Aushilfen: höhere Grenzwerte für die Lohnsteuerpauschalierung

Seit 1. Januar 2020 gelten höhere Grenzwerte für die Lohnsteuerpauschalierung bei kurzfristig Beschäftigten. Selbst bei weiteren Anhebungen des Min­dest­lohns ist mit der neuen Tageslohngrenze ein Achtstundentag möglich.

Auf den Punkt gebracht

  • Die Tageslohngrenze bei der Pauschalierung der Lohnsteuer bei kurzfristigen Beschäftigungen wurde zum 1. Januar 2020 von bisher 72 Euro auf 120 Euro angehoben.
     
  • Der gesetzliche Mindestlohn beträgt seit dem 1. Januar 2020 pro Stunde 9,35 Euro. Das entspricht einer Erhöhung um 0,16 Euro gegenüber dem seit Januar 2019 geltenden Wert.
     
  • Weil das Entgelt bei Mindestlohn und bei einem Achtstundentag mit (8 Stunden x 9,35 Eu­­ro =) 74,80 Euro nunmehr unter dem neuen Höchstsatz von 120 Euro liegt, kann die Lohn­steuer­pau­scha­lie­rung für Aushilfen ohne weitere Anpassungen angewendet werden.

Anhebung der Tageslohngrenze

Mit dem Bürokratieentlastungsgesetz (BEG III) gilt seit 1. Januar 2020 eine höhere Ta­ges­lohn­gren­ze von 120 Euro. Der bisherige Grenzwert von 72 Euro verhinderte bei kurzfristig Beschäftigten mit einem gesetzlichen Mindestlohn von 9,19 Euro eine tägliche Arbeitszeit von acht Stunden, wie sich aus folgender Rechnung ergibt:

8 Stunden x 9,19 Euro Mindestlohn = 73,52 Euro.

Die Arbeitszeit der Aushilfskräfte musste daher regelmäßig mit dem gesetzlichen Mindestlohn abgeglichen und gegebenenfalls auch herabgesetzt werden, um ein rechtskonformes Ar­beits­ver­hält­nis zu gestalten.

Verbindung zum Mindestlohn

Das Mindestlohngesetz sieht alle zwei Jahre eine Neufestlegung des gesetzlichen Mindestlohns vor. Um die durchschnittliche Tageslohngrenze bei steigendem Mindestlohn nicht regelmäßig an­pas­sen zu müssen, wurde diese nun in einem größeren Schritt von 72 Euro auf 120 Euro erhöht. Dabei wird auch berücksichtigt, dass für verschiedene Branchen höhere Mindestlöhne als der ge­setz­li­che Mindestlohn gelten. Die erhöhte Tageslohngrenze ermöglicht, auch über dem Min­dest­lohn liegende Stundenlöhne von bis zu 15 Euro für qualifizierte Tätigkeiten in die Lohn­steu­er­pau­scha­lie­rung einzubeziehen.

Pauschalierung der Lohnsteuer

Unter bestimmten Voraussetzungen kann der Arbeitgeber unter Verzicht auf den Abruf von elek­tro­ni­schen Lohnsteuerabzugsmerkmalen (ELStAM) oder die Vorlage einer Bescheinigung für den Lohnsteuerabzug bei Arbeitnehmern, die nur kurzfristig beschäftigt werden, die Lohnsteuer mit einem Pauschsteuersatz erheben.

Gesetzliche Voraussetzungen für die Lohnsteuerpauschalierung

Für die Anwendung des Pauschsteuersatzes von 25 Prozent für eine kurzfristige Beschäftigung wird seit 1. Januar 2020 vorausgesetzt, dass

  • der Arbeitslohn täglich 120 Euro nicht übersteigt,
  • die Beschäftigung über 18 zusammenhängende Arbeitstage nicht hinausgeht und
  • der Stundenlohn höchstens 15 Euro beträgt.

Der Arbeitslohn des kurzfristig beschäftigten Arbeitnehmers darf also während der Dauer der kurzfristigen Beschäftigung im Tagesdurchschnitt 120 Euro nicht übersteigen. Eine kurzfristige Beschäftigung in diesem Sinn liegt nur dann vor, wenn der Arbeitnehmer eine gelegentliche (nicht regelmäßig wiederkehrende) Tätigkeit ausübt, die über 18 zusammenhängende Ar­beits­tage nicht hinausgeht.

Ob sozialversicherungsrechtlich eine kurzfristige Beschäftigung nach § 8 Abs. 2 SGB IV vorliegt oder nicht, ist für die Pauschalbesteuerung mit 25 Prozent ohne Bedeutung.

Ausnahmeregelung: Wann der Tagesdurchschnitt überschritten werden darf

Ist bei einem Arbeitgeber zu einem unvorhergesehenen Zeitpunkt der sofortige Einsatz von kurz­fris­tig beschäftigten Arbeitnehmern erforderlich, darf der Tagesdurchschnitt von 120 Euro über­schrit­ten werden. Beispielsweise ist das für Aushilfskellner zur Bedienung eines un­vor­her­ge­se­he­nen Betriebsausflugs oder Hilfskräfte zum Entladen schnell verderblicher Ware bei un­vor­her­ge­se­he­ner Lieferung denkbar. Die Beschäftigung von Aushilfskräften, deren Einsatzzeitpunkt längere Zeit vorher feststeht, zum Beispiel bei Volksfesten und Messen, kann grundsätzlich nicht als un­vor­her­seh­bar und sofort erforderlich angesehen werden.

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Stand

Erstellt am: 11.03.2020

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