Arbeitgeberzuschüsse zur Gesundheitsförderung: höherer Steuerfreibetrag und notwendige Zertifizierung

Für Yogakurse, Schulungen zur gesunden Ernährung oder Maßnahmen zur Suchtprävention können Arbeitgeber seit dem 1. Januar 2020 bis zu 600 Euro im Jahr je Arbeitnehmer steuer- und beitragsfrei ausgeben. Bestimmte Angebote müssen für die Steuerfreiheit allerdings zertifiziert sein.

Erhöhung des steuerfreien Arbeitgeberzuschusses

Mit dem Dritten Bürokratieentlastungsgesetz wurde der steuerfreie Höchstbetrag zum 1. Januar 2020 von bisher 500 Euro auf 600 Euro erhöht. Das bedeutet konkret: Arbeitgeber können pro Beschäftigtem und Jahr bis zu 600 Euro für Maßnahmen zur sogenannten verhaltensbezogenen Prävention (Rückenschule, Yogakurs, Rauchentwöhnung) und zur verhältnisbezogenen Prävention (Beratung zu gesundheitsförderlichen Arbeitsbedingungen, Qualifizierung von Multiplikatoren, Weiterbildungen zum gesunden Führen) ausgeben, ohne dass die Beschäftigten diese Zu­wen­dun­gen als geldwerten Vorteil versteuern müssen. Auch zur Sozialversicherung sind die Ausgaben bei­trags­frei. Die Leistungen des Arbeitgebers müssen allerdings zusätzlich zum ohnehin ge­schul­de­ten Arbeitslohn erbracht werden.

Verhaltensbezogene Präventionsmaßnahmen: Zertifizierung notwendig

Zuschüsse des Arbeitgebers zu verhaltensbezogenen Präventionsmaßnahmen wie beispielsweise Rückenschulen oder Yogakurse sind seit dem 1. Januar 2020 nur dann steuer- und beitragsfrei, wenn die Kurse zertifiziert sind. Die Mehrzahl der Krankenkassen hat die Zentrale Prüfstelle Prä­ven­ti­on mit der Prüfung und Zertifizierung von Kursangeboten beauftragt. Diese prüft und zer­ti­fi­ziert die angebotenen Kurse zentral für alle teilnehmenden Krankenkassen. Werden die Prüf­kri­te­ri­en erfüllt, wird ein Prüfsiegel vergeben und der Kurs ist zertifiziert.

So erkennen Sie zertifizierte Maßnahmen

Die Prüfstelle stellt Formulare zur Verfügung, mit denen Arbeitnehmer nachweisen können, dass sie an einer zertifizierten Maßnahme teilgenommen haben. Diese vom Kursleiter unterschriebene Teilnahmebescheinigung enthält beispielsweise die Kursidentifikationsnummer der jeweiligen Prüf­stel­le sowie einen Zahlungsnachweis. Die steuerfreien Arbeitgeberleistungen zur Ge­sund­heits­för­de­rung erfassen Arbeitgeber im Lohnkonto des jeweiligen Arbeitnehmers (§ 4 Abs. 2 Nr. 4 LStDV).

Beispiel aus der Praxis

Ein Arbeitnehmer besucht in seiner Freizeit achtmal einen Yogakurs. Er legt seinem Arbeitgeber die von der Kursleitung unterschriebene Teilnahmebescheinigung, den erhaltenen Nachweis über die Zertifizierung des Kurses sowie einen Nachweis über den gezahlten Betrag von 112 Euro vor. Der Arbeitgeber erstattet dem Arbeitnehmer daraufhin diesen Betrag.

Die Erstattung des Arbeitgebers in Höhe von 112 Euro ist steuer- und beitragsfrei.

Arbeitgeberwechsel und Mehrfachbeschäftigung

Der Freibetrag von 600 Euro gilt pro Kalenderjahr und pro Arbeitnehmer. Wird er überschritten, ist nur der übersteigende Betrag steuer- und beitragspflichtig. Bei einem Arbeitgeberwechsel wichtig zu wissen: Der Freibetrag muss nicht aufgeteilt werden. Der Arbeitnehmer kann bei einem Arbeitgeberwechsel den Freibetrag zweifach pro Jahr in Anspruch nehmen. Auch bei Mehrfachbeschäftigten steht der Freibetrag dem Arbeitnehmer je Arbeitgeber in voller Höhe zu.

Maßnahmen zur Betrieblichen Gesundheitsförderung: was hier gilt

Betriebliche Gesundheitsförderung im Sinne des § 20b SGB V versteht sich als ein Prozess zum Auf­bau und zur Stärkung gesundheitsförderlicher Strukturen im Betrieb. Darin werden auf Grund­la­ge einer Analyse der gesundheitlichen Situation Maßnahmen zur gesundheitsförderlichen Arbeitsgestaltung sowie verhaltensbezogene Maßnahmen zur Unterstützung eines ge­sund­heits­för­der­li­chen Arbeits- und Lebensstils entwickelt. Verhaltensbezogene Interventionen, wie zum Beispiel eine „bewegte Pause“, die im Rahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung durch­ge­führt wird und sich generell an die Belegschaft im Unternehmen oder an Teilgruppen (etwa ältere Beschäftigte oder Auszubildende) richten, sind steuer- und beitragsfrei, wenn sie den vom Spit­zen­ver­band der Krankenkassen festgelegten Kriterien (siehe GKV-Leitfaden Prävention) ent­spre­chen.

Abtretungserklärungen an die Krankenkasse nicht möglich

Unternehmen, die ihre Beschäftigten mit Maßnahmen zur Betrieblichen Gesundheitsförderung unterstützen möchten, wenden sich am besten in einem ersten Schritt an die AOK. Die An­sprech­part­ner für Betriebliche Gesundheitsförderung finden Sie online. Die Unterstützung der AOK zur Betrieblichen Gesundheitsförderung kann in persönlicher, sächlicher und/oder finanzieller Form erfolgen. Wichtig für Betriebe: Eine nachträgliche Finanzierung oder Förderung von Maßnahmen durch die AOK ist nicht möglich (keine Abtretungserklärungen). Betriebe sollten die Förderung daher stets vor dem Beginn einer Maßnahme beantragen.

Angebote der AOK

Wie eine Unterstützung der AOK bei der Betrieblichen Gesundheitsförderung aussehen kann, kon­krete Angebote der Gesundheitskasse, Best-Practice-Beispiele und Ansprechpartner finden Sie auf dem AOK-Fachportal für Arbeitgeber.

Stand

Erstellt am: 14.04.2020

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