Expertenforum - Sozialversicherung Student

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Expertenforum

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  • 01
    Sozialversicherung Student
    Sehr geehrte Damen und Herren,
    wir beabsichtigen einen Studenden als Minijobber mit höchstens 450 € einzustellen. Er bezieht zur Zeit kein Bafög, da er ein Auslandssemester beginnen wollte, dass er selbst wegen der Pandemie aber abgesagt hat. Außerdem gibt er auf freiberuflich/selbständiger Basis Nachhilfeunterricht mit ca. 8 Stunden und somit 80 € pro Monat.
    Meine Frage:
    Müssen wir bei der Anstellung etwas sozialversicherungsrechtlich Besonderes berücksichtigen? Der Student ist doch selbst bzw. da unter 25 noch familienversichert in der Krankenversicherung.
    Was passiert mit der freiberuflichen Tätigkeit. Muss er hierfür Sozialversicherung (Kranken- u. evtl. Rentenversicherung) bezahlen? (Dies hatte er uns gefragt, wir sind uns aber hierüber sehr unsicher.
    Vielen Dank und viele Grüße
    AnnettB
  • 02
    RE: Sozialversicherung Student
    Hallo AnnettB,
     
    in Ihrem Sachverhalt ist zunächst vordergründig zu klären, ob die zu beurteilende Person tatsächlich noch zum Personenkreis des ordentlichen Studierenden gehört. Nur dann können die sozialversicherungsrechtlichen Regelungen für Werkstudenten Anwendung finden.
    Voraussetzung für die Anwendung der Vorschriften über die Versicherungsfreiheit der von Studenten ausgeübten Beschäftigungen ist die Zugehörigkeit zum Personenkreis der ordentlichen Studierenden. Zu den ordentlichen Studierenden gehören diejenigen, die an einer Hochschule oder einer der fachlichen Ausbildung dienenden Schule eingeschrieben (immatrikuliert) sind und deren Zeit und Arbeitskraft überwiegend durch das Studium in Anspruch genommen werden.

    Personen, die neben ihrem Studium nicht mehr als 20 Stunden „wöchentlich“ beschäftigt sind, gehören ihrem Erscheinungsbild nach grundsätzlich zu den Studierenden und nicht zu den Arbeitnehmern. Die Höhe des Arbeitsentgelts ist dabei ohne Bedeutung.

    Bei Studenten, die mehrere Beschäftigungen nebeneinander oder eine Beschäftigung neben einer „selbständigen Tätigkeit“ ausüben, sind zur Prüfung der Frage, ob die 20-Wochenstunden-Grenze erreicht oder überschritten wird, die wöchentlichen Arbeitszeiten der nebeneinander ausgeübten Beschäftigungen oder der Beschäftigung und der daneben ausgeübten „selbständigen Tätigkeit“ zusammenzurechnen. Ergibt die Zusammenrechnung, dass die wöchentliche Arbeitszeit insgesamt mehr als 20 Stunden beträgt, ist nicht mehr vom Erscheinungsbild eines ordentlichen Studierenden auszugehen.

    Im Zweifelsfall empfehlen wir Ihnen, sich mit der zuständigen Krankenkasse in Verbindung zu setzen, um von dieser eine versicherungsrechtliche Beurteilung vornehmen zu lassen.
     
    Bei der Familienversicherung ist folgendes zu berücksichtigen:

    Verfügen Familienangehörige über ein Gesamteinkommen, das regelmäßig im Monat 1/7 der monatlichen Bezugsgröße (2020: 455,00 €) überschreitet, unterstellt der Gesetzgeber, dass bei diesen Personen kein Schutzbedürfnis vorliegt. Deshalb ist eine Familienversicherung in diesen Fällen ausgeschlossen.
     
    Als Gesamteinkommen werden die Summe aller Einkünfte im Sinne des Einkommensteuerrechts definiert. Dabei kann es sich z.B. um Einkünfte aus „selbständiger Tätigkeit“ oder auch um Arbeitsentgelt aus einer geringfügig entlohnten Beschäftigung handeln. Dagegen ist die Einkommensgrenze von 450,00 € bei der Prüfung der Voraussetzungen der Familienversicherung immer nur dann zu berücksichtigen, sobald der Familienangehörige auch Arbeitsentgelt aus einem geringfügig entlohnten Beschäftigungsverhältnis erzielt.
     
    Sofern aufgrund des Überschreitens der 450,00 €-Grenze eine Familienversicherung nicht mehr möglich ist, erfolgt die Sicherstellung des Krankenversicherungsschutzes im Rahmen der Krankenversicherung der Studenten (KVdS).  
     
    Zur rechtsverbindlichen Abklärung des Versicherungsschutzes empfehlen wir der betroffenen Person, die für sie zuständige Krankenkasse zu kontaktieren.
     
    Mit freundlichen Grüßen

    Ihr Expertenteam
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