschauenden Betrachtung ermittelte regelmäßige Arbeitsentgelt aufgrund geänderter Verhältnisse auf mehr als 520,00 € im Monat erhöht.
    Überschreitet das Arbeitsentgelt dauerhaft und damit regelmäßig die Geringfügigkeitsgrenze, so liegt vom Tage des Überschreitens an keine geringfügige Beschäftigung mehr vor.
     
    Wenn das Arbeitsentgelt nicht regelmäßig, sondern nur ausnahmsweise und unvorhersehbar in einzelnen Kalendermonaten die Geringfügigkeitsgrenze überschreitet und dies nicht dauerhaft beabsichtigt ist, wirkt sich das nur auf den Kalendermonat des Überschreitens aus. Unvorhersehbar ist beispielsweise Mehrarbeit aus unvorhersehbarem Anlass (z. B. Krankheitsvertretung).
     
    Wenn der Verdienst eines Minijobbers die monatliche Verdienst-Obergrenze nur gelegentlich und nicht vorhersehbar überschreitet, kann die Beschäftigung weiterhin ein Minijob sein.
    Hierbei sind nur Überschreitungen zu berücksichtigen, mit denen auch die „Jahresverdienstgrenze“ von 6.240,00 € in dem vom Arbeitgeber gewählten Prognosezeitraum für die Ermittlung des durchschnittlichen monatlichen Arbeitsentgelts überschritten wird.
    Ab dem 01.10. 2022 ist dieses gelegentliche Überschreiten der Verdienstgrenze im Minijob gesetzlich geregelt. Wird in bis zu zwei Kalendermonaten innerhalb eines Zeitjahres mehr als 520,00 € verdient, gilt ein solches Überschreiten als gelegentlich
     
    Wird die Minijob-Grenze innerhalb des Zeitjahres dagegen in mehr als zwei Monaten überschritten, ist das Überschreiten nicht mehr gelegentlich und es liegt eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vor.
    Die betreffende Person ist für diese Kalendermonate dann nicht bei der Minijob-Zentrale, sondern bei der zuständigen Krankenkasse zu melden. 
     
    Auch die Höhe des maximalen Verdienstes wurde festgelegt. Ab dem 01.10. 2022 dürfen die Minijobber im Kalendermonat des unvorhersehbaren Überschreitens maximal das Doppelte der Minijob-Grenze (1.040,00 €) verdienen. Im gesamten Kalenderjahr kann ein Minijobber damit zukünftig im „Normalfall“ 6.240,00 € und im „Ausnahmefall“ höchstens 7.280,00 € verdienen.
     
    Für Beschäftigungszeiträume bis zum 30.09. 2022 ist ein unvorhersehbares Überschreiten in maximal drei Kalendermonaten innerhalb eines Zeitjahres möglich. Wie hoch der Verdienst der Minijobber in den Monaten des Überschreitens ist, spielt dabei keine Rolle. 
     
    Das bedeutet auf Ihren Fall bezogen folgendes:
     
    Im Beispiel 1 liegt im Monat September mit dem Entgelt von 1.275,00 € zwar ein Überschreiten der 450,00 €-Grenze vor, da jedoch beim „unvorhersehbaren Überschreiten“ nach dem bis zum 30.09.22 geltenden Recht in bis zu 3 Monaten innerhalb eines Jahres die Höhe des Verdienstes keine Rolle spielt, ergeben sich keine Auswirkungen auf die geringfügig entlohnte Beschäftigung.
     
    Auch im Beispiel 2 ergeben sich durch die unvorhersehbaren Überschreitungen im September und Oktober aufgrund der vorgenannten Grundsätze keine sozialversicherungsrechtlichen Auswirkungen.
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam
     

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