Expertenforum - Beitragsrechtliche Behandlung bei der Bezahlung von angesammelten Überstunden zusammen mit dem Arbeitsentgelt

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  • 01
    Beitragsrechtliche Behandlung bei der Bezahlung von angesammelten Überstunden zusammen mit dem Arbeitsentgelt
    Guten Tag,
    wir haben eine Arbeitnehmerin die in diesem Monat (Juni) - zusätzlich zu ihrem Arbeitsentgelt - eine Vergütung für angesammelte Überstunden aus den Vormonaten erhält. Wende ich dabei zur Bezahlung die Lohnart "Überstunden" an, dann erfolgt die Verbeitragung ihres Arbeitsentgeltes und der Überstunden - was beides dann zusammen über der monatlichen BMG in der KV+PV liegt - nur bis zur monatlichen BMG, da beides als gemeinsames Brutto zusammengefasst wird.

    Oder ist richtiger die Bezahlung der angesammelten Überstunden wie einmalig gezahltes Arbeitsentgelt - jedoch umlagepflichtig - zu berechnen, denn damit würde dann die anteilige BMG in der KV+PV des Nachzahlungszeitraumes (Januar - Juni) zugrunde gelegt werden. D.h. die Arbeitnehmerin verbeitragt ihr monatliches Arbeitsentgelt und die Bezahlung der Überstunden (als Einmalzahlung) einzeln in voller Höhe, da die BMG des Nachzahlungszeitraumes eine Differenz mit noch nicht mit Beiträgen belegten Teil aufweist.
    Vielen Dank für die Beantwortung meiner Frage.
  • 02
    RE: Beitragsrechtliche Behandlung bei der Bezahlung von angesammelten Überstunden zusammen mit dem Arbeitsentgelt

    Hallo P,

     

    die genaue Unterscheidung zwischen laufendem oder einmaligem Arbeitsentgelt ist wichtig für die Beitragsberechnung.

    Einmalig gezahltes Arbeitsentgelt sind nach gesetzlicher Bestimmung Zuwendungen, die dem Arbeitsentgelt zuzurechnen sind und nicht für die Arbeit in einem einzelnen Entgeltabrechnungszeitraum gezahlt werden. Aus dieser Definition folgt im Umkehrschluss, dass es sich um laufendes Arbeitsentgelt handelt, wenn die Zuwendungen für die Arbeit in einem einzelnen Entgeltabrechnungszeitraum gewährt werden.

     

    Bei der Auszahlung von Überstundenvergütungen handelt es sich nicht um einen Einmalbezug, sondern um laufendes Arbeitsentgelt. Bei laufendem Arbeitsentgelt gilt in der Sozialversicherung das Entstehungsprinzip.

    Wird eine Überstundenvergütung für einen Monat aus einem zurückliegenden Zeitraum ausbezahlt, so muss dieser Zeitraum, in dem die Überstunden angefallen sind, nochmals rückwirkend aufgerollt werden. Die Überstunden müssen letztlich immer in dem Monat verbeitragt werden, in dem sie tatsächlich angefallen sind.

     

    Eine Abrechnung als einmaliges Arbeitsentgelt ist grds. nicht zulässig.

     

    Eine vereinfachte Beitragsberechnung für Mehrarbeitsvergütungen ist nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen möglich.

    Im Besprechungsergebnis der Spitzenverbände der Sozialversicherung vom 14./15.11.2012 wird dargelegt, dass eine Abrechnung von Mehrarbeitsstunden als Einmalbezug grundsätzlich nicht zulässig ist.

     

    In Ausnahmefällen kann die Abgeltung aus Vereinfachungsgründen im aktuellen Entgeltabrechnungszeitraum wie einmalig gezahltes Arbeitsentgelt behandelt werden.

    Dies allerdings mit der Maßgabe, dass die anteiligen Beitragsbemessungsgrenzen des Nachzahlungszeitraumes zugrunde zu legen sind; dadurch wird der Charakter der Nachzahlung als laufendes Arbeitsentgelt nicht berührt.

    Die Rentenversicherungsträger beanstanden dies im Rahmen der Arbeitgeberprüfungen aufgrund gleich hoher Beiträge nicht, sofern die angesammelten Entgelte noch im gleichen Kalenderjahr, spätestens bis März des Folgejahres, tatsächlich ausgezahlt werden.

    Mit freundlichen Grüßen

     

    Ihr Expertenteam

     

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