Praxisbeispiel: liebevolle Pflege durch wertschätzenden Umgang

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Anerkennung und Wertschätzung für ihre Arbeit erfahren, sind Studien zufolge deutlich zufriedener, motivierter und weniger krank als diejenigen, denen keine Wertschätzung entgegengebracht wird. Ein Unternehmen, für das die Wertschätzung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine zentrale Rolle spielt, ist der ambulante Pflegedienst „Liebevolle Pflege“ in Bad Kösen.

Hohe Belastungen und Unzufriedenheit in der Pflegebranche

Eine Branche, in denen Beschäftigte besonders häufig über hohe Belastungen und Un­zu­frie­den­heit berichten, ist die Pflegebranche. Aufgrund der demografischen Entwicklung werden die An­for­de­run­gen an Pflegekräfte in Deutschland sich tendenziell weiter erhöhen. Umso wichtiger ist es, Gesundheitsförderung und Prävention für die Beschäftigten in der Pflege anzubieten, damit sie gesund bleiben und ihren Beruf lange und gerne ausüben können.

Einer der einflussreichsten Faktoren für die Gesundheit und Zufriedenheit am Arbeitsplatz ist Wert­schät­zung (siehe z. B. Fisher, Cynthia, D., 2014). Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die An­er­ken­nung und Wertschätzung für ihre Arbeit erfahren, sind deutlich zufriedener, motivierter und weniger krank als diejenigen, denen keine Wertschätzung entgegengebracht wird.

Ein Unternehmen, für das die Wertschätzung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine zentrale Rolle spielt, ist der ambulante Pflegedienst „Liebevolle Pflege“ in Bad Kösen. Im Gespräch schil­der­te Petra Urlau, Pflegedienstleiterin und Vorgesetzte der 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in dem 2016 gegründeten Unternehmen, wie bei der „Liebevollen Pflege“ Wertschätzung konkret umgesetzt wird, um die Zufriedenheit und die Gesundheit der Mitarbeitenden zu erhalten und zu fördern.

Die Mitarbeiter stehen an erster Stelle

Bei der „Liebevollen Pflege“ stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer an erster Stelle. „Ich finde es sehr wichtig als Vorgesetzte zu wissen, wie es meinen Mitarbeitern geht. Das ist meiner Erfahrung nach in vielen Unternehmen leider aber nicht der Fall.“ Bevor Sie vor drei Jah­ren gemeinsam mit ihrem Sohn den Pflegedienst „Liebevolle Pflege“ gründete, arbeitete Petra Urlau in größeren Pflegeheimen, in denen eine Arbeitsatmosphäre herrschte, die Sie auf gar kei­nen Fall noch einmal erleben möchte. „Die Chefs in größeren Heimen sind meistens sehr weit weg von der Praxis und wissen oft gar nicht, was ihre Mitarbeiter belastet. Dazu stehen sie nicht selten selbst unter enormem wirtschaftlichen Druck, den sie dann an die Mitarbeiter wei­ter­ge­ben.“ Dies schaffe eine Atmosphäre, die gute soziale Beziehungen im Team und Wohlfühlen gar nicht erst möglich mache.

Ihr Anspruch als Führungskraft ist es deswegen, dass sie sich immer Zeit für ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nimmt. „Ich bin Ansprechpartnerin für meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wenn sie nicht zu mir kommen mit ihren Anliegen, kann ich ja nichts ändern. Deswegen ist mir das ganz wichtig. Und wenn wir uns zusammensetzen und reden finden wir eigentlich immer gemeinsam eine Lösung.“ Das bestätigt auch Lisa, eine ihrer Mitarbeiterinnen: „Petra hat immer ein offenes Ohr, macht sich Gedanken und hat immer eine Lösung parat. Nicht nur bei privaten Problemen, auch fachlich. Außerdem kommuniziert sie auf Augenhöhe mit uns und nicht wie manche Chefs von oben herab. Ihr ist wichtig, dass wir Mitarbeiter uns weiterentwickeln und es uns gut geht. Immer wenn ich einen anstrengenden und stressigen Tag hatte, oder es einfach zu viel war, komme ich hierhin und Petra ist für mich da. Sie nimmt den Druck weg.“

Dass versucht wird, auf die Bedürfnisse jeden einzelnen Mitarbeiters einzugehen, spiegelt sich auch darin wieder, dass jeder Mitarbeiter neben dem Arbeitsvertrag auch eine „Zu­satz­ver­ein­ba­rung“ hat, in der individuelle Bedürfnisse und Wünsche bezüglich der Arbeitszeitgestaltung und andere persönliche Anliegen festgehalten sind. „Eine Mitarbeiterin möchte zum Beispiel nur Früh­dienst machen und nur alle 14 Tage am Wochenende arbeiten.“ Einer anderen Mitarbeiterin wird ermöglicht, dass sie ihre Ausbildung berufsbegleitend machen kann. „Einen der beiden Tage, die sie wegen der Ausbildung fehlt, muss sie reinarbeiten, den anderen Tag kriegt sie geschenkt“. Bei der „Liebevollen Pflege“ gibt es außerdem keine Teildienste mehr, was von den Mitarbeiterinnen sehr gut angenommen wird. „Auf die individuellen Bedürfnisse und Lebensplanung der einzelnen Mitarbeitenden einzugehen, ist mir sehr wichtig und es zahlt sich auch aus. Wenn alle zufrieden sind, kommen sie auch, wenn sie eingetragen sind. Bei uns klappt das wunderbar.“, so Petra Urlau.

Vertrauen als Basis

Voraussetzung dafür, dass die Beschäftigten Petra Urlau als Ansprechpartnerin bei Problemen aufsuchen, ist natürlich Vertrauen. Petra Urlau versucht, dieses Vertrauen aufzubauen, indem sie immer wieder das Gespräch mit einzelnen Mitarbeitern sucht. Und zwar nicht mal eben so zwi­schen Tür und Angel, sondern „man muss sich Zeit nehmen, eine lockere Atmosphäre schaffen, und die Mitarbeiter nicht bedrängen.“ Und Probleme, die das Team betreffen, spricht sie in den regelmäßigen Teamrunden an, ohne aber dabei Namen zu nennen – denn das würde das Ver­trau­en verletzen.

Damit auch Vertrauen und gute Beziehungen unter den Kollegen entstehen können, werden viele Gelegenheiten für lockeren Austausch geschaffen. Die regelmäßigen Teamrunden beginnen im­mer mit lockerem Austausch. Im Büro des Pflegedienstes in Bad Kösen gibt es immer selbst­ge­ba­cke­ne Leckereien, oft backen die Mitarbeiter und manchmal sogar Kunden. Für die weniger sü­ßen Mitarbeiter ist aber auch immer Wurst und Käse im Kühlschrank. Einmal im Quartal geht das gesamte Team außerdem gemeinsam essen. Vorschläge dafür kommen oft von den Mitarbeitern. Auch bei der Planung der jährlichen Weihnachtsfeier werden die Mitarbeiterinnen und Mit­ar­bei­ter mit einbezogen. Denn, so Petra Urlau, „es muss etwas sein, dass allen Spaß macht.“ Nach­dem ein Ausflug mit jungen Müttern und deren Kindern im letzten Jahr sehr gut ankam, ver­an­stal­tet der Pflegedienst in diesem Jahr einen Ausflug für die ganze Familie – eine Geste der Wert­schät­zung gegenüber den Mitarbeitern sowie deren Familien.

Gemeinsame Unternehmungen und informeller Austausch sind ein Baustein guter und ge­sund­heits­för­der­li­cher sozialer Beziehungen am Arbeitsplatz. Wichtig ist außerdem, dass die Mitarbeiter zueinander passen und Teamplayer sind. Darauf achtet Petra Urlau bereits bei der Einstellung. „Ich achte da auf mein Bauchgefühl. Ego-Menschen passen gar nicht zu uns und die lehne ich direkt ab. Wer nicht im Team denken kann, ist hier nicht richtig.“ Die familiäre Atmosphäre im Team, auch zu ihrer Vorgesetzten, und die gute Stimmung im Team haben sich mittlerweile he­r­um­ge­spro­chen und der Pflegedienst „Liebevolle Pflege“ hat laut Petra Urlau in der Region einen „guten Ruf“. Deshalb habe sie auch keine Probleme, neues Personal zu finden.

Wertschätzung durch Anerkennung, Rückendeckung und Weiterbildungsangebote

Wertschätzung steckt für Petra Urlau in den kleinen Dingen. Für gute Leistung oder besonderes Engagement, wie zum Beispiel bei der MDK-Prüfung, gibt es für die Mitarbeiter eine kleine Auf­merk­sam­keit als Dankeschön. Ebenso dürfen sich alle, Patienten wie Mitarbeiter, zu Ostern und Weihnachten über eine kleine Überraschung freuen und Geburtstage werden ebenfalls gefeiert. Bei alldem ist Petra Urlau wichtig, auf den einzelnen Mitarbeiter einzugehen. Die Geschenke wer­den individuell ausgesucht: „Ich weiß ja mittlerweile, wer sich mehr über einen Kinogutschein oder Schokolade oder Kosmetik freut.“

Wertschätzung drückt Petra Urlau obendrein durch Rückendeckung aus, wenn Kunden oder Angehörige sich beschweren. „Ich lasse mir die Situation ganz in Ruhe von meinen Mitarbeitern erzählen. Im Zweifel stehe ich immer hinter meinen Mitarbeitern, da müssen sich Kunden eben einen anderen Pflegedienst suchen, wenn sie unzufrieden sind.“

Weiterbildungen sind ein weiterer Baustein der wertschätzenden Kultur bei der „Liebevollen Pfle­ge“. Ziel ist, allen Mitarbeitern Zugang zu Weiterbildungsmöglichkeiten zu geben. Mindestens einmal im Monat werden für alle, meistens im Rahmen der Teamsitzungen, Schulungen an­ge­bo­ten. Dazu kommen oft externe Referenten und Referentinnen nach Bad Kösen und schulen das ganze Team. Und wenn Petra Urlau zu einer externen Weiterbildung fährt, begleitet sie stets mindestens einer ihrer Mitarbeiter.

Die Bemühungen zahlen sich aus

All diese Bemühungen, immer für die Mitarbeiter da zu sein, sich Zeit zu nehmen, An­sprech­part­ne­rin zu sein und die Bedürfnisse der Mitarbeiter auf dem Schirm zu haben, kosten Petra Urlau natürlich Ressourcen. Doch es ist eine gute Investition. „Ich bekomme persönlich viel von meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zurück. Sie machen sich Gedanken, wie sie mir eine Freude machen können, zum Geburtstag, zu meiner Silberhochzeit oder einfach so eine kleine An­er­ken­nung als Dankeschön.“ Das Vertrauen aufzubauen lohne sich allemal: „Meine Mitarbeiter sind sehr engagiert. Wenn eine Kollegin oder ein Kollege ausfällt wegen Krankheit, dann organisieren sie zum Beispiel selber, wie sie die Arbeit untereinander aufteilen, um sie zu bewältigen.“

Dass sich das Bemühen um eine wertschätzende, familiäre Atmosphäre auszahlt, merke man außerdem daran, dass die Mitarbeiter gerne zur Arbeit kommen. Und am Ende sind auch die Patienten und Angehörigen sehr zufrieden. „Was ich anderen Unternehmen mit auf den Weg geben möchte, ist, dass das Wohlbefinden der Mitarbeiter im Mittelpunkt stehen muss. Aber wenn die Mitarbeiter zufrieden sind, dann machen sie auch gute Arbeit und dann sind auch die Kunden zufrieden. Die eigenen Mitarbeiter muss man tagtäglich pflegen.“

So unterstützt die AOK Sachsen-Anhalt

Die AOK, als Ihr kompetenter Gesundheitspartner, berät und unterstützt Unternehmen der Pflegebranche auf dem Weg zur gesunden Pflegeeinrichtung. Unsere konkreten Angebote finden Sie hier. Gemeinsam mit der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) veranstaltet die AOK Sachsen-Anhalt zudem regelmäßige Netzwerktreffen „Zukunft Pflege“ (die aktuellen Termine finden Sie weiter unten im Newsletter). Am 27. Mai 2020 findet, ebenfalls in Kooperation mit der BGW, eine Fachtagung zum Thema „Dienstplanung in Pflege- und Betreuungseinrichtungen – Perspektiven einer gesundheitsförderlichen Gestaltung“ statt. Nähere Informationen dazu folgen.

Stand

Erstellt am: 11.03.2020

Kontakt zur AOK Sachsen-Anhalt AOK/Region ändern
Grafik Ansprechpartner
Nehmen Sie direkten Kontakt zu Ihrem persönlichen Ansprechpartner auf.
Telefon Icon
Hotline 0800 226 5354
24 Std. rund um die Uhr kostenlos aus dem deutschen Fest- & Mobilfunknetz
Grafik e-mail
Melden Sie uns Ihr Anliegen, wir antworten umgehend oder rufen Sie zurück.