Überblick: Fehlzeiten – eine Definition

Der jährliche Fehlzeiten-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigt: Der Krankenstand bei den erwerbstätigen AOK-Mitgliedern ist in den vergangenen Jahren insgesamt konstant geblieben. Der Anteil psychischer Erkrankungen hat stark zugenommen.

Fehlzeiten durch Krankenstand

Fehlzeiten sind per Definition des Gabler Wirtschaftslexikons in Stunden oder Tagen gemessene Abwesenheiten der Mitarbeiter vom Arbeitsplatz. Unterschieden werden dabei verschiedene Arten von Fehlzeiten. Neben krankheitsbedingten Abwesenheiten gibt es Abwesenheiten durch Fortbildung und Zusatzurlaub oder sogenannte motivational bedingte Abwesenheiten, die ein Anzeichen für fehlende Arbeitszufriedenheit sein können. Solche „Minusstunden“ werden allerdings bei Fehlzeitenstatistiken ebenso wenig berücksichtigt wie Fehlzeiten durch Zusatzurlaub oder Weiterbildung. 

Es geht im Fehlzeiten-Report der AOK-Gemeinschaft vielmehr darum, durch die systematische Untersuchung von Arbeitsunfähigkeit, die meist durch Krankheit verursacht wird, Rückschlüsse über den Gesundheitszustand von Beschäftigten zu ziehen.

Der Fehlzeiten-Report 2021 für AOK-Mitglieder

Der Fehlzeiten-Report 2021 basiert auf anonymisierten Daten von 14,1 Millionen AOK-versicherten Arbeitnehmern, die 2020 in mehr als 1,6 Millionen Betrieben beschäftigt waren. Demnach blieb der Krankenstand im Jahr 2020 im

Vergleich zum Vorjahr unverändert und lag bei 5,4 Prozent. Jeder AOK-versicherte Beschäftigte hat im Durchschnitt 19,9 Tage aufgrund einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung am Arbeitsplatz gefehlt. Zum Vergleich: 2019 waren es 19,8 Tage je AOK-Mitglied.

Am häufigsten waren Muskel-Skelett-Erkrankungen (22,1 Prozent). Danach folgten psychische Erkrankungen (12 Prozent), Atemwegserkrankungen (11,8 Prozent) und Verletzungen (10 Prozent) sowie Erkrankungen des Kreislaufsystems und der Verdauungsorgane (5,1 bzw. 4,2 Prozent). Damit ist der Anteil der psychischen Erkrankungen erneut gestiegen (+0,1 Prozentpunkte), während der Anteil aller anderen Krankheiten gesunken oder gleichgeblieben ist. Seit 2010 haben die Krankheitstage aufgrund psychischer Erkrankungen um 56 Prozent zugenommen. Außerdem führen diese Erkrankungen nach wie vor zu auffallend langen Ausfallzeiten. Mit 30,3 Tagen je Fall dauerten sie 2020 mehr als doppelt so lange wie der Durchschnitt mit 13,8 Tagen je Fall.

Auswirkungen der Coronapandemie

Im Vergleich zur Situation vor der Pandemie ist unter den AOK-versicherten Erwerbstätigen also insgesamt kein höherer Krankenstand festzustellen. Dies liegt laut WIdO-Angaben in einem gegenläufigen Effekt begründet: Einerseits ist die Zahl der Arbeitsunfähigkeitsfälle im betrachteten "Pandemie-Zeitraum" von März 2020 bis Juli 2021 gegenüber dem Vergleichszeitraum vor der Krise gesunken. Andererseits waren in der Pandemie aber längere krankheitsbedingte Ausfallzeiten der Beschäftigten zu verzeichnen.

Wegen Covid-19 krankgeschrieben

Von März 2020 bis Juli 2021 erhielten insgesamt 3,2 Prozent der AOK-versicherten Erwerbstätigen mindestens eine Krankschreibung aufgrund einer Covid-19-Diagnose. Ein Vergleich der Berufsgruppen für den gleichen Zeitraum macht deutlich, dass soziale Berufe besonders stark von Covid-19-Infektionen betroffen waren. An der Spitze des Rankings stehen Berufe in der Betreuung und Erziehung von Kindern (6.609 Krankschreibungen je 100.000 AOK-Mitglieder), gefolgt von Berufen der Ergotherapie (5.867 Krankschreibungen je 100.000 AOK-Mitglieder). Auf den weiteren Plätzen folgen Berufe in der Gesundheits- und Kranken- und Altenpflege.

WIdO
Fehlzeiten-Report 2021

Der Fehlzeiten-Report 2021 des WIdO beleuchtet das Thema “Betriebliche Prävention stärken – Lehren aus der Pandemie“. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf  der Resilienz von Unternehmen und Mitarbeitern.

Viele Faktoren beeinflussen den Krankenstand

Gesunde Bedingungen im Betrieb zu fördern hilft, krankheitsbedingte Fehlzeiten zu vermeiden oder gering zu halten. Auch das gesundheitsgerechte Verhalten der Beschäftigten wird dadurch gestärkt.

Ein gutes Betriebsklima trägt beispielsweise dazu bei, dass Kollegen eher bereit sind, krankheitsbedingte Ausfälle durch Mehrarbeit zu kompensieren.

Gesunde Führung und eine konstruktive Fehlerkultur sind weitere wichtige Bausteine.

Auch eine Analyse der Fehlzeiten hilft dabei, den Krankenstand zu senken: Sie gehört in den meisten Unternehmen aus gutem Grund zum Alltag, da sie viele Ansatzpunkte bietet, um mögliche Probleme zu erkennen. Unternehmensstatistiken allein lassen aber noch keine belastbaren Rückschlüsse zu. Hier können Krankenkassen mit Ursachen- und Krankenstandsanalysen weiterhelfen. Zudem bedarf es der fachkundigen Auswertung und Interpretation der Ergebnisse, um zielführende Maßnahmen ableiten zu können.

Es ist eine der wichtigsten Aufgaben einer Unternehmensleitung, die krankheitsbedingten Fehlzeiten im Unternehmen unter die Lupe zu nehmen und daraus Schlüsse für ein gesundes Unternehmen zu ziehen. Dabei kann die Analyse der AOK eine gute Basis für Maßnahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung sein.

Unterstützung der AOK

Die AOK hat große Erfahrung mit Krankenstands- und Ursachenanalysen in Unternehmen. Altersstufen, Geschlecht, Lohnfortzahlungszeit und Krankengeldbezugszeit werden differenziert dargestellt. Diagnosegruppen ohne Personenbezug, aber sofern möglich nach Abteilungen, geben Aufschluss über die Ursachen der krankheitsbedingten Fehlzeiten. Dabei wird höchster Wert auf Datenschutz gelegt. Firmenspezifische Daten können mit anderen Durchschnittswerten, etwa aus derselben Branche, verglichen werden. Unsere Experten helfen gern weiter.

Stand

Zuletzt aktualisiert: 16.09.2021

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