Expertenforum - Beitragslast in der Personengruppe 122

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Expertenforum

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Fragen zum Jahreswechsel

Zum Jahresbeginn 2021 und auch schon im Herbst 2020 stehen wieder zahlreiche Neuerungen in der Sozialversicherung auf dem Programm. Darüber informieren wir bereits ab September in einem Themenspezial. Für Fragen zu den einzelnen Themen haben wir ein spezielles Expertenforum Jahreswechsel eingerichtet.

  • 01
    Beitragslast in der Personengruppe 122
    Guten Tag,

    wir haben eine Frage zur Personengruppe 122.

    Wie ist dort die Beitragslast verteilt? Trägt der Arbeitgeber hier alle SV-Beiträge oder gibt es eine paritätische Verteilung?

    Danke und viele Grüße

    Frederic Louven
  • 02
    RE: Beitragslast in der Personengruppe 122
    Hallo Herr Louven,

    der Arbeitgeber trägt für die zur Berufsausbildung Beschäftigten für die einzelnen Versicherungszweige den Gesamtsozialversicherungsbeitrag allein, wenn Versicherte, die zu ihrer Berufsausbildung beschäftigt sind, ein Arbeitsentgelt erzielen, das auf den Monat bezogen 325 € nicht übersteigt (§ 20 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 SGB IV).

    Bis 31.12.2019 galt diese Regelung auch bei Auszubildenden, die in einer außerbetrieblichen Einrichtung im Rahmen eines Berufsausbildungsvertrages nach dem BBiG ausgebildet werden und deren monatliches Arbeitsentgelt die Geringverdienergrenze von 325 € übersteigt (Personengruppenschlüssel „122“). Durch das „Gesetz zur Modernisierung und Stärkung der beruflichen Bildung (BBMoSG)“ wurde die bisher geltende Regelung für diesen speziellen Personenkreis zum 01.01.2020 aufgehoben.

    Wird die Grenze von 325 € überschritten, gilt die paritätische Beitragstragung seit 01.01.2020 auch für diesen Personenkreis.

    Mit freundlichen Grüßen

    Ihr Expertenteam
  • 03
    RE: Beitragslast in der Personengruppe 122
    Hallo!
    ich arbeite in einer Bildungseinrichtung.

    Die Abrechnung der überbetrieblichen Auszubildenden erfolgt AUCH seit 01.01.2020 weiterhin mit Personengruppe 122, wobei ALLE SV-Beiträge beim Arbeitgeber liegen.
    Ihre Aussage:
    "Wird die Grenze von 325 € überschritten, gilt die paritätische Beitragstragung seit 01.01.2020 auch für diesen Personenkreis." würde bedeuten, dass seit Januar alle Abrechnungen von Auszubildenden , die vor 2020 ihre Ausbildung begonnen haben falsch wären. (Und das bisher weder bei Datev noch bei der Agentur für Arbeit aufgefallen wäre....)
    Die Ausbildungsvergütung liegt ab 08/2020 bei 391,00€ bis 438,80€ (bei Ausbildungsbeginn vor dem 01.012020).

    Meines Wissens gilt die paritätische Aufteilung erst bei Ausbildungen mit Beginn ab dem 01.012020. - Ab diesem Zeitpunkt gilt auch die Mindestvergütung lt. BBiG.

    Das große Problem hierbei - was mich in dieses Forum geführt hat ist, die Frage wie außerbetriebliche Auszubildende mit Ausbildungsbeginn 2020 überhaupt abzurechnen sind.

    Personengruppe 122 ist ausdrücklich vorgeschrieben, löst aber systemseitig KEINE Aufteilung der Beiträge aus, muss meines Wissens so auch weiter bestehen, da noch "Altfälle" mit geringerer Vergütung nach diesem Prinzip abzurechnen sind und lässt sich daher eigentlich für neue Auszubildende nicht anwenden.

    Eigentlich wollte ich neue Azubis einfach auf die 102 setzen, was aber wohl falsch wäre, da die 102 ausdrücklich NICHT für außerbetriebliche Auszubildende gilt. - Eine Andere Möglichkeit SV-Beiträge in Abzug zu bringen, ist mir nicht bekannt.

    Daher frage ich mich, wie diese Abrechnung nun erfolgen muss.

    Mfg
    NicoleU
  • 04
    RE: Beitragslast in der Personengruppe 122
    Hallo NicoleU,

    aufgrund einiger widersprüchlicher Aussagen zur Umsetzung der von Ihnen aufgeworfenen Problematik, haben wir uns nochmals intensiv mit dieser Thematik auseinandergesetzt. Daher bedanken wir uns für Ihren Hinweis und ergänzen in diesem Punkt unsere an den „User“ Frederic Louven gemachten Angaben mit folgenden Informationen:
     
    Mit dem Gesetz zur Modernisierung und Stärkung der beruflichen Bildung vom 12.12.2019 ist seit 01.01.2020 eine Mindestausbildungsvergütung auch für außerbetriebliche Berufsausbildungen eingeführt worden (§ 17 BBiG). Als Folge der Berücksichtigung der Mindestausbildungsvergütung sind zu diesem Zeitpunkt auch die Regelungen zur Tragung der Sozialversicherungsbeiträge angepasst worden.
     
    Die alleinige Tragung der Beiträge für Auszubildende in der außerbetrieblichen Berufsausbildung durch den Träger der Einrichtung wurde aufgegeben; die Beiträge werden künftig – wie bei den Auszubildenden in der betrieblichen Berufsausbildung – je zur Hälfte von den Auszubildenden und den Arbeitgebern/Trägern der Einrichtung aufgebracht. Für vor dem 01.01.2020 begonnene außerbetriebliche Ausbildungen gelten die bisherigen beitragsrechtlichen Regelungen fort (§ 449 SGB III, § 329 SGB V und § 276 SGB VI).
     
    Zur Beantwortung Ihrer zweiten Frage teilen wir Ihnen mit, dass der für diesen Personenkreis gültige Personengruppenschlüssel „122“ auch weiterhin Anwendung findet.
     
    Da sich die von Ihnen beschriebenen Schwierigkeiten bei der Schlüsselung im Abrechnungsprogramm für uns nicht nachvollziehen lassen, empfehlen wir Ihnen, dazu den zuständigen Softwareanbieter zu kontaktieren.
     
    Mit freundlicher Grüßen

    Ihr Expertenteam
  • 05
    RE: Beitragslast in der Personengruppe 122
    Vielen Dank!

    Ihre Empfehlung war richtig - die Nachfrage beim Softwareanbieter lief parallel und hat ergeben: das Problem ist bekannt und an einer Lösung wird gearbeitet.
    (Leider ist momentan eine korrekte Abrechung nicht möglich, wir werden nach dem entsprechenden Update korrigieren müssen.)

  • 06
    RE: Beitragslast in der Personengruppe 122
    Hallo NicoleU,
    wir bedanken uns für Ihre Rückmeldung.
    Mit freundlichen Grüßen
    Ihr Expertenteam
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