Saisonarbeiter und Aushilfen länger beschäftigen

Wegen der aktuellen Corona-Pandemie können Saisonkräfte nur noch unter strengen Auflagen einreisen. Auch in anderen Branchen werden Hilfskräfte dringend benötigt. Bis Ende Oktober dürfen Aushilfen vorübergehend länger und flexibler beschäftigt werden.

Engpässe wegen Grenzschließung

Die Corona-Krise hat auch für Agrarbetriebe weitreichende Folgen. Wegen geschlossener Grenzen können Erntehelfer, etwa aus Polen und Rumänien, jetzt nicht mehr einzeln, sondern nur in Gruppen mit dem Flugzeug und nach einem Gesundheitscheck nach Deutschland einreisen. Wenn mehrere Saisonarbeiter in einem Agrar-Betrieb ankommen, müssen sie als Gruppe die ersten 14 Tage von anderen Mitarbeitern getrennt untergebracht werden und dürfen das Betriebsgelände nicht verlassen. Das gleiche gilt für Einzelpersonen. Dabei müssen Arbeitgeber Vorgaben zum Infektionsschutz zu beachten. Informationen dazu finden Sie auf der Webseite des Bundesinnenministeriums.

Wird für die Saisonarbeiter keine A1-Bescheinigung vorgelegt, gilt ausschließlich das deutsche Sozialversicherungsrecht. 

Flexiblere Regelungen

Folgende Regeln gelten vom 1. März bis Ende Oktober 2020:

  • Saisonarbeitskräfte und kurzfristig Beschäftigte bleiben für insgesamt 115 Arbeitstage sozialversicherungsfrei. Normalerweise gilt eine Grenze von 70 Arbeitstagen im Kalenderjahr.
  • Eine kurzfristige Beschäftigung liegt jedoch nicht vor, wenn die Beschäftigung berufsmäßig ausgeübt wird, wie das bei Saisonarbeitern aus dem Ausland meist der Fall ist.
  • Übersteigt das monatliche Arbeitsentgelt 450 Euro, ist die Beschäftigung sozialversicherungspflichtig.
  • Die Grenze von fünf Monaten gilt auch für ein unvorhergesehenes Überschreiten (wie aktuell in der Corona-Krise) der Entgeltgrenze von monatlich 450 Euro bei einer geringfügig entlohnten Beschäftigung. Ab dem 1. November gilt wieder die reguläre Zeitgrenze von drei Monaten.
  • Um die Arbeit als Erntehelfer attraktiver zu machen, werden die Hinzuverdienstgrenzen für Vorruheständler in der gesetzlichen Rentenversicherung von 6.300 Euro auf 44.590 Euro angehoben. Die Regelung gilt für die gesamte Dauer des Jahres 2020.
  • Auch die Anrechnungsfreigrenzen für Beschäftigte, die Kurzarbeitergeld beziehen und bei der Ernte aushelfen wollen, werden ausgeweitet. Die Nebeneinkünfte werden bis zur Höhe des Nettolohns aus dem eigentlichen Beschäftigungsverhältnis nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet. Diese Regelung gilt übergangsweise bis Ende Oktober 2020.

Mit diesen Änderungen will die Bundesregierung ausländische Saisonarbeiter, die sich schon in Deutschland aufhalten, zum Bleiben ermutigen. Zudem sollen potenzielle Hilfskräfte aus anderen Branchen, in denen derzeit nicht gearbeitet wird, kurzfristig wechseln können. 

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Beispiele für die Meldung von Aushilfskräften

Die neuen Zeitgrenzen gelten nur vorübergehend. Für Beschäftigungen, die vor dem 1. März beginnen und nach dem 31. Oktober enden, sind daher Ummeldungen notwendig wie die folgenden Beispiele zeigen.

Eine Beschäftigung vom 1. Januar 2020 bis 30. April 2020 ist von vornherein befristet. Es liegt zwar keine Berufsmäßigkeit vor, aber die zu diesem Zeitpunkt gültige Zeitgrenze von drei Monaten wird überschritten.

 

Normalfall: Die Beschäftigung ist sozialversicherungspflichtig.

Personengruppenschlüssel 101

Beitragsgruppenschlüssel 1111

Zuständige Einzugsstelle: Krankenkasse

 

Neue Übergangsregelung rückwirkend zum 1. März 2020: Neubeurteilung und Korrektur im Beitrags- und Meldeverfahren.

1. Januar 2020 bis 29. Februar 2020:

Personengruppenschlüssel 101

Beitragsgruppenschlüssel 1111

Abmeldung bei der Krankenkasse

 

1. März 2020 bis 30. April 2020:

Personengruppenschlüssel 110

Beitragsgruppenschlüssel 0000

Anmeldung bei der Minijob-Zentrale

Eine Beschäftigung vom 1. Juli 2020 bis 30. November 2020 ist von vornherein befristet. Es liegt keine Berufsmäßigkeit vor.

 

Zum Zeitpunkt des Beschäftigungsbeginns gilt noch das Übergangsrecht. Die Beschäftigung ist auf fünf Monate befristet und damit sozialversicherungsfrei.

1. Juli 2020:

Personengruppenschlüssel 110

Beitragsgruppenschlüssel 0000

Anmeldung bei der Minijob-Zentrale

 

Ab 1. November 2020 gilt wieder das ursprüngliche Recht (drei Monate oder 70 Arbeitstage) Zum 1. November 2020 erfolgt daher eine Neubeurteilung der Beschäftigung und Feststellung der Sozialversicherungspflicht:

Abmeldung 1. Juli 2020 bis 31. Oktober 2020 bei der Minijob-Zentrale

Personengruppenschlüssel 110

Beitragsgruppenschlüssel 0000

 

Anmeldung bei der Krankenkasse zum 1. November 2020

Personengruppenschlüssel 101

Beitragsgruppenschlüssel 1111

 

Abmeldung zum 30. November 2020, da die Beschäftigung endet.

Eine Beschäftigung ist von vornherein befristet vom 1. November 2020 bis 31. Januar 2021. Es liegt keine Berufsmäßigkeit vor.

 

Die Beschäftigung ist auf drei Monate befristet und damit kurzfristig. Sie ist sozialversicherungsfrei.

Personengruppenschlüssel 110

Beitragsgruppenschlüssel 0000

Anmeldung bei der Minijob-Zentrale

Abmeldung zum 31. Januar 2021, da die Beschäftigung endet.

Stand

Zuletzt aktualisiert: 07.05.2020

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