Expertenforum - Arbeitnehmer mit A1 Bescheinigung

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  • 01
    Arbeitnehmer mit A1 Bescheinigung

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich habe hier einen tschechischen Arbeitnehmer, der bei einer deutschen Firma beschäftigt werden soll.

    In Tschechien ist er zum einen selbständig beschäftigt zum anderen bei einem tschechischen Unternehmen angestellt und von dort zum Arbeiten nach Deutschland entsendet.

    Heißt er arbeitet bereits in Deutschland über eine Entsendung und soll unabhängig davon in einer anderen deutschen Firma angestellt werden.

    Der Mitarbeiter hat mir die A1 Bescheinigung vorgelegt, weil er seiner Ausage nach in Deutschland nicht versicherungspflichtig ist, allerdings habe ich ja hier keinen Entsendungsfall, meiner Meinung nach ist dieser Mitarbeiter sv pflichtig mit Beitragsgruppenschlüssel 1111 zu beschäftigen und bei einer deutschen Krankenkasse zu anzumelden.

    Der Hauptwohnsitz liegt in Tschechien und ein Zweitwohnsitz ist in Deutschland angemeldet.


    Sehe ich das richtig ?


    Mit freundlichen Grüßen

    Stefanie Strohmaier


     

  • 02
    RE: Arbeitnehmer mit A1 Bescheinigung

    Hallo Frau Strohmaier,
     
    werden - wie in Ihrem Sachverhalt - Beschäftigungen gewöhnlich in mehreren EU-Staaten und zum Teil auch im Wohnstaat ausgeübt, gelten die Rechtsvorschriften des Wohnstaates, wenn der Arbeitnehmer dort auch einen wesentlichen Teil seiner Erwerbstätigkeit ausübt. Wird im Rahmen einer Gesamtbewertung von Arbeitszeit und Arbeitsentgelt festgestellt, dass die Beschäftigung im Wohnstaat einen Anteil von weniger als 25 % erreicht, so ist dies ein Anzeichen dafür, dass ein wesentlicher Teil der Tätigkeit nicht in dem entsprechenden Wohnstaat ausgeübt wird.
     
    In der Sozialversicherung werden die in zwei EU-Mitgliedstaaten Beschäftigten im Regelfall wie andere Arbeitnehmer behandelt, das heißt, ihre Versicherungspflicht richtet sich grds. nach den am Beschäftigungsort maßgebenden Rechtsvorschriften, wenn sie dort einen wesentlichen Teil ihrer Beschäftigung ausüben (Territorialprinzip).
     
    In dem von Ihnen geschilderten Sachverhalt verteilt sich die Gesamtarbeitsleistung auf die selbstständige Tätigkeit und die Beschäftigung in Tschechien (Wohnstaat) einerseits und die (geplante) Beschäftigung in Deutschland andererseits.
    Sofern die Tätigkeiten in Tschechien mit mindestens 25% ins Gewicht fallen, greifen die tschechischen Vorschriften über soziale Sicherheit.
     
    Wichtig für die betroffenen Arbeitgeber ist in diesem Zusammenhang, dass für die Festlegung des anzuwendenden Rechts derjenige Staat zuständig ist, in dem der Arbeitnehmer wohnt.
    Weitere Informationen über zu erstellende Meldungen bzw. abzuführende Beiträge erhalten Sie somit vom zuständigen Sozialversicherungsträger in Tschechien. 
    Die zuständige Stelle für die Festlegung der anzuwendenden Rechtsvorschriften über soziale Sicherheit bei einem Wohnort im Ausland (hier: Tschechien) finden Sie mit dem folgenden Link:
    https://dvka.de/de/arbeitgeber_arbeitnehmer/antraege_finden/gewoehnliche_erwerbstaetigkeit_mitgliedstaaten/f_rechtsvorschriften_zustaendige_stellen/rechtsvorschriften_zustaendige_stellen.html
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam
     

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