Betriebliche Gesundheit im August

Lesen Sie im AOK-Arbeitgeber-Newsletter: Arbeitsunfähigkeit wegen Coronavirus * Selbstbestimmte Arbeitszeit * Lebensphasenorientiertes Führen * Schlaf im Corona-Lockdown * Selbsteinschätzung von Führungskompetenz

Arbeitsunfähigkeit wegen Coronavirus im Rheinland und in Hamburg

Beschäftigte aus dem Gesundheitssektor sind im Rheinland und in Hamburg am häufigsten in Verbindung mit einer Corona-Infektion krankgeschrieben worden. Zu diesem Ergebnis kommt die AOK Rheinland/Hamburg, die Daten ihrer Versicherten aus den Monaten März bis Mai 2020 ausgewertet hat, also aus der Corona-Lockdown-Phase. Ein Vergleich der Berufsgruppen zeigt, dass Pflegekräfte in dieser Zeit am stärksten von Covid-19 betroffen waren, auch Medizinische Fachangestellte und Phy­si­o­the­ra­peu­ten haben überdurchschnittlich häufig wegen Corona an ihrem Arbeitsplatz gefehlt.

Von März bis Mai hat die AOK im Rheinland 432 Krankheitsfälle im Zusammenhang mit Covid-19 je 100.000 versicherte Arbeitnehmer registriert. In Hamburg waren es mit 493 je 100.000 AOK-versicherten Beschäftigten rund 0,5 Prozent der AOK-versicherten Erwerbstätigen. Bei den Be­schäf­tig­ten in der Altenpflege übersteigen im Rheinland die Zahlen diesen Wert um das 2,8-Fa­che: In dieser Berufsgruppe hatten 1.209 je 100.000 Beschäftigte coronabedingte Fehlzeiten.

Von den etwa eine Million AOK-versicherten Erwerbstätigen im Rheinland erhielten von März bis Mai 2020 insgesamt rund 4.360 Beschäftigte (0,43 Prozent) von einem Arzt eine Ar­beits­un­fä­hig­keits­be­schei­ni­gung (AU) im Zusammenhang mit einer Covid-19-Diagnose, darunter Frauen häu­fi­ger als Männer. Unter den jüngeren Beschäftigten bis zu 19 Jahren waren solche Krank­mel­dun­gen am häufigsten (0,72 Prozent), bei den 30- bis 39-jährigen Erwerbstätigen am seltensten (0,38 Prozent).

Auch regionale Unterschiede im Covid-19-Infektionsgeschehen spiegeln sich bei der Ar­beits­un­fä­hig­keit wider. Besonders von der Ausbreitung des Virus betroffene Regionen belegen er­war­tungs­ge­mäß bei den AU-Quoten die Spitzenplätze: So wurde im damaligen Corona-Hotspot Kreis Heins­berg 2,32 Prozent der AOK-versicherten Erwerbstätigen eine Krankschreibung im Zu­sam­men­hang mit Covid-19 ausgestellt, die Städteregion Aachen folgt mit 0,61 Prozent, der Rhein-Sieg-Kreis mit 0,56 Prozent. In Regionen wie Essen mit einer AU-Quote von 0,14 Prozent oder dem Oberbergischen Kreis mit 0,19 Prozent wurde hingegen nur ein Bruchteil an co­ro­na­be­ding­ten Fehlzeiten im Vergleich zu den regionalen Hotspots registriert. In Hamburg lag die AU-Quote bei 0,49.

Die Daten der AOK Rheinland/Hamburg zeigen auch, wie sich die Regelung zur telefonischen Krank­schrei­bung bei leichten Erkältungskrankheiten – also ohne Covid-19-Verdacht – ausgewirkt hat. Die Sonderregelung galt bundesweit vom 9. März bis zum 31. Mai. Der Anteil der Atem­wegs­er­kran­kun­gen an allen Diagnosen lag im Rheinland im März 2020 rund vier Prozentpunkte und im April etwa dreieinhalb Prozentpunkte über dem jeweiligen Monatsdurchschnitt der letzten fünf Jahre.

„Dies zeigt, dass sowohl Ärzte als auch Beschäftigte verantwortungsvoll mit der temporären Re­ge­lung zur telefonischen Krankschreibung umgegangen sind“, sagt Rolf Buchwitz. Im Mai sank der Anteil der Atemwegserkrankungen an allen AU-Diagnosen im Rheinland deutlich unter das Niveau der Vorjahre (8,5 Prozent in 2020 im Vergleich zu 13,7 Prozent in den Jahren 2015 bis 2019).

Das Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung erstellt auch – abhängig von der Zahl der AOK-versicherten Beschäftigten – individuelle Analysen der AU-Daten. Bei Fragen dazu wenden Sie sich unter Telefon 0221 27180-119 an Nils-Torsten Krüger oder unter Telefon 040 2390873-13 an Petra Meisel vom BGF-Institut.

Individuelle Zeiteinteilung stärkt die Life-Balance

Wer seine Arbeitszeit selbst beeinflussen kann, ist zufriedener mit seiner Life-Balance, wie eine Er­hebung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) belegt. Die Or­ga­ni­sa­ti­on un­ter­suchte vor der Corona-Pandemie die Auswirkungen der Möglichkeit, Arbeitsanfang und -ende selbst zu bestimmen, Pausen- und Urlaubszeiten nach Wunsch zu gestalten, sowie die Fle­xi­bi­li­tät, ein paar Stunden oder Tage freizunehmen. Haben Beschäftigte bei diesen Ent­schei­dun­gen wenig Mitspracherecht, sind nur rund zwei Drittel überzeugt, dass ihr Arbeits- und Pri­vat­le­ben mit­einan­der im Einklang ist. Haben sie hingegen viel Einfluss auf ihre freie Zeit, zeigen sich bis zu 85 Pro­zent zufrieden mit ihrer Life-Balance. Führungskräfte haben laut der BAuA-Broschüre zwar mehr Einfluss auf ihre Arbeitszeiten als Beschäftigte. Aber 18 Prozent der Vorgesetzten, die für mehr als zehn Mitarbeiter verantwortlich sind, arbeiten trotz größerem Handlungsspielraum an ihrer Leis­tungs­grenze und fühlen sich stark belastet. Je größer das geführte Team, desto höher auch das empfundene Stresslevel.

Ein gesundes Gleichgewicht zwischen Arbeits- und Privatleben stärkt nicht nur die Zufriedenheit der Beschäftigten. Lesen Sie hier, inwiefern es auch für wirtschaftlichen Erfolg im Unternehmen sorgt.

Optionen für alle Lebensphasen

Durch den demografischen Wandel haben es deutsche Arbeitgeber zunehmend mit al­ters­he­te­ro­ge­nen Teams zu tun – und sie sind darauf mehrheitlich gut vorbereitet: Rund 66 Prozent der Un­ter­neh­men gehen bereits auf die unterschiedlichen altersabhängigen Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter ein. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft unter mehr als 1.100 Unternehmen. Die Arbeitgeber sorgen zum Beispiel für altersgemischte Teams, was die Pro­duk­ti­vi­tät von älteren und jüngeren Beschäftigten erhöht. Sie organisieren die Arbeit ab­wechs­lungs­reich, indem Mitarbeiter durch wechselnde Arbeitsplätze und Aufgaben ständig Neues ler­nen. Und sie ermöglichen flexible Formen der Arbeitsorganisation, etwa mobiles Arbeiten, bie­ten Lebensarbeitszeitkonten, die einen frühzeitigen Ruhestand erleichtern, und Sabbaticals, also Aus­zei­ten über mehrere Monate – ein Angebot, das sich für jüngere und ältere Beschäftigte glei­cher­ma­ßen eignen kann. Darüber hinaus halten die Unternehmen Gesundheitsprogramme und -be­ra­tun­gen bereit, die auf die individuelle gesundheitliche Situation der Beschäftigten je nach Le­bens­ab­schnitt eingehen. Arbeitgeber, die ihre Mitarbeiter auf diese Weise motivieren und un­ter­stüt­zen, geben laut Studie deutlich seltener an, dass ihre Beschäftigten nicht bereit oder fähig für Veränderungen sind.

Angesichts zunehmend alternder Belegschaften wird lebensphasenorientiertes Führen immer wich­ti­ger. Wie das gelingt, lesen Sie hier.

Corona lässt Beschäftigte länger, aber schlechter schlafen

Die Covid-19-Pandemie hat die Schlafgewohnheiten vieler Beschäftigten durcheinandergebracht: Während des Lockdowns haben sie zum einen bis zu 50 Minuten länger geschlafen als zuvor. Zum anderen hat sich die Qualität des Schlafes verschlechtert. Das zeigt eine aktuelle Studie der Universität Basel und der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel unter 435 Menschen in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich. Mehr als 85 Prozent der Befragten arbeiteten zum Zeitpunkt der Befragung im Homeoffice. Dass sie im Schnitt länger schliefen, kann laut Studie da­ran liegen, dass die Pendelstrecke zum Arbeitsplatz weggefallen ist. Die schlechtere Schlafqualität erklären sich die Studienautoren mit der belastenden Gesamtsituation, etwa finanziellen und ge­sund­heit­li­chen Sorgen oder Problemen bei der Kinderbetreuung.

Erholsamer Schlaf und die Möglichkeit, abschalten zu können, sind wichtig für die Leis­tungs­fä­hig­keit und Stressresilienz von Beschäftigten. Wie Arbeitgeber ihre Mitarbeiter dabei unterstützen können, erfahren Sie hier.

Mit der „Energietankstelle“ macht das Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung der AOK Rhein­land/Hamburg Arbeitgebern ein aktuelles digitales Angebot aus Kurzübungen zum Auf­tanken, Entschleunigen und Regenerieren. Bei Fragen dazu wenden Sie sich unter Telefon 0221 27180-131 an Simon Kienecker vom BGF-Institut.

Selbsteinschätzung von Führungskompetenz

Ein Großteil der Führungskräfte in Deutschland beschreibt den eigenen Führungsstil als „en­ga­giert“. Das heißt: 80 Prozent der befragten Führungskräfte geben an, ihren Mitarbeitern dabei zu helfen, Aufgaben zu erledigen, ihnen Möglichkeiten zur persönlichen Entfaltung in ihren je­wei­li­gen Arbeitsbereichen zu bieten und Vorbilder für ihr Team sein zu wollen. Das geht aus dem Führungskräfte-Radar 2019 der Bertelsmann Stiftung unter knapp 1.000 Teilnehmern hervor, das in diesem Jahr erschienen ist. Die Studie zeigt außerdem weitere Voraussetzungen auf, damit „engagierte“ Führung positive Auswirkungen auf die Beschäftigten hat. Diese sind zum Beispiel:

  • Klarheit in der Unternehmensstrategie
  • Transparenz bei operativen Prozessen, ohne unnötige Bürokratie
  • gelebte Werte und eine vertrauensvolle, wertschätzende Unternehmenskultur, besonders im direkten Austausch mit Vorgesetzten und Kollegen
  • ambitionierte Ziele der Führungskräfte, auch für ihre eigene Entwicklung
  • hohe Identifikation der Vorgesetzten mit dem Unternehmen, aber auch Erfüllung privater Bedürfnisse
  • motivierte und begeisterte Mitarbeitende, die auch die Führungskraft in ihrer Rolle unter­stützen

Sind diese Bedingungen erfüllt, arbeiten Beschäftigte laut Studie produktiver, zufriedener, kre­a­ti­ver und kollegialer, während Fehlzeiten und Fluktuation abnehmen. Auch wenn die Mehrheit der Führungskräfte sich selbst laut der Umfrage ein positives Zeugnis ausstellt, kann die eigene Wahr­neh­mung täuschen.

Um die Führungskompetenz gezielt zu verbessern, bietet das Online-Programm „Gesund füh­ren“ der AOK viele hilfreiche Ansätze. Damit gelingt eine engagierte und reflektierte Führung, die die Leistungsfähigkeit und Gesundheit der Mitarbeiter steigert.

Stand

Erstellt am: 12.08.2020

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