Expertenforum - BAV Reduzierung umgewandelter Betrag bei einem Altvertrag (Pauschalversteuerung)

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  • 01
    BAV Reduzierung umgewandelter Betrag bei einem Altvertrag (Pauschalversteuerung)

    Fall: AN hat eine Direktversicherung mit Pauschlierung (Gehaltsumwandlung jährlich - Weihnachtsgeld). Laut Versicherung ist es nicht mehr möglich auf diesen Vertrag höhere Beträge einzuzahlen. Es muss ein neuer Vertrag abgeschlossen werden (15 % entsprechen 105,00€)


    Frage 1: Könnten bei dem neuen Vertrag der Beitrag auch pauschaliert werden?

    Frage 2: Ist es nicht möglich den Vertrag mit der Inklusiv-Methode abzurechnen. Der bisherige Entgeltumwandlungsbetrag vermindert sich um den gesetzlichen Zuschuss in Höhe von 15 %. Der Zahlbetrag an die Versicherung verändert sich nicht.


    Laut Versicherung ist aber "Frage 2" hier nicht möglich - es muss ein neuer Vertrag abgeschlossen werden.


    Vielen Dank für Ihre Hilfe


     

  • 02
    RE: BAV Reduzierung umgewandelter Betrag bei einem Altvertrag (Pauschalversteuerung)

    Guten Tag,
     
    für umgewandeltes Arbeitsentgelt, das in eine Direktversicherung, Pensionskasse oder in einen Pensionsfonds einfließt, besteht aufgrund der Steuerfreiheit auch Beitragsfreiheit in der Sozialversicherung bis zu 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der allgemeinen Rentenversicherung (2022: 3.384 Euro) jährlich.
     
    Die Zuschusspflicht des Arbeitgebers besteht grundsätzlich in Höhe der eingesparten Sozialversicherungsbeiträge, kann aber auch pauschal mit 15 Prozent abgerechnet werden. Es besteht insoweit eine Wahlmöglichkeit, ob der Arbeitgeber seine tatsächliche, individuelle Beitragsersparnis (= sogenannte „Spitzabrechnung“) an die Versicherung oder Versorgungseinrichtung weitergibt oder die Pauschale von 15 Prozent wählt. Vor allem bei Arbeitnehmern mit einem Arbeitsentgelt unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze der Krankenversicherung ist die pauschale Abrechnung für den Arbeitgeber kostengünstiger und einfacher zu handhaben.
     
    Unabhängig davon, welche Berechnungsvariante vom Arbeitgeber genutzt wird, ist die Zuschusspflicht auf 15 Prozent begrenzt.
     
    Es ergeben sich hier 2 unterschiedliche Berechnungsmethoden. Bei der Exklusivmethode wird der Zuschuss von in der Regel 15 % zusätzlich zur Entgeltumwandlung gezahlt.
    Im Gegensatz dazu vermindert sich bei der Inklusivmethode der Entgeltumwandlungsbetrag um den gesetzlichen Zuschuss.
     
    Die meisten Versorgungsträger lehnen jedoch zusätzliche Erhöhungsbeträge in denselben Tarif ab, weil die damalige Verzinsung deutlich höher war als der aktuelle Rechnungszins. Zudem hat der Arbeitgeber als Versicherungsnehmer grundsätzlich keinen Anspruch auf Einzahlung des Zuschusses in denselben Tarif.
     
    In der Praxis bieten sich folgende Möglichkeiten:
     
    ·         Den bisherigen Entgeltumwandlungsbetrag des Arbeitnehmers unverändert zu lassen und den Zuschuss des Arbeitgebers „on Top“ an den Versorgungsträger zu zahlen. Achtung! Hier muss der Versorgungsträger zustimmen. Dies ist in der Praxis häufig nicht möglich.
    ·         Den Gesamtbetrag der Überweisung an den Versorgungsträger unverändert lassen und die Verteilung des Anteils von Entgeltumwandlung durch den Mitarbeitenden und Arbeitgeberzuschuss neu zu berechnen.
     
    Wenn der Versorgungsträger die Erhöhungsbeträge weder im selben Tarif noch in einem anderen Tarif annimmt oder wenn er nur gleich-bleibende Versicherungsbeiträge akzeptiert, bietet es sich an, den Gesamtbeitrag unverändert zu lassen und lediglich die Finanzierungsanteile zwischen Mitarbeitenden und Arbeitgeber im bestehenden Vertrag neu aufzuteilen.

    Die Entgeltumwandlung des oder der Mitarbeitenden würde dann um den Zuschuss des Arbeitgebers reduziert und durch diesen ersetzt (sogenanntes "Reduktionsmodell"). Hierbei ist jedoch zu beachten, dass der Arbeitgeber dies nicht einseitig verfügen darf. Der oder die Mitarbeitende muss der Reduktion seiner Entgeltumwandlung ausdrücklich zustimmen.
     
    Die Aussage der Versicherung bzgl. eines Neuvertrages können wir im Rahmen dieses Forums nicht bewerten, da uns die genauen Vertragsgestaltungen nicht vorliegen. Wir empfehlen Ihnen ggf. Kontakt zu einem Fachanwalt für Versicherungsrecht/Privatrecht aufzunehmen.
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam

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