Expertenforum - Auszahlung Urlaub und Überstunden - Umlagepflicht

© ZORAN ORCIK / Adobe Stock
Expertenforum

Experten antworten auf Ihre Fragen zur Sozialversicherung

Fragen Sie Experten zu allen Aspekten der Sozialversicherung – im Expertenforum der AOK. An Werktagen bekommen Sie innerhalb von 24 Stunden eine Antwort.

Darüber hinaus können Sie sich im Expertenforum mit anderen Nutzern zu persönlichen Erfahrungen im Umgang mit der Sozialversicherung austauschen.

Profitieren Sie rund um den Jahreswechsel von einem besonderen Angebot. Stellen Sie auch Fragen zum Steuer- und Arbeitsrecht, die Bezug zum Sozialversicherungsrecht haben. Ihre Frage wird dann direkt von unseren externen Steuer- und Arbeitsrechtsexperten beantwortet.

  • 01
    Auszahlung Urlaub und Überstunden - Umlagepflicht

    Guten Tag,

    wir bitten um Hilfe zum o.g. Thema

    Ein MA scheidet zum 30.09.21 mit Ablauf des Arbeitsvertrages aus - 5 Tage Resturlaub sind auszuzahlen und der Saldo angesammelter Überstunden 30,75h aus 2021

    Beide Beträge würden als Einmalbezug in die Entgeltabrechnung übernommen - volle Beitragspflicht SV besteht (keine Überschreiten der Entgeltgrenze)

    Umlagepflicht ist für uns fraglich. Die Urlaubsabgeltung OHNE Umlage u1 + u2 ?, der Betrag für die Auszahlung der Überstunden ist u1+u2 pflichtig ?


    Wie ist Auszahlung Urlaub und Überstunden korrekt in Bezug auf Umlage abzurechnen wenn in laufendem Arbeitsverhältnis Beträge gezahlt werden ?

    z.B.ein Arbeitnehmer möchte auf 5 Tage Urlaub verzichten (Mindesturl. 20 Tagebleibt) und bittet aus Finanz. Gründen um Auszahlung -

    besteht in diesem Fall Umlagepflicht ?

    wie ist die Beurteilung wenn im lfd. Arbeitsverhältnis angesammelte Überstunden aus einem in vergangengen Monaten aufgelaufenen Saldo als Einmalbezug ausgezahlt werden - hier besteht Umlagepflicht !?


    Vielen Dank

  • 02
    RE: Auszahlung Urlaub und Überstunden - Umlagepflicht

    Hallo maraengel,

    in Ihrem Fall ist vordergründig nach arbeitsrechtlichen Gesichtspunkten zu klären, ob die Zahlung einer Urlaubsabgeltung bzw. ein Urlaubsverzicht möglich ist.
     
    Urlaub soll grundsätzlich der Erholung des Arbeitnehmers dienen. Nur in „besonderen Ausnahmefällen“ kann der Urlaubsanspruch vom Arbeitgeber abgegolten werden, und zwar nur dann, wenn das rechtliche Ende des Arbeitsverhältnisses unvorhersehbar eintritt und die Gewährung des noch bestehenden Urlaubsanspruchs bis zum Zeitpunkt des Ausscheidens unmöglich ist. Hierbei kommen also nur Sachverhalte in Betracht, bei denen das Arbeitsverhältnis fristlos gekündigt oder im gegenseitigen Einvernehmen vorzeitig unter Außerachtlassung der gesetzlichen Kündigungsfristen per Aufhebungsvertrag beendet wird.
     
    Aus sozialversicherungsrechtlicher Sicht wäre in Ihrem Sachverhalt eine Auszahlung der Überstunden bzw. der Urlaubstage prinzipiell möglich.
     
    Bezogen auf Ihre Sachverhaltsschilderung ist folgendes zu beachten:
     
    Für die Umlageberechnung U1 und U2 ist das Arbeitsentgelt im Sinn der Sozialversicherung - höchstens bis zur Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung - maßgebend. Umlagebeträge werden generell nur vom laufenden Arbeitsentgelt berechnet. Aus Einmalzahlungen werden dagegen keine Umlagebeträge erhoben.
     
    Einmalzahlungen (hier: die Urlaubsabgeltung) werden grundsätzlich dem Entgeltabrechnungszeitraum der Auszahlung zugeordnet. Sonderzuwendungen, die nach Ende der Beschäftigung ausgezahlt werden, sind grundsätzlich dem letzten Entgeltabrechnungszeitraum im laufenden Kalenderjahr zuzuordnen.
     
    Bei laufendem Arbeitsentgelt (hierunter fallen Überstundenvergütungen) gilt in der Sozialversicherung das Entstehungsprinzip. Wird laufendes Arbeitsentgelt aus mehreren Monaten gesammelt ausbezahlt, so sind die jeweiligen Zeiträume, in denen es erarbeitet wurde, nochmals rückwirkend aufzurollen. Solche „Überstundenvergütungen“ werden letztlich immer in dem Monat verbeitragt, in dem sie tatsächlich angefallen sind. Eine Abrechnung als einmaliges Arbeitsentgelt ist nicht zulässig.
     
    Ungeachtet der arbeitsrechtlichen Zulässigkeit ist bei einem „Urlaubsverzicht“ der „fiktive“ Arbeitslohn sozialversicherungsrechtlich als Urlaubsabgeltung zu betrachten und nach den allgemeinen Grundsätzen als einmalig gezahltes Arbeitsentgelt zu verbeitragen (keine Umlagepflicht).
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam
     
     
     
     
     

Kontakt zur AOK AOK/Region wählen
Grafik Ansprechpartner
Ihr Ansprechpartner steht Ihnen gerne für Ihre Fragen zur Verfügung.
Grafik e-mail
Melden Sie uns Ihr Anliegen, wir antworten umgehend oder rufen Sie zurück.