Expertenforum - Anmeldung und Abrechnung ohne Ausbildungsvertrag

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  • 01
    Anmeldung und Abrechnung ohne Ausbildungsvertrag

    Guten Tag,

    wir haben den Fall eines Mandanten bei dem ich nicht sicher bin wie er bei der KK anzumelden ist:

    der Mitarbeiter hat einen Azubi Vertrag als Schreiner am 01.09.22 abgeschlossen der in der Probezeit zum 31.10.22 vom anderen Arbeitgeber gekündigt wurde. Er besucht die Berufsschule weiterhin, wie wenn ein Ausbildungsverhältnis besteht und behält deshalb seinen Auszubildendenstatus bei der Handwerkskammer.

    Die Handwerkskammer sagt: Wenn er ein Arbeitsverhältnis oder auch nur einen Minijob annimmt, verliert er seinen Auszubildendenstatus.

    Das Mandat - der neue Arbeitgeber - würde ihn jetzt gerne als Praktikant für 3 Monate weiterbeschäftigen und bei Eignung dann das Azubi Vertragsverhältnis weiterführen.

    Die Handwerkskammer will: ein Praktikum das dem Ausbildungsstatus entspricht.

    Ich weis jetzt nicht wie ich ihn anmelden soll, Personengruppe 105 geht wohl nicht und PG 102 als Azubi bin ich nicht sicher.

    Er soll monatlich EUR 645 monatlich- 2 drittel der Ausbildungsvergütung - bekommen, dafür arbeitet er 80 Stunden im Monat, also unter Mindestlohn. Für 3 Monate.

    Wie kann ich ihn in der sv mit welchem Schlüssel richtig anmelden und abrechnen?

    oder geht das so gar nicht als "Praktikant unter Mindestlohn"


    Gruss


    Markus Vecek


     

  • 02
    RE: Anmeldung und Abrechnung ohne Ausbildungsvertrag

    Hallo Herr Vecek,
     
    die Bezeichnung „Praktikum“ ist nicht geschützt und wird in der Praxis für viele unterschiedliche Sachverhalte verwendet.
    Im sozialversicherungsrechtlichen Sinne steht ein Praktikum regelmäßig im Zusammenhang mit einem Schulbesuch, einem Studium oder einer Umschulungsmaßnahme.
    Besteht keine Verpflichtung zum Nachweis eines Praktikums, wird das Praktikum also freiwillig abgeleistet, handelt es sich um ein nicht vorgeschriebenes Praktikum.
    Wird ein solches Praktikum nicht aus einem der oben genannten Gründe absolviert, gelten keine Sonderregelungen.
    Personen, die ein nicht vorgeschriebenes Praktikum gegen Arbeitsentgelt ausüben, sind deshalb als „normale“ Beschäftigte zu beurteilen.
     
    Nach Ihrer Schilderung handelt es sich im vorliegenden Fall um ein nicht in einer Ausbildung-, Studien- oder Prüfungsverordnung vorgeschriebenes Praktikum.
    Es ist dementsprechend im sozialversicherungsrechtlichen Sinne nach den vorgenannten Grundsätzen als freiwilliges Praktikum anzusehen und somit wie die Beschäftigung eines Arbeitnehmers zu beurteilen.
     
    Da das regelmäßige monatliche Entgelt mehr als 520,00 € beträgt, liegt eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vor, die entsprechend zu melden (Beitragsgruppenschlüssel „1111“ und Personengruppenschlüssel „101“) und abzurechnen ist.
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam
     

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