Wenn Mitarbeiter einen Nebenjob aufnehmen
03.06.2020 | Kurzarbeit

Wenn Mitarbeiter einen Nebenjob aufnehmen

Für Arbeitnehmer in Kurzarbeit ist es nach einer Gesetzesänderung attraktiver, einen Nebenjob aufzunehmen. Was Arbeitgeber in der Corona-Krise bei Mitarbeitern mit Zweitjob beachten müssen.

Sonderregeln während der Corona-Krise

Seit Anfang Mai 2020 gilt für alle Berufe eine vorübergehende Sonderregelung bis Ende Dezember 2020: Bei der Berechnung des Kurzarbeitergelds wird der Verdienst aus dem Zweitjob dem Ist-Entgelt nicht hinzugerechnet. Dabei darf das Entgelt aus der neu aufgenommenen Nebentätigkeit zusammen mit dem Verdienst aus der Hauptbeschäftigung (Ist-Entgelt) und dem Kurzarbeitergeld das Nettoentgelt nicht übersteigen. Diese Sonderregel war schon im April für Nebentätigkeiten in systemrelevanten Branchen in Kraft getreten und wurde nun ausgeweitet.

Nebentätigkeit bei Kurzarbeit erlaubt

Arbeitnehmer in Kurzarbeit können mit einem Nebenjob ihr Einkommen aufbessern. Unternehmen müssen diese Nebentätigkeit gestatten, solange sie mit der reduzierten Tätigkeit während der Kurzarbeit im Unternehmen zu vereinbaren ist. Arbeitnehmer müssen ihren Zweitjob beim Arbeitgeber melden und eine Nebeneinkommensbescheinigung des zweiten Arbeitgebers abgeben. Normalerweise wurden Nebenverdienste bei Kurzarbeit immer auf das Kurzarbeitergeld angerechnet.

Mit der neuen Ausnahmeregelung mindert das Einkommen aus einem Nebenjob in den meisten Fällen das Kurzarbeitergeld nicht mehr. Erst bei einem Verdienst über dem normalen Monatseinkommen wird das Kurzarbeitergeld gekürzt. Der Arbeitgeber aus der Hauptbeschäftigung prüft, ob die Grenze der Anrechnungsfreiheit des Nebenverdienstes überschritten wird.

Klaus Müller (ledig, keine Kinder) hat als Vertriebsmitarbeiter normalerweise ein Nettoeinkommen von 2.500 Euro (4.150 Euro brutto). Der Betrieb meldet am 1.4.2020 Kurzarbeit an. Während der Kurzarbeit reduziert sich sein Verdienst auf 0 Euro. Das Kurzarbeitergeld, das durch den Arbeitgeber ausgezahlt wird, beträgt 1.540,57 Euro.

Um die Differenz von 959,43 Euro auszugleichen, nimmt er eine Nebentätigkeit im Supermarkt an. Hierfür erhält er monatlich 450 Euro monatlich.

Die 450 Euro übersteigen den Betrag von 959,43 Euro nicht. Also ist dieser Verdienst anrechnungsfrei.

Eine Nebentätigkeit, die schon vor Beginn der Kurzarbeit ausgeübt wurde, wirkt sich nicht auf die Höhe des Kurzarbeitergelds aus. Wichtig ist, dass der Vertrag schon vor Beginn der Kurzarbeit bestanden hat.

Kurzfristige Aushilfsjobs neben regulärer Tätigkeit

Mitarbeiter können zurzeit länger in einem befristeten Zweitjob beschäftigt werden, auch wenn sie ihre Hauptbeschäftigung in einem anderen Unternehmen haben. Eine Beschäftigung, die zwischen dem 1. März 2020 bis 31. Oktober 2020 ausgeübt wird und auf längstens fünf Monate oder 115 Arbeitstage befristet ist, gilt als kurzfristig und damit als Minijob. Für Beschäftigungen vor und nach diesem Zeitraum gelten die ursprünglichen Zeitgrenzen von drei Monaten oder 70 Arbeitstagen.

Frank Schuster kann seine Haupttätigkeit gänzlich im Homeoffice ausüben. Dadurch fallen täglich vier Stunden Fahrtzeit weg. Diese Zeit füllt er nun mit einer Tätigkeit als Obstpflücker und nimmt zum 1.4.2020 eine zusätzliche Aushilfsbeschäftigung an. Der Verdienst hierfür beträgt 900 Euro im Monat. Die Beschäftigung ist bis zum 31.7.2020 befristet.

Die Aushilfsbeschäftigung ist als kurzfristige Beschäftigung grundsätzlich sozialversicherungsfrei.

Werkstudenten können auch im Semester beschäftigt werden

Bei Beschäftigungen, die von Studenten in den Semesterferien ausgeübt werden, besteht unabhängig vom Umfang der wöchentlichen Arbeitszeit Versicherungsfreiheit in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung aufgrund des Werkstudentenprivilegs. Dies gilt auch während der Pandemie, wenn die Semesterferien über das ursprünglich vorgesehene Ende hinaus ausgeweitet oder verlängert werden.

Nehmen Hochschulen ihren Lehrbetrieb zunächst ohne Präsenzveranstaltungen mit einem begrenzten Onlineangebot wieder auf, lassen sich auch Beschäftigungen mit einer Arbeitszeit von mehr als 20 Wochenstunden – aufgrund der flexibleren Zeiteinteilung bei der Inanspruchnahme von digitalen Lehrangeboten – mit dem Studium vereinbaren. Folglich gilt hier das Werkstudentenprivileg weiterhin und eine Versicherungspflicht in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung tritt ebenso nicht ein.

Wichtig: Das Werkstudentenprivileg gilt nicht mehr, wenn sich Beschäftigungen mit mehr als 20 Wochenstunden im Lauf des Jahres wiederholen und insgesamt mehr als 26 Wochen umfassen. In diesem Fall kommt es zur Versicherungspflicht in der Beschäftigung in allen Versicherungszweigen. Ein Aussetzen oder eine Ausweitung der 26-Wochen-Regelung ist zurzeit nicht vorgesehen.

Student Sven kann seine eigentlich auf die Semesterferien beschränkte Tätigkeit in einem kunststoffverarbeitenden Betrieb im gleichen Umfang von Anfang Februar bis Ende Mai weiterführen.

Seine Uni beginnt aufgrund der Corona-Krise nicht zum 1.4.2020 mit dem Vorlesungsbetrieb. Es sind zunächst keine Präsenzveranstaltungen bis Ende Mai vorgesehen. Die Tätigkeit von Student Sven fällt in der Beurteilung weiterhin unter das Werkstudentenprivileg. Es sind lediglich Beiträge zur Rentenversicherung aus dieser Beschäftigung abzuführen (Personengruppe 106 und Beitragsgruppe 0100).

Stand

Erstellt am: 27.05.2020

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