Elektronische AU-Bescheinigung

Seite 2/2: Die wichtigsten Arbeitgeberfragen zur eAU
Das neue eAU-Verfahren erfordert organisatorische Veränderungen auch in den Unternehmen. Dabei stellen sich Arbeitgebern und Personalverantwortlichen viele Fragen.
Inhaltsübersicht

Fragen aus den Trends & Tipps-Seminaren 2022

Im Rahmen der Trends & Tipps-Seminare 2022 war die Einführung der eAU bereits ein wichtiges Thema, das bei den Teilnehmern viele Fragen aufwarf. Nachfolgend die wichtigsten Arbeitgeberfragen und Antworten der AOK-Experten aus den Chats.

Muss bei jeder AU eine Anfrage an die jeweilige Krankenkasse gestellt werden oder werden die Daten automatisch zur Verfügung gestellt?

Die Abfrage erfolgt für jeden Mitarbeiter individuell und einzeln und für einen konkreten Zeitraum, wenn sich dieser bei Ihnen krankgemeldet hat.. Sie dürfen nicht für alle Mitarbeiter Ihres Betriebes eine pauschale Anfrage an die Krankenkasse schicken. Außerdem ist für jede AU-Bescheinigung für den konkreten aktuellen Zeitraum separat abzufragen.

Wie soll es praktisch umsetzbar sein, für jeden Mitarbeiter individuell anzufragen, wenn ein Unternehmen mehrere Tausend Mitarbeiter hat und die Personalabteilung nicht zwingend von jedem Mitarbeiter informiert wird, ob er krank ist?

Dies ist sicherlich eine Herausforderung. Daher sollte intern vor Start des elektronischen Verfahrens geklärt werden, wie die Kommunikation über erkrankte Mitarbeiter im Unternehmen erfolgt. Das ist umso wichtiger, wenn ein Dienstleister wie zum Beispiel ein Steuerberater mit der Abrechnung beauftragt ist. Nutzen Sie deshalb die Pilotphase bis Ende des Jahres 2022.

Wir sind ein kleines Unternehmen und unsere Lohnbuchhaltung erledigt die Steuerkanzlei. Wie komme ich ohne Programm zeitnah an die Krankmeldung?

Denkbar wäre folgendes Vorgehen: Sie informieren den Steuerberater darüber, welcher Arbeitnehmer sich ab wann arbeitsunfähig gemeldet hat. Das Steuerbüro erfragt dann elektronisch die eAU-Daten bei der zuständigen Krankenkasse und informiert Sie dann über die eAU-Daten.

Ein Abruf ist aber auch vom Arbeitgeber direkt über die Ausfüllhilfe sv.net möglich. Entscheidend ist, dass sowohl der Arbeitgeber als auch der Steuerberater die eAU-Daten haben. Ein abgestimmtes Verfahren ist hier wichtig.

Was geschieht, wenn die Krankenkasse zum Zeitpunkt der Anfrage des Arbeitgebers noch keine Mitteilung vom Arzt hat? Schicken Sie mir die Krankmeldung, sobald diese vorliegt oder muss ich nochmals abfragen?

Wenn Sie zu einem Zeitpunkt anfragen, an dem keine eAU-Daten bei der Krankenkasse vorliegen, dann erhalten Sie eine Rückmeldung mit Kennzeichen „4“. Das ist jedoch nur eine Zwischennachricht. Denn sobald bei der AOK innerhalb von 14 Tagen eine eAU vom Arzt eingeht, stellen wir Ihnen die Rückmeldung sofort zum Abruf bereit. Ein regelmäßiger Abruf der eAU-Daten (mindestens einmal wöchentlich) ist deshalb wichtig.

Wie funktioniert das Verfahren bei Vorlage der AU ab dem ersten Tag?

Wenn der Arbeitnehmer am ersten Tag der Erkrankung eine AU-Bescheinigung vom Arzt erhalten hat, können Sie den Abruf am Folgetag starten. Der Arzt übermittelt die Daten spätestens am Abend der Ausstellung an die Krankenkasse.

Einige Mitarbeiter sind einen Tag krank, ohne Arztbesuch. Wie ist das bei der Entgeltfortzahlung (EFZ) zu handhaben?

Die eAU-Daten können von der Krankenkasse nur für Zeiten abgerufen werden, für die der Arzt eine Arbeitsunfähigkeit bescheinigt hat. Für Sie als Arbeitgeber läuft die EFZ-Frist aber schon mit dem Tag der Krankmeldung durch Ihren Mitarbeiter. Für AU-Tage ohne ärztliches Attest muss dann eine Fehlzeit „arbeitsunfähig ohne ärztliches Attest“ erfasst werden.

Wie erhalte ich einen Nachweis, wenn mein Arbeitnehmer über die Entgeltfortzahlungsdauer hinaus krank ist?

Sofern der Arbeitnehmer Entgeltersatzleistungen von einem Sozialversicherungsträger bezieht, ist ein Abruf der elektronischen Arbeitsunfähigkeitszeiten grundsätzlich nicht erforderlich, weil kein Entgeltfortzahlungsanspruch gegenüber dem Arbeitgeber mehr besteht.

Ist dennoch eine Bestätigung der Dauer der Entgeltersatzleistung und damit das weitere Vorliegen einer Arbeitsunfähigkeit für den Arbeitgeber erforderlich, können Sie aber das Ende der Entgeltersatzleistung (EEL) im Datenaustausch EEL mit dem Abgabegrund 42 = Anforderung Ende EEL beim SV-Träger anfordern. Ab 2023 ist eine Neuerung geplant: Sie erfahren dann automatisiert, wenn die EEL endet. Ansonsten ist der Arbeitnehmer verpflichtet, Sie über die Dauer der AU auf dem Laufenden zu halten.

Ein Mitarbeiter meldet sich bei mir für zwei Tage krank und geht nicht zum Arzt. Am dritten Tag stellt er fest, es geht ihm noch nicht gut und er geht zum Arzt und lässt sich krankschreiben. Erfolgt für die ersten beiden Tage eine U1-Erstattung?

Ja, bis zu drei Tage erhalten sie von der AOK eine Erstattung über die Ausgleichskasse U1 auch ohne nachgewiesene AU, wenn ihr Arbeitnehmer für die ersten drei Tage keinen AU-Nachweis braucht. Diese Tage werden aber auf die sechswöchige Anspruchsdauer für die Entgeltfortzahlung angerechnet.

Gilt das neue Verfahren auch für Minijobber?

Der Abruf der Daten durch den Arbeitgeber bei der zuständigen Krankenkasse erfolgt auch für Arbeitnehmende, die auf Minijob-Basis beschäftigt sind. Jedoch kennt der Arbeitgeber die Krankenkasse bei Minijobber bisher nicht, weil er ausschließlich mit der Minijob-Zentrale als zuständiger Einzugsstelle kommuniziert. 

Daher ist es zukünftig auch erforderlich, dass Minijobber Angaben zu ihrer Krankenkasse machen (zum Beispiel bei Beschäftigungsbeginn im Einstellungsfragebogen).

Wie ist das Verfahren bei privat Versicherten?

Privat Versicherte erhalten weiterhin eine Papierbescheinigung zur Vorlage beim Arbeitgeber. Für diesen Personenkreis ist eine eAU-Abfrage nicht möglich. Das gleiche gilt auch, wenn Ihr Arbeitnehmer im Ausland erkrankt. Für privat Versicherte und für Arbeitnehmer, die im Ausland erkranken verbleibt es bei dem heute bekannten Verfahren mit Papierbelegen.

Stand

Zuletzt aktualisiert: 31.05.2022

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